Lokale Themen sind beim Fastnachtsumzug in Eggenstein gefragt, wie die Idee des Ortsseniorenbeirats, Mitfahrerbänke einzurichten. | Foto: del

Fastnachtsumzug in Eggenstein

Von Affenabgastest bis GroKo-Zirkus

Anzeige

Selten hat die große Politik eine solche Steilvorlage für die Narren geliefert. Klar, dass Gruppen und Wagen diese gerne aufnehmen. Die langwierigen Regierungsbildungswehen kriegen auch beim Narrenzug durch Eggenstein ihr Fett ab. Den bilden am Fastnachtsdienstag 55 Gruppen zu Fuß und auf Wagen, darunter ein Drittel aus der Doppelgemeinde selbst, und viele kommen aus der näheren Umgebung und aus der weiteren Region.

Blauer Himmel strahlt über den Narren

Lautstark und ausgelassen geht es durch die Straßen, an denen sich dicht an dicht die Zuschauer – laut Polizei sind es etwa 12.000 – drängen, um ja kein Bild zu verpassen. Strahlende Gesichter bei Organisatoren, Ordnern, Zuschauern: Mal wieder ein Fastnachtsumzug ohne grauen Himmel, Regen und – wie vor zwei Jahren – Sturm, der letztlich dafür verantwortlich war, dass der Gaudiwurm sprichwörtlich „abgeblasen“ worden war.

Auf der Jagd nach Popcorn und Gummibärchen

Ganz vorne in den Reihen postieren sich die kleinen Besucher, die sich freilich viel mehr als für die Themen der Gruppen und Wagen für die kleinen Päckchen interessieren, die von dort geworfen werden: Gutsel, Gummibärchen, Lutscher, Popcorn, Papiertaschentücher – und Bananen.

Ich bin hier zum Lenken, nicht zum Denken

Die großen politischen Themen vom „Zirkus GroKo“ – „Ich bin hier zum Lenken, nicht zum Denken“ wird auf einer „Irrfahrt der Nation“ einer übergroßen Angela Merkel am Steuer eines Traktors in den Mund gelegt – bis hin zu Donald Trump und Affenabgastests werden scharf und treffend karikiert.

Mitfahrerbänke und Schornsteinsprengung

Kommunale Themen sind ebenso gefragt und liebevoll gestaltet, sei es der Schornstein in der ehemaligen Brotfabrik Griesinger, den eine Narrenschar sprengen will, oder die Idee des Eggenstein-Leopoldshafener Seniorenbeirats, der sich für Mitfahrerbänke stark macht: „Wo früher noch ein Tramper stand, steht heute ein Rentnerbank.“ Oder – um noch ein Beispiel zu nennen – eine aufwendig kostümierte Gruppe mit dem liebevollen Hinweis: „Eggstoi verleiht Flügel.“

Mit Herzblut gestaltete Umzugsthemen

Die bunten Figuren von Hexen und Affen, Teufeln und Geistern und die stark modellierten Wagen mit schweren Zugmaschinen oder kleinen Elektro-Autos ziehen die Blicke der Zuschauer an. Zweifellos haben die Initiatoren viel Herzblut in die Gestaltung ihrer Umzugsbeiträge gesteckt. Und die werten freundliche Zurufe vom Straßenrand durchaus als Zeichen des Danks für ihren Aufwand. Zum Abschluss, nachdem sich der Zug aufgelöst hat, feiern die Narren, viele auf dem Parkplatz beim Rathaus, andere in der Hasebockhalle beim Umzugsausklang.

Unruhe nach dem Ende des Umzugs

Viel getan haben die Organisatoren des Fastnachtsgaudiwurms, um das Spektakel reibungslos über die Bühne zu bringen. Personal von Ordnungsamt und Sicherheitsdienst hat sich unter die Gruppen und Wagen gemischt, und viele Polizeibeamte achteten auf die Sicherheit. Und das war – wie sich nach dem Ende des Umzugs erwies – wichtig und richtig.

Anzeige wegen Körperverletzung

Zwei Gruppen Jugendlicher und Heranwachsender fanden sich nach Mitteilung der Polizei ein, ohne jedoch ein Interesse am Umzug zu zeigen. Drohende Auseinandersetzungen konnten durch konsequentes Einschreiten unterbunden werden. Eine Körperverletzung wurde angezeigt. Insgesamt elf erheblich alkoholisierte Jugendliche mussten  betreut werden.

Ausklang im Narrendorf wird gestört

Nach dem Umzug versammelten sich die Narren am Narrendorf. Dorthin kamen laut Polizei schätzungsweise 2.000 Jugendliche und Heranwachsende, die durch übermäßigen Alkoholkonsum und einem Desinteresse am Faschingstreiben auffielen. Die Polizei war mit starken Kräften weiter am Ort.