Schick sehen sie aus: Stolz präsentieren Akteure des Dettenheimer Carnevals Club „Feier Dunner“ die neuen Kostüme für die Kampagne 2019. | Foto: Natalie Nees

Nähteams der Fastnachtsvereine

Von der Stoffbahn zum fetzigen Kostüm

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„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, heißt es so schön. Will heißen: Mit dem Abpfiff beginnt bereits die Vorbereitung auf die nächste Begegnung. Was aber hat diese von Trainerlegende Sepp Herberger geprägte Fußballer-Weisheit mit Fasnacht zu tun? Im übertragenen Sinn soviel wie: Nach der Kampagne ist vor der Kampagne. Denn für die vielen kreativen Hände im Hintergrund der Fastnachts- oder Karnevalsvereine beginnt oft schon bald nach der letzten pointierten Rede in der Bütt und dem letzten zackigen Tanz auf der Bühne die Vorbereitung auf die nächste närrische Saison.

Nähteams der Fastnachtsvereine haben viel zu tun

Dass beispielsweise die frechen Kostüme der Showtanzgruppen Jahr für Jahr aufs Neue zum Blickfang avancieren, das geschieht nicht von heute auf morgen. Nein, damit haben die Kreativabteilungen der Vereine alle Hände voll zu tun. Das, sagt Friedhilde Oberacker vom Nähteam des Dettenheimer Carnevals Club (DCC) „Feier Dunner“, sei eine Heidenarbeit. Melanie Reinschmidt von den „Piraten“ aus Stutensee lacht. „Nach Aschermittwoch haben wir ein paar Wochen Verschnaufpause. Dann geht’s im Prinzip auch schon wieder los. Dann werden Themen überlegt, im April, Mai die Rollen vergeben und Gedanken darüber gemacht, wie die passenden Kostüme der Schautanzgruppen dazu aussehen könnten.“

Von der Stoffbahn zum Kostüm

Bis zu 80 Kostüme werden in jeder Kampagne für die Seebärengarde (Männerballett), Seeperlengarde (Frauen Ü30), Piratengarde (ab 15), Seepferdchen- und Korallengarde benötigt. Die sind stets „Motto bezogen“ und werden „von der Stoffbahn bis zum fertigen Outfit“ überwiegend in der Piraten-Kleiderkammer geschneidert. „Teilweise erstellen wir auch die Schnittmuster selbst“, verdeutlicht Melanie Reinschmidt. Allerweltskostüme, beispielsweise für Cowboys, würden hingegen gekauft und nur noch aufgepeppt. „Unnötige Arbeit muss man sich nicht machen“, meint Reinschmidt. Was zu tun sei, manage zunächst jede Gruppe selbst. Nach Absprache untereinander werde dann ein zentrales Nähteam gebildet, sagt sie.

Dreispitzhüte und Tschakos

Auch „Feier Dunner“ in Dettenheim hat ein Nähteam mit der Gardebeauftragten Friedhilde Oberacker, ihren Töchtern Tina Oberacker und Manuela Büchler, sowie Bianca Schmiglevsky, Anja Metz und Claudia Rieth. Friedhilde Oberacker ist seit der Vereinsgründung 2001 dabei. Ihre Töchter habe sie „mitgezogen“ und ihren Job im Nähteam nun an sie übergeben. Eigentlich. „Ich helfe aber immer wieder mit“, meint sie schmunzelnd. So ohne weiteres komme sie doch nicht davon los. „Wir lassen uns von einer Bekannten den Rohling, also Jacke und Rock, nähen. Wenn wir das machen müssten, hätten wir das ganze Jahr zu tun. Außerdem haben wir gar nicht die Maschinen dazu“, verdeutlicht sie.

Das Nähteam des Dettenheimer Carnevals Club (DCC) „Feier Dunner“. Von links Claudia Rieth, Manuela Büchler an der Nähmaschine, Bianca Schmiglevsky, die kleine Milena ist Tänzerin beim DCC, und Mutter Anja Metz richtet ihr den Kostümrock. | Foto: Natalie Nees

Etwa 25 Kostüme für Garde und Mariechen des DCC werden benötigt. „Was auf die Kostüme kommt, Glitzersteine, Applikationen und so, das machen wir dann selbst.“ Brandneu sind gerade Hüte für Garde und Mariechen entstanden. Dreispitzhüte und – ein Novum – Tschakos, „wir sagen dazu auch Keksschachteln“. Was aber passiert mit den „alten“ Showkostümen? Das komme aufs Thema an: „Dieses Jahr war ein Teil aus dem Fundus noch zu gebrauchen und wurde umgemodelt.“

Pumphosen für Hexen

Für die Showtanzgruppe der Linkenheimer Kungelhexen werden Kostümstücke zusammengekauft und, wie beim DCC, veredelt. Für die Hexen würden die Jacken (aus Fleece) und die weißen Pumphosen gekauft, „der Rest nach Vorgabe selbst genäht, ebenso die Stulpen“, sagt Thomas Edelmann. „Hexenkostüme werden nach Bedarf gemacht, wenn es Neuzugänge gibt“, verdeutlicht er. Alte Hexenkostüme würden aber, wenn möglich, „weiterverwendet“.

Dass es den geblümten Ursprungsstoff für Schürze und Kopftuch inzwischen nicht mehr gibt, hat selbst ein Zauber der momentan 35 aktiven Kungelhexen nicht verhindern können. Einige Monate habe man sich durchs Internet gekämpft, „um einen in etwa gleichen Stoff zu bekommen“, erzählt Thomas Edelmann. Da wurden dann schon mal 100 Meter oder mehr Blümchenstoff gekauft: „Zurzeit sind wir gut versorgt. Aber wenn der Vorrat dann weg ist…“ Früh im Jahr, am besten bis Juni, sind die Hexenmasken beim Schnitzer in Herxheim zu bestellen, „sonst wird’s problematisch, sie noch rechtzeitig bis zur Kampagne zu bekommen“. Zwei, drei Rohlinge davon habe man aber vorrätig. Die müssten dann nur noch beim Airbrusher in Wiesental farblich fertiggestellt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ehrengardistin händigt die Kostüm aus

Bei der Neudorfer Karnevalsgesellschaft (NeuKaGe) ist für die Kostümverwaltung seit Jahren Ehrengardistin und Löwenträgerin Natascha Schmidt zuständig. „Sie händigt vor der Kampagne die Kostüme sowie Umzugsumhänge aus. Und sie trägt auch Sorge dafür, dass diese nach der Kampagne wieder ordentlich eingelagert werden“, erklärt Ulla Simianer. „Ist mal was zu ändern oder reparieren, erledigt sie das mit einer Schneiderin.“

Einkleidung nicht ganz billig

Verwaltet werden müssen bei der NeuKaGe rund 60 Kostüme von drei Garden (Elfchen-, Husaren- und Prinzen). Etwa alle fünf Jahre werden die Garden neu eingekleidet. „Das bedeutet einen Kostenaufwand pro Garde von 3 000 bis 4 000 Euro“, so Simianer. Die Schautanzgruppe (12 Mitglieder), das Männerballett (13) und die Grießknöpflen, die ganz kleinen (11), treten auch bei der NeuKaGe jedes Jahr mit neuem Outfit auf. „Das kreieren und verwalten sie selbst“, so Ulla Simianer.

Optik, Zeitaufwand und Budget sind die Herausforderungen bei den Kostümen

Ob Stöpsel, Knirpse, Rheinperlen oder Schnooge: Insgesamt neun Gruppen wollen beim Leopoldshafener Carnevals Club, kurz LCC, eingekleidet werden. „Wer was braucht und macht, das entscheiden die einzelnen Gruppen weitgehend selbst“, erklärt LCC-Vizepräsident Jochen Kunz. „Wir haben natürlich schon drei, vier, fünf fleißige Schneiderlein, die gut mit Nähmaschinen umgehen können“, sagt er und lacht. Denn sauber und korrekt arbeiten, das sei wichtig, schließlich müsse „bei Garde-Turnieren alles gleich aussehen“. Kunz: „Die Optik, der Zeitaufwand und das Budget, das sind die Herausforderungen bei den Kostümen.“