Global Player: Die IWK Verpackungstechnik GmbH mit Produktionsstätten in Europa und Asien feiert Erfolge unter anderem mit High-Tech-Innovationen.
Global Player: Die IWK Verpackungstechnik GmbH mit Produktionsstätten in Europa und Asien feiert Erfolge unter anderem mit High-Tech-Innovationen. | Foto: Rake Hora

IWKA prägte Region Karlsruhe

Von Patronen zu Robotern

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Der Karlsruher Maschinen- und Anlagenbaukonzern IWKA war über Jahrzehnte in der Region ein Begriff. Die imposanten Fabrikhallen prägen noch heute das Bild der Südweststadt, als Heimstatt unter anderem für das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM). In der Region geblieben ist die IWK Verpackungstechnik GmbH in Stutensee, die 2018 auf ihr 125-jähriges Firmenbestehen verweist. Das Unternehmen entwickelt Tubenfüll- und Verschließmaschinen sowie Kartoniermaschinen für die internationale Pharma- und Kosmetikindustrie. IWK verfügt über zwei Produktionsstätten in Europa und Asien und beschäftigt rund 450 Mitarbeiter, überwiegend in Stutensee.

Maschinen füllen Tuben in Opiumfabrik

Als Gründungsdatum beruft sich die Firma auf das Jahr 1893, als der niederländische Kolonialminister Maschinen und Einrichtungen zum Füllen und Verschließen von Tuben für eine Opiumfabrik in Batavia (heute Indonesien) bestellt. Die bereits 1872 in Karlsruhe als Patronenhülsenfabrik Henri Ehrmann & Cie gegründete Deutsche Metallpatronenfabrik Karlsruhe erweitert daraufhin ihr Fertigungsprogramm mit halbautomatischen Maschinen zum Füllen besagter Tuben. Die Opiumpaste wird übrigens als schmerzstillende Wundsalbe verwendet.

Eine der größten Waffenschmieden in Süddeutschland

Ab 1896 firmiert das Unternehmen als Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG. Während des Ersten Weltkriegs wird die zivile Fertigung – von Verpackungs- bis zu Münzprägemaschinen – ganz eingestellt. Ab 1922 nennt sich die Firma Berlin-Karlsruher Industrie-Werke AG und stellt unter anderem Schreib- und Nähmaschinen her. 1928 geht die Aktienmehrheit auf die Familie Quandt über. 1936 bringt die Rückkehr zum alten Namen: Die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG ist im Zweiten Weltkrieg eine der größten Waffenschmieden in Süddeutschland.

Weltbekannt durch die Kartoniermaschine Cartopac

1949 wird das Unternehmen in Industrie-Werke Karlsruhe AG (IWK) umbenannt – mit neuer Produktlinie. 1955 zum Beispiel wird laut Firmenchronik die erste vollautomatische Verpackungslinie für Tuben entwickelt. Die Kartoniermaschine Cartopac macht IWK 1968 weltweit bekannt. 1970 fusionieren die ebenfalls zur Quandt-Gruppe gehörende Kuka GmbH in Augsburg und die IWK zur Industrie-Werke Karlsruhe Augsburg AG (IWKA AG).
Die IWK Verpackungstechnik GmbH und die Regler- und Kompensatorenfertigung werden 1979 nach Stutensee-Blankenloch verlegt. Die Familie Quandt steigt aus dem Unternehmen aus, die IWKA AG wird 1980 zu einer börsennotierten Publikumsgesellschaft.

Roboter für die Automobilindustrie

Im Jahr 2000 wird die IWKA durch die Übernahme des Geschäftsbereichs Verpackungstechnik der Jagenberg AG Düsseldorf nach eigenen Angaben zu einem der weltweit führenden Anbieter von Verpackungsmaschinen und -anlagen. 2004 wird deutlich, dass sich der Konzern mit damals über 100 Unternehmen und Beteiligungen auf die Robotertechnik ausrichten will. Die Kuka Roboter Gruppe ist 2005, wieder nach eigenen Angaben, weltweit führender Anbieter von Robotern in der Automobilindustrie. Die Gruppe hat 2 000 Mitarbeiter, davon 500 in Augsburg.
2005 werden die IWKA Balg- und Kompensatoren GmbH in Stutensee und deren Tochtergesellschaften verkauft. Diese BOA-Gruppe mit weltweit 1 250 Mitarbeitern stellt flexible mechanische Elemente für die Automobil- und Zuliefererindustrie sowie für die allgemeine Industrie in aller Welt her. Obwohl Anfang dieses Jahres ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, läuft der Betrieb „wie auf dem Niveau zuvor“ weiter, teilt BOA mit. Es gebe durchaus Interessenten für eine Übernahme.

Die Industriehallen des Maschinen- und Anlagebaukonzerns IWKA waren im Jahr 1995 bereits im Umbau für die Eröffnung des ZKM.
Die Industriehallen des Maschinen- und Anlagebaukonzerns IWKA waren im Jahr 1995 bereits im Umbau für die Eröffnung des ZKM. | Foto: Peter Sandbiller

Hauptverwaltung geht nach Augsburg

2006/07 verlagert die IWKA ihre Hauptverwaltung nach Augsburg. Dort sind die Zentralen der Geschäftsbereiche Kuka Schweißanlagen und Kuka Roboter, mit denen etwa 70 Prozent des Konzernumsatzes erzielt werden. 2007 wird auch die Verpackungstechnik verkauft und zur Tochtergesellschaft der Oystar Group. Im gleichen Jahr erfolgt die Umbenennung der IWKA in Kuka AG. Dieser Konzern besteht nur noch aus den Geschäftsbereichen Anlagen- und Systemtechnik sowie Robotertechnik.

Deutscher Verpackungspreis für das Cobot-System

2013 verkauft die Oystar Group die IWK Verpackungstechnik an die kanadische ATS Automation Tooling Systems. Im vergangenen Jahr zeichnet das Deutsche Verpackungsinstitut das Cobot-System, einen innovationsoffenen Roboterbaukasten, mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Maschinenbau aus.