Etliche Pendler von der Pfälzer Seite nutzen allmorgendlich mit Pkw oder Fahrrad die Rheinfähre „Peter Pan“ zwischen Leimersheim und Leopoldshafen, um ihre Arbeitsstelle im Badischen zu erreichen. | Foto: del

Bauarbeiten auf Rheinbrücke

Während der Sanierung ist die Fähre eine echte Option

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Noch ist kaum ein Mensch auf der Straße an diesem Montagmorgen. Es ist kurz nach halb sieben. Aber die ersten Autos sammeln sich am Leimersheimer Rheinufer auf der Pfälzer Seite: Männer und Frauen, die ins Badische wollen, weil sie dort arbeiten. Gerade hat die Fähre „Peter Pan“ gegenüber dem Rheinblick in Leopoldshafen  angelegt, zwei Pkw fahren vorsichtig rumpelnd die gepflasterte Rampe hoch auf den Leinpfad.
Von Leopoldshafen her will offensichtlich niemand in die Pfalz. Also geht’s erst mal ohne Fracht wieder zurück nach Westen.

 

Noch ist es ziemlich ruhig. Die Fähre schippert ab 6 Uhr in der Früh alle etwa zwölf Minuten hin und her – mit oder ohne Autos, Fahrräder, Motorroller, Fußgänger. Kurz vor sieben: „Das ist die fünfte Tour“, sagt Fährführer Franz Ohler, der die „Peter Pan“ seit August steuert. „Ein normaler Morgen, ab 7 Uhr kommen mehr Fahrzeuge, die vor allem von Leimersheim nach Leopoldshafen wollen.“ In der anderen Richtung kommen die meisten von ihnen dann gegen Spätnachmittag zurück, heimwärts.

Kürzerer Weg zur Arbeit

Manche Autofahrer nehmen die Fähre jeden Tag, weil sie den kürzeren Weg zur Arbeitsstelle ermöglicht. Andere fahren eher seltener. Viele haben deshalb ihre „Punktekarte“ für Vielfahrer, die für jede Überfahrt „geknipst“ wird.

Meistens nehme ich die Bahn

„Meistens nehme ich die Bahn“, sagt Peter Betzler, der in Rheinzabern wohnt und zur Arbeit am KIT im Leopoldshafen unterwegs ist: „Aber wenn ich ab und zu das Auto brauche, nutze ich die Fähre.“ Für ihn eine bevorzugte Option, gerade im Hinblick darauf, dass in wenigen Tagen die Bauarbeiten auf der Karlsruher Rheinbrücke beginnen sollen.

Die Brücke ist eine Katastrophe

Das ist für andere Pendler im Übrigen eine durchaus ernsthafte Option. So wie für den Mann, der regelmäßig von Leimersheim nach Eggenstein zur Arbeit fährt, „eigentlich fast jeden Tag“, sagt er. Und: „Auf jeden Fall mit der Fähre.“ Wie Yvonne Dörrzapf: „Die Brücke ist eine Katastrophe“, meint die junge Frau, die von Leimersheim nach Karlsruhe zur Arbeit pendelt.

Von Neupotz ans KIT

„Ich nehme immer die Fähre, wenn sie fährt“, sagt Jürgen Vollandt: „In der Brückenbauzeit erst recht.“ Er kommt von Neupotz und fährt zur Arbeit ans KIT. Zwischendurch ist es eine junge Frau, die von Leopoldshafen auf die andere Rheinseite will: „Ich arbeite in Bellheim“, berichtet Susanne Hauser. Das macht sie vier Tage in der Woche, dreimal nimmt sie im Schnitt die Fähre, einmal fährt sie über die Brücke: „Dort geht’s schneller, wenn ich knapp dran bin“, meint sie. Aber wenn an der Brücke Maxau gebaut wird, werde sie wohl nur per Fähre pendeln.

Morgens Fähre, abends Brücke

Morgens Fähre, abends Brücke – „weil’s schneller geht, wenn’s läuft“ – ist die Devise von Andreas Pfanger, der von Herxheim auf dem Weg nach Blankenloch zur Arbeit ist. „Morgens ist die Brücke ganz selten eine Option. Während der Sanierung sicher gar nicht.“ Von Rülzheim fährt August Seiler regelmäßig ans KIT: „Ich bin froh, dass es die Fähre gibt. Wenn die Brücke saniert wird, nehmen sicher mehr Leute diese Variante in Anspruch.“

Auf dem Schulweg

Uli Weiß fährt jeden Morgen seine beiden Töchter von Leimersheim in die Karlsruher Waldstadt, wo die beiden zur Schule gehen. Dafür bevorzuge er generell die Fähre, sagt Weiß. Wenn er anschließend nach Neustadt zur Arbeit fährt, nimmt er die Brücke.

Fast immer mit dem Rad

„Nur wenn es morgens heftig regnet, fahre ich nicht mit dem Rad“, erzählt Thomas Meyer. Er ist ziemlich früh auf dem Weg von Leimersheim nach Blankenloch, wo er arbeitet. „Solange die Fähre in Betrieb ist, nutze ich sie auch.“ Und wenn er – ziemlich selten, wie er einräumt – doch mal das Auto braucht? „Dann fahre ich über die Brücke bei Germersheim.“

Nur ausnahmsweise

Und die nutzt an diesem Tag auch Sven Gutknecht. Der Mitarbeiter bei baden-württembergischen Energieversorger fährt nämlich nur ausnahmsweise vom heimischen Leimersheim nach Leopoldshafen und zum dortigen Teil des KIT: „Ich habe sechs Tage eine Fortbildung“, erzählt der Mann. „Zu meiner normalen Arbeitsstelle beim Kernkraftwerk in Philippsburg fahre ich immer über die Rheinbrücke bei Germersheim.“

 

Rheinfähre „Peter Pan“
Zwischen Leimersheim auf der pfälzischen Rheinseite und Leopoldshafen auf der badischen Seite verkehrt die Schnelllastfähre „Peter Pan“. Sie ist 52,5 Meter lang und 11,4 Meter breit, sie ist 16 Knoten (knapp 30 Kilometer pro Stunde) schnell. Sie verfügt über eine Tragkraft von 120 Tonnen und Stellplatz für etwa 20 Pkw. Wochentags ist sie im November und Dezember zwischen 6 und 10 sowie 14 und 18 Uhr in Betrieb, samstags bei schönem Wetter zwischen 9 und 17 Uhr, sonntags und feiertags momentan bei schönem Wetter zwischen 10 und 17 Uhr. Vom 1. bis 14. Januar ist die Fähre außer Betrieb, im Sommer fährt sie wochentags ab 6 Uhr, samstags überwiegend 9 bis 19 Uhr und sonn- und feiertags meistens 10 bis 20 Uhr.
Fahrpreise
(Für Vielfahrer gibt es eine 100-Punktekarte für 30 Euro. Pro Fahrt werden je nach Fahrzeug Punkte abgestrichen. Einzelpreise sind daneben vermerkt.)
Wohnmobil, 15 Punkte/fünf Euro
Pkw, zehn Punkte/4,50 Euro
Moped, sechs Punkte/2,50 Euro
Radfahrer, fünf Punkte/2,50 Euro
Fußgänger oder Mitfahrer, drei Punkte/1,50 Euro

Fähre Baden-Pfalz
Die Rheinfähre Baden-Pfalz verbindet Neuburgweier und Neuburg, Baden und die Pfalz, Deutschland und Frankreich. An diesem Montag war sie laut Internetseite des Betreibers noch wegen Niedrigwassers außer Betrieb.
Statt den langen Weg über die Rheinbrücke zu wählen, genießen Radfahrer die ruhige Überfahrt über den Rhein, heißt es auf der Internetseite der Stadt Rheinstetten.
Bis zu 15 Pkw oder 200 Personen können mit einer Fahrt übersetzen, auch Reisebusse werden befördert. Die Rheinfähre Baden-Pfalz ist von März bis Oktober täglich in Betrieb, bei Hoch- und Niedrigwasser muss sie pausieren. Im Berufsverkehr pendelt sie zwischen 6 und 8 Uhr alle zwölf Minuten, danach im 15-Minuten-Takt.