Das Weingartner Moor Ende Oktober: Rund um den großen Ast, der seit Jahren dort liegt, ist mittlerweile Gras gewachsen.
Das Weingartner Moor Ende Oktober: Rund um den großen Ast, der seit Jahren dort liegt, ist mittlerweile Gras gewachsen. | Foto: Marianne Lother

Weingartner Moor ist trocken

Die Artenvielfalt droht verloren zu gehen

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Von Marianne Lother

Viele besorgte Bürger haben ihn in jüngerer Zeit schon angerufen, sagt der Weingartner Forstrevierleiter Michael Schmitt: Das Moor sei so trocken, ob man nichts dagegen tun müsse. Die Besorgnis ist verständlich: Wo in wasserreichen Zeiten ein See liegt – wenn auch nur 50 Zentimeter tief – steht jetzt Vegetation. Im Juli war das Wasser bereits verschwunden, und der Seegrund zeigte erste Trockenrisse. Rund um den großen Ast, der seit Jahren dort liegt, ist Gras gewachsen. Vor rund sechs bis sieben Wochen waren dagegen in Weingarten ergiebige Regenfälle niedergegangen, damals drohte der Walzbach stellenweise über das Ufer zu steigen, das mit Sandsäcken gesichert wurde. Diese Extreme zwischen heftigen Regenfällen und wochenlanger Trockenheit sieht Schmitt als ein sicheres Zeichen des Klimawandels. „Das wird ab jetzt häufiger vorkommen“, sagt er. Trockenheit im Moor habe es schon öfter gegeben, aber die Häufigkeit nehme zu.

Das Moor wird vom Grundwasser gespeist

Versuchen, Wasser einzuleiten, gibt Schmitt keine große Chance. Das Moor sei grundwassergespeist, Wasser von oben verschwinde so schnell wie es gekommen sei. Er habe mit dem Kreisökologen Hans-Martin Flinspach über die naturschützerischen Gesichtspunkte gesprochen. Dieser sehe das als weniger tragisch an, denn im Moor leben auch angepasste Arten wie der Schlammpeizker, der sich bei Trockenheit in den Schlamm eingrabe und dort überleben könne. Nicht überleben würden allerdings die räuberischen Fische, beispielsweise die Sonnenbarsche, aber es handele sich meist um sehr kleine Exemplare. Die Amphibien, die im Frühjahr schlüpfen, hätten ihre Entwicklung bereits abgeschlossen.

Das Moor im Juli: Das Wasser im See ist bereits verschwunden, der Seegrund zeigt erste Trockenrisse an.
Das Moor im Juli: Das Wasser im See ist bereits verschwunden, der Seegrund zeigt erste Trockenrisse an. | Foto: Marianne Lother

Es müsste wirklich viel regnen

„Zum Glück“ sagt Schmitt, gilt das Weingartener Moor doch als Vorkommensort von Gras- und Springfröschen und anderen Tieren von europäischem Rang. Schmitt hat einen anderen Lösungsvorschlag, damit die Tiere überleben: die restlichen Senken, in denen noch Wasser vorhanden ist, mit einem Schreitbagger zu vertiefen und rund zwei bis zweieinhalb Meter tiefe Löcher zu graben. In diese könnten sich Tiere zurückziehen. Aber diese Entscheidung liege beim Regierungspräsidium. Von selbst werde sich dieser Zustand erst wieder ändern, wenn es genügend geregnet habe. Aber dann müsse es wirklich viel regnen.

Reichlich Schnee und Kälte wäre nötig

Schmitt hofft jetzt auf einen ergiebigen Winter mit reichlich Schnee und Kälte, damit sich die Winterfeuchte im Boden hält. Sollte die Trockenheit sich etablieren, gehe die Artenvielfalt verloren. Denn im Moor leben unter anderem allein rund 40 Libellenarten, deren Lebensraum das Wasser ist.