Nur ein Provisorium: Eine stählerne Fußgängerbrücke wurde am Bahnhof Söllingen errichtet. Sie soll dann in Betrieb gehen, wenn der Straßenübergang gesperrt wird. Für ältere Bürger und Menschen mit Kinderwagen schafft das Bauwerk Probleme.
Nur ein Provisorium: Eine stählerne Fußgängerbrücke wurde am Bahnhof Söllingen errichtet. Sie soll dann in Betrieb gehen, wenn der Straßenübergang gesperrt wird. Für ältere Bürger und Menschen mit Kinderwagen schafft das Bauwerk Probleme. | Foto: Kuld

Unterführung soll kommen

Wegen Schließung des Bahnübergangs Söllingen: Bus-Shuttle wird getestet

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Zwei große Bauprojekte stehen an den Bahnübergängen Söllingen und Kleinsteinbach an: Nachdem in Söllingen inzwischen eine Nordumfahrung gebaut wurde, soll am Bahnhof eine Unterführung für Autos und Radfahrer sowie eine zweite für Fußgänger entstehen.

Aktuell werden dort Kanal- und Wasserleitungen verlegt, erklärt Günter Knobloch, Leiter des Bauamts der Gemeinde Pfinztal, auf BNN-Nachfrage. Dazu gibt es zwei Durchpressungen unter den Schienen, zudem wird ein Rückhaltebecken mit Abfluss zur Pfinz als Hochwasserschutz angelegt.

Zwei Millionen Euro allein für Tiefbau-Arbeiten vorgesehen

Allein diese Arbeiten schlagen mit etwa zwei Millionen Euro zu Buche – Geld, das die Gemeinde zunächst berappen muss. „Wir hoffen, einen Großteil wieder als Zuschüsse zurück zu bekommen“, sagt der Bauamtsleiter.

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Auch die Bahnsteige am Haltepunkt „Söllingen Bahnhof“ werden auf Kurs gebracht. Inklusive der bereits fertiggestellten Nordumfahrung für den Schwerverkehr geht man von 41 Millionen Euro Gesamtkosten aus, wovon die Gemeinde mit etwa 13 Millionen Euro zur Kasse gebeten wird.

Übergang soll im Herbst geschlossen werden

Der bisherige Übergang soll im Herbst definitiv geschlossen werden. Inzwischen wurde für rund eine Viertelmillion Euro eine provisorische Stahlbrücke errichtet, die allerdings nur von Menschen, die gut zu Fuß sind, genutzt werden kann. Wer mobilitätseingeschränkt ist – oder mit einem Kinderwagen auf die andere Seite Söllingens gelangen möchte, hat Pech. Das weiß natürlich auch die Verwaltung und hat daher über Aufzüge nachgedacht, dies allerdings wieder verworfen. Nun wolle man „einen Bus-Shuttle-Service“ anbieten, erläutert Knobloch. Das könnten regelmäßige Transporte sein – oder solche auf Anruf. „Wir werden das jetzt testen.“

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Dass Eile geboten ist, liegt laut Aussage des Bau-Experten auch daran, dass „die Signaltechnik der Bahn sehr marode ist und es so gut wie keine Ersatzteile gibt, wenn die versagt“. Dann muss nämlich der derzeitige Übergang sofort dicht gemacht werden.

Haltestelle wird auf Monate nicht nutzbar sein

Apropos dicht: Die Haltestelle könnte nach Einschätzung der Gemeinde einige Monate nicht nutzbar sein, was bedeutet, dass Pendler anderswo zusteigen müssten. Das werde natürlich auch in Bezug auf Parkplätze an den anderen Söllinger Haltepunkten Folgen haben, ist sich Knobloch sicher. Doch sei die Maßnahme an diesem wichtigen Übergang nun mal notwendig. Laut Aussage der Albtal-Verkehrsgesellschaft, die die Arbeiten plant, werde der Bahnverkehr an sich nicht beeinflusst.

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Die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs in Söllingen ist das größte Projekt in Pfinztal. Aber auch im Nachbarort Kleinsteinbach gibt es einen solchen Übergang – und der soll nach dem Willen des Gemeinderats ebenfalls bald Geschichte sein. „Wir hatten der Bahn ja angedroht, sie zur Beseitigung des Bahnübergangs zu zwingen“, sagt Knobloch, „und jetzt bewegt sich was“. So plane die Bahn nun eine Fußgängerunterführung – und der motorisierte Verkehr soll dann über eine „voll verkehrstaugliche Straße beim Klärwerk“ geführt werden.

Zuvor hatte die DB Netz AG, Regionalbereich Südwest, beim Eisenbahnbundesamt Unterlagen für die „Bahnübergangserneuerung“ in Kleinsteinbach eingereicht, wonach ihr Ansinnen war, den Kleinsteinbacher Bahnübergang zu „ertüchtigen“. Der Bahnübergang sollte nach dem Wunsch der DB Netz ausgebaut, das Restaurant „Hühnerdieb“, untergebracht im ehemaligen Bahnhofsgebäude, abgerissen werden.

Züge dürfen in Kleinsteinbach nur 30 Kilometer pro Stunde fahren

Dass die Bahn ein großes Interesse an einer Verbesserung der Situation in Kleinsteinbach hat, ist unter anderem dadurch begründet, dass dort alle Züge aus Sicherheitsgründen mit maximal 30 Stundenkilometern fahren dürfen. Und wie in Söllingen kommt auch in Kleinsteinbach eine uralte Technik am Bahnübergang zum Einsatz – eine Technik, für die es so gut wie keine Ersatzteile mehr gebe.