Das Weingut Schäfer wird es nach der Insolvenzanmeldung in der bisherigen Form nicht mehr geben. Unklar ist, wie es mit den Weinbergen in der Zukunft weitergeht. | Foto: Waidelich

Diskussion in Weingarten

Weingut Schäfer: Wie geht es weiter nach Insolvenzantrag?

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Wie geht es weiter, nachdem das Jöhlinger Weingut Schäfer Insolvenz angemeldet hat? Eine Frage, deren Beantwortung viele Menschen interessiert. 150 kamen am Donnerstagabend in die Weinmanufaktur Weingarten, weil sie neue Erkenntnisse erwarteten. Die gab es – wenn auch nicht immer abschließend.

Zwei Fragen stehen im Zentrum der Diskussionen. Erstens: Was geschieht mit den Trauben, die aktuell an den Rebstöcken auf den Schäfer-Weinbergen hängen? Zweitens: Wie geht es mit den Rebflächen dann nach dem Herbst weiter? Für die Trauben zeichnet sich eine Lösung ab.

Unklar, was mit den Flächen geschieht

Das Weingut hingegen wird es in der bisherigen Form, so wurden die Teilnehmer der Versammlung von Frank Gauß und Investor Bernd Bechtold sowie der vorläufigen Insolvenzverwalterin Henrike Georg informiert, wohl nicht mehr geben („der Zug ist durch“), und es ist aktuell völlig unklar, was mit den Flächen geschieht.

Warum findet eine Versammlung zur weiteren Entwicklung rund um das Jöhlinger Weingut Schäfer bei der Weinmanufaktur Weingarten statt? Es gab im Vorfeld des – letztlich allerdings für alle überraschenden Insolvenzantrags – Kontakte vom Weingut zu den Genossen auf dem Kirchberg.

Trauben  nach Weingarten?

Zunächst geht es um die Trauben des aktuellen Herbsts. Laut Gauss „können wir hier gute Trauben brauchen, denn der Weingartener Wein läuft gut“. Man würde dafür aktuelle Preise bezahlen. Doch wer organisiert die Ernte, wer tritt in Vorlage, wer prüft, was gut, was schlecht ist? Die Kosten für das Ernten würden von Privat vorgestreckt. Allerdings, so machte Gauss deutlich, geht es bei der Abnahme noch darum, dass die Gremien der Genossenschaft zustimmen.

Das angedachte Verfahren tangiert das Genossenschaftswesen in seinen Grundfesten – das wurde in mehr als einer Wortmeldung deutlich. Es geht dabei um die Frage, ob der Zusammenschluss auch die Trauben eines Nichtmitglieds annimmt und verwertet.

Nicht alles wird geerntet

Klar wurde am Donnerstag allerdings, dass  nicht die ganzen Schäfer-Flächen geerntet werden. Es sei ersichtlich, dass ein Teil nicht mehr in gutem Zustand sei. Bei einer Begehung soll ermittelt werden, was lohnt, und was nicht.

Wein wird abverkauft

Deutlich wurde zudem, dass für das gesamte Gut bislang kein Nachfolger zu finden war. Die Halle in Jöhlingen ist inzwischen auch für andere Nutzungen vorgesehen. Die noch vorhandenen Weinmengen sollen abverkauft werden. Diesbezüglich sagte Bernd Bechtold, dass es nicht an der Qualität des Weins gelegen habe, dass Insolvenz angemeldet wurde.

Im Gegenteil: Hier sei Thomas Schäfer in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. Bechtold betonte zweimal, dass er von dem Insolvenzantrag überrascht wurde, nachdem man zuvor auf vielerlei Wegen versucht habe, das Ganze ins Lot zu bringen.

Viele Weinbergbesitzer

Schwieriger als die Frage nach dem aktuellen Herbst ist die nach der Zukunft der Rebflächen, die in unterschiedlicher Größe vielen Besitzern gehören. Die standen bei Rechtsanwältin Georg am Donnerstag Abend Schlange, um sich mit ihren Anteilen registrieren zu lassen – die vorhandenen Unterlagen waren wohl teils unvollständig, teils gab es auch mündliche Vereinbarungen.

Wer bewirtschaftet in der Zukunft?

Einen Interessenten für den Gesamtbestand gab es bislang nicht, wurde mehrfach gesagt. Allerdings gibt es aus Bruchsal Nachfrage nach Teilflächen. Das können Weinexperten durchaus nachvollziehen, denn in den Schäfer’schen Rebhängen gebe es auch solche, die „nicht sinnvoll bewirtschaftbar sind“.

Die guten Lagen – darüber würde man sich in Weingarten freuen – wären bei Genossen vom Kirchberg gut aufgehoben. Das indes ist freilich eine Frage des Marktes, über die in den kommenden Wochen zu reden sein wird.

Anschlusspachtverträge

Grundsätzlich, so war bei der Versammlung herauszuhören, gibt es in Weingarten und Walzbachtal ein Interesse, die Rebanlagen als Gesamtheit zu erhalten. Ob das gelingt, ist zwar eher fraglich, muss sich aber in vielen Gesprächen über mögliche Anschlusspachtverträge für die unterschiedlichen Grundbesitze zeigen.