Von Graben nach Hochstetten fuhr einst ein Zug. Der Streckenverlauf ist noch ersichtlich. Jetzt soll untersucht werden, ob die Reaktivierung der Strecke Sinn macht. | Foto: Gamer

Alte Gleise, neue Strecken

Weitere Stadtbahntrassen?

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Die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken ist ein Anliegen des grünen Landesverkehrsministers Winfried Hermann (die BNN berichteten). Seine Parteifreunde im Kreistag des Landkreises Karlsruhe unterstützen ihn darin – und gehen noch einen Schritt weiter. Per Pressemitteilung plädieren sie zudem für den Bau neuer Strecken im Sinne eines Lückenschlusses des Nahverkehrsnetzes auf der Schiene in der Region. Konkret geht es um die Abschnitte Graben-Neudorf – Hochstetten sowie Spöck – Bruchsal und Gochsheim – Flehingen.

Förderung vom Land?

Am konkretesten ist wohl die Überlegung für die Reaktivierung des rund 6,5 Kilometer langen Abschnittes von Graben-Neudorf nach Hochstetten. Dieser findet sich auch in der 41 Positionen umfassenden Liste des Ministers, die bis Ende 2020 untersucht werden sollen. Für eine etwaige Reaktivierung werden Fördermittel in Aussicht gestellt. Die ersten 100 Kilometer reaktivierter Bahnstrecken will das Land nach dem Landesstandard im Schienenpersonennahverkehr selbst finanzieren.

Stilllegung 1967

Der Abschnitt Graben-Neudorf – Hochstetten wurde nach Angaben der Kreis-Grünen 1967 stillgelegt. Er war Teil der ersten Bahnstrecke von Karlsruhe nach Mannheim, die ehedem über Neureut nach Eggenstein und Leopoldshafen weiter nach Norden führte. Noch heute lässt sich der Streckenverlauf ohne Brücken nachvollziehen – ein gerader Weg im Wald. Die Grünen wollen, dass in einem ergebnisoffenen Verfahren die mögliche Trasse ausgewählt werden soll, die die Fahrgäste am besten erreicht. Die alte Trasse führte laut der Information der Grünen in einem großen Bogen um Graben herum.

Vor 149 Jahren – 1870 – fuhr der Zug erstmals durch Leopoldshafen. 1967 wurde der Betrieb eingestellt. Schiene und Erklärtafel erinnern an dieses Kapitel Bahngeschichte. | Foto: Werner

Neuer Knotenpunkt

Die Aktivierung wäre aus Sicht der Grünen insoweit besonders interessant, als in Graben-Neudorf ein Knotenpunkt zwischen zwei Linien entstehen könnte. Zum einen wäre die Stadtbahnlinie bis Hochstetten durchgebunden bis Graben-Neudorf, zum anderen bestünde dort ein Übergang in die S-Bahn-Achse von Bruchsal nach Germersheim beziehungsweise Anschluss an die Bahn weiter Richtung Mannheim.

Teil der „Rheinbahn“

Die „Rheinbahn“, die Eggenstein und Leopoldshafen bediente, startete 1870. Schon 1895 fuhr freilich die Hardtbahn über Blankenloch nach Norden, weshalb die „Rheinbahn“ etwas ins verkehrliche Abseits geriet.
Die von den Grünen zudem angesprochene Trasse Spöck – Bruchsal ist keine neue Idee. Die Verlängerung der bestehenden Stadtbahnlinie über Stutensee hinaus in den Bahnhof Bruchsal stand vor gut einem Jahrzehnt schon einmal auf der Agenda, wurde seinerzeit aber wegen eines ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses zu den Akten gelegt. Hintergrund damals war, dass die Strecke in einem komplizierten Verfahren in den Bahnhof hätte geholt werden müssen. Mit dem Bau der Bahnstadt und der dorthin geöffneten Bahnhofsunterführung nach Westen ergäben sich ganz neue Möglichkeiten für die Verlängerung ab Spöck, sagt Otto Mansdörfer von den Grünen.

Gochsheim – Flehingen?

Als „noch am weitesten weg“ sieht er im Moment die Querverbindung der Kraichgau-Orte Gochsheim und Flehingen. Beide haben bereis Stadtbahnanschluss. Gochsheim liegt an der Achse der S32 von Menzingen über Bruchsal nach Karlsruhe, Flehingen an der S4 von Bretten nach Karlsruhe.

Landkreis „aufgeschlossen“

Seitens des Landkreises gibt es im Grundsatz Unterstützung. Landrat Christoph Schnaudigel sagt, man müsse bezüglich der Trasse Graben – Hochstetten beim Land die Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten genauer prüfen. „Wir sind da aufgeschlossen und wir brauchen einen besseren ÖPNV“, macht der Landrat klar. Je nach Fortgang der Dinge müsse man das Thema mit der AVG besprechen und dann auch den Nahverkehrsplan aktualisieren.

Wir brauchen einen besseren ÖPNV

Eine weitere reaktivierbare Strecke, die von Kreis-Grünen aber nicht angesprochen wurde, befindet sich zwischen Ettlingen-West und Ettlingen-Erbprinz. Diese würde sich eignen, um eine direkte Verbindung nach Karlsruhe Hauptbahnhof zu schaffen. Auch hierüber könne man nachdenken.
Was den Abschnitt Spöck – Bruchsal betreffe, räumt Schnaudigel ein, dass die Situation nach dem Durchstich der Bahnhofsunterführung in Bruchsal neue Gegebenheiten schaffe. Eine neue Betrachtung könnte durchaus in Erwägung gezogen werden.