Spargel aus Brandenburg
Die Obst- und Gemüsebauern in der Region haben zunehmend Schwierigkeiten, genug Erntehelfer zu finden. | Foto: Maurizio Gambarini

„Am Ende zählt der Preis“

Den Spargelbauern fehlen Erntehelfer

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Die Obst- und Gemüsebauern in der Region haben zunehmend Schwierigkeiten, genug Erntehelfer zu finden. Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) erwartet allein für die Spargelfelder einen Rückgang um bis zu 30 Prozent in den nächsten sechs Jahren. Gründe dafür seien demnach auch der steigende Mindestlohn und die nicht angepassten Handelspreise.

„Seit 2015 ist es merklich schwerer geworden, genug Saisonarbeiter zu finden“, berichtet Franziska Gehrer vom gleichnamigen Spargelhof in Durmersheim. Wie auch die anderen Erzeuger in der Region beschäftigt sie viele Saisonarbeiter, die sie seit Jahren unterstützen. „Wir haben Familien, die in dritter Generation für uns arbeiten“, so Gehrer. Der Anteil dieser treuen Helfer umfasst ihrer Schätzung nach rund 70 Prozent. Der Rest muss akquiriert werden.

Doch obwohl ihre Familie dafür jedes Jahr zehn Tage in Rumänien verbringe, sei es ihr in diesem Jahr erstmals nicht aus eigener Kraft gelungen, den Bedarf an Erntehelfern zu decken. „Wir mussten eine Vermittlungsfirma einschalten“, berichtet Franziska Gehrer.

Noch vor einigen Jahren hatten wir zwei oder drei Bewerber auf eine Stelle. Das ist heute nicht mehr so.

Jörg Schreiber, Landwirt

Auch Brigitte Leicht von Leicht’s Hofladen in Eggenstein-Leopoldshafen und Jörg Schreiber, der einen Spargel- und Beerenhof in Waghäusel betreibt, berichten von Schwierigkeiten. „Noch vor einigen Jahren hatten wir zwei oder drei Bewerber auf eine Stelle. Das ist heute nicht mehr so“, sagt Schreiber.

Vor allem Mitarbeiter mit bestimmter Qualifikation – beispielsweise einer Berufsausbildung oder bestimmten Sprachkentnissen – seien nur noch schwer zu bekommen. „Die orientieren sich anderweitig“, so der Spargelbauer.

„Die Landwirtschaft ist unattraktiv, weil wir nur saisonal Arbeit anbieten können“, ergänzt Brigitte Leicht. Polen, die früher gerne zum Arbeiten nach Deutschland gekommen seien, profitierten inzwischen vom Aufschwung im eigenen Land. Und andere Nationalitäten suchten nach Ganzjahresstellen oder solche in anderen Branchen, die besser bezahlen könnten. Oder nach Ländern, in denen die Sozialabgaben niedriger bemessen sind. Das Geld ist es, das den Obst- und Gemüsebauern im Weg steht. „Mehr als den Mindestlohn können wir nicht bezahlen. Wir können das ja nicht an den Kunden weitergeben.“ Die großen Lebensmittelkonzerne diktierten die Preise. „Da kriegen Sie die Schale Erdbeeren für 99 Cent, das Kilo chilenische Heidelbeeren für sechs Euro. Damit locken die Discounter die Kunden in den Laden. Ihren Gewinn machen sie mit anderen Produkten“, sagt Brigitte Leicht. Ein regionaler Erzeuger habe es da schwer mitzuhalten.

Regionalität ist in aller Munde. Aber am Ende zählt eben der Preis

Jörg Schreiber, Landwirt

„Regionalität ist in aller Munde. Aber am Ende zählt eben der Preis“, resümiert Jörg Schreiber. Brigitte Leicht und ihr Mann haben inzwischen reagiert. Sie haben die Spargelflächen verkleinert und auf andere Kulturen wie zum Beispiel Heidelbeeren umgestellt. Doch auch da fallen die Preise. Jörg Schreiber und Franziska Gehrer halten an ihren Flächen fest. Letztere aber hat die Vermarktungsstrategie geändert. „Meine Eltern haben viel über den Großmarkt gemacht, ich habe die Eigenvermarktung über den Hofladen und das Restaurant ausgebaut.“ Sorgen um die regionale Spargelernte müssen sich die Verbraucher indes nicht machen. Spätestens in der nächsten Märzwoche rechnen die Experten mit einem breiten Angebot.