Eine neue Aufgabe erwartet Pfarrer Christoph Lang ab Februar. Dann tritt er seine Stelle bei der Ökumenischen Krisen- und Lebensberatungsstelle „Brücke“ am Karlsruher Kronenplatz an. | Foto: Alexander Werner

Pfarrer geht zur „Brücke“

„Zuhören ist eine entscheidende Qualität“

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Nach dem gerade vollzogenen Wechsel im Leopoldshafener Pfarramt steht nun in Eggenstein der Abschied von Pfarrer Christoph Lang bevor. Am 1. Februar wird der Theologe seine neue Stelle bei der Ökumenischen Krisen- und Lebensberatungsstelle „Brücke“ in Karlsruhe am Kronenplatz antreten. Der heute 50-Jährige war im Herbst 2010 mit seiner Frau Heidi und seinen zwei Söhnen in den Ort gekommen. Zuvor wirkte der in Liedolsheim aufgewachsene Lang neun Jahre lang als Gemeindepfarrer in Wössingen. Über die Hintergründe seines Weggangs, seine Erfahrungen in Eggenstein und seine Zukunft sprach Christoph Lang jetzt mit BNN-Mitarbeiter Alexander Werner.

Im Juli haben Sie offiziell bekannt gegeben, dass Sie gehen werden. Was war der Anlass?

Lang: Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken getragen, irgendwann meine Begabungen und Kompetenzen mit Schwerpunkt in der Seelsorge und Beratung einzubringen. Ich wäre durchaus noch länger in Eggenstein geblieben. Dann aber wurde im Frühjahr die Pfarrstelle bei der „Brücke“ in Karlsruhe ausgeschrieben. Ich habe mich nach genauer Prüfung, ob diese Aufgabe für mich passen würde, darauf beworben. Über entsprechende Qualifikationen verfügte ich. Zuvor absolvierte ich bereits zahlreiche Fortbildungen im Bereich Seelsorge und Beratung.

Folgten Sie damit einem besonderen inneren Anliegen?

Lang: Ja. Neben meiner Gemeindearbeit engagiere ich mich auch als Coach von jungen Pfarr- und Lehrvikaren und gruppenorientiert als Supervisor. So begleite ich etwa die Notfallseelsorge im Landkreis. Supervision ist zudem vermehrt etwa in Gemeinden selbst gefragt, wenn es um effektiv gestaltete Kirchengemeinderatssitzungen oder Konfliktmanagement geht. Supervision steht auch dafür, dass die Kirche zeigen will, dass sie auf dem Weg ist. Dazu gehört ein in der Landeskirche laufender Pfarrbildprozess. Dabei wird das sich verändernde Berufsbild genauer betrachtet. Ich bin sehr gerne Gemeindepfarrer, aber ich freue mich jetzt darauf, mich auf Seelsorge und Beratung zu konzentrieren. In meiner vielfältigen Gemeindearbeit machte diese Aufgabe bisher vielleicht 20 Prozent aus. Zuhören ist für mich eine entscheidende Qualität. Darauf möchte ich mich jetzt spezialisieren.

Wie wird sich das konkret in der Karlsruher „Brücke“ gestalten?

Lang: Es handelt sich um eine der wenigen Einrichtungen, bei der das Prinzip der „offenen Tür“ gilt. Das ist ganz wichtig. Menschen in Lebens- und Berufskrisen, mit Partnerproblemen, Existenzsorgen oder psychischen Belastungen können von montags bis freitags ohne Terminabsprache mit ihren Anliegen zu einem Erstgespräch kommen. Das Beratungsangebot wird von der evangelischen und katholischen Kirche in Karlsruhe getragen. Ich werde dort im Team mit einem Pastoralreferenten, einer Psychologin und zwei Sozialpädagoginnen mit Zusatzausbildung in der Beratung arbeiten. Ich freue mich auf die neue Herausforderung.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Lang: Ich habe die Zeit in der Gemeinde sehr genossen. Aber Abschiede sind das Los eines jeden Gemeindepfarrers, ob er nun wechselt oder in den Ruhestand geht. Ein Aufbruch bedeutet gleichzeitig immer, loslassen zu können. Ich empfinde dabei ein großes Gefühl der Dankbarkeit bei all dem, was in einer homogenen Gemeindestruktur möglich war zu bewegen. Sehr dankbar bin ich dem Kirchengemeinderat. In ihm engagieren sich mehr Menschen und bringen ihren Sachverstand ein, als von den zahlenmäßigen Vorgaben für das Gremium erforderlich wäre. Das ist nicht die Regel und sagt allein schon viel aus. Sehr schön war auch die Zusammenarbeit mit meiner direkten Kollegin, Diakonin Jennifer Ellinger.

Was erscheint Ihnen in acht Jahren Gemeindeentwicklung besonders bemerkenswert?

Lang: Es ist immer schwer, da etwas herauszugreifen. Das gottesdienstliche Leben etwa hat sich sehr verändert. Es ist inhaltlich, musikalisch und auch mit Raum für Stille vielfältiger geworden. Neu eingeführt haben wir beispielsweise einen Gottesdienst für „Zweifler, Suchende und andere gute Christen“. Ein Herzstück meiner Arbeit war auch der theologische Gesprächskreis, den ich zusammen mit meiner Frau Heidi als Sozialpädagogin leitete. Mir war wichtig, biblische Traditionen und religiöse Themen in Gruppen aufzugreifen, in denen sich jeder offen einbringen kann.

Wie reagierte Ihre Gemeinde auf Ihren Wechselentscheid und was passiert in der Vakanzzeit?

Lang: Ich habe sehr viel wertschätzende, wohltuende Rückmeldungen erhalten. Zum einen kommt darin großes Bedauern zum Ausdruck, zum anderen Bestärkung für mich auf meinem neuen Weg. Die Gemeinde ist sehr gut aufgestellt und sicher sehr attraktiv an sich und für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Wir haben eine wunderschöne Kirche. Sonntags wie werktags kommen Menschen in die Gemeinde, die ehrlich und bodenständig Christ sein wollen. Als große Gemeinde verfügt Eggenstein über eine volle Diakonenstelle. Es ist ein Novum, dass Jennifer Ellinger als Diakonin Vakanzvertretung machen wird. Sie bringt die Ausbildung und entsprechende Kurse mit und wird die Verwaltung übernehmen. Ihr zur Seite wird ein Vakanzpfarrer vom Kirchenbezirk für die Kasualien stehen. Damit ist ein guter Übergang gewährleistet.

Die Verabschiedung von Pfarrer Christoph Lang durch Dekan Martin Reppenhagen erfolgt am Sonntag, 27. Januar. Beginn ist um 16 Uhr mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche Eggenstein. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.