Auf Tour: Reuben (links) und Theo Fisher radeln virtuell. | Foto: BNN/pr

Virtuelles Radprojekt

Zwei Jungs aus England radeln nach Karlsruhe – aber virtuell

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Es ist ein außergewöhnliches Projekt, zu dem Reuben und Theo Fisher aus Castleford in England aufgebrochen sind. Die beiden besuchen ihre Verwandtschaft per Rad, allerdings virtuell. Ziel ihrer Reise wird Karlsruhe sein, wo sie Onkel und Tante treffen.

Wenn Reuben und Theo Fisher diesen Bericht lesen, radeln sie gerade in Richtung Deutschland ihrem Ziel entgegen. Die beiden kommen aus Castleford in der Grafschaft West Yorkshire in England und wollen ihren Onkel Stefan Tröster und ihre Tante Carolyn Fisher in Karlsruhe besuchen. 805 Meilen oder umgerechnet rund 1.300 Kilometer sind es bis dorthin. Aber die Strecke legen sie nicht auf Asphalt, Waldboden oder auf Radwegen durch die Stadt zurück, sondern auf ihrem Heimtrainer – Corona-bedingt virtuell.

Auf Tour: Reuben (links) und Theo Fisher radeln virtuell. | Foto: BNN/pr

Obwohl die Region im nördlichen Landkreis Karlsruhe durchaus einlädt, um mit dem Rad eine längere Ausfahrt zu wagen, werden sie die Gegend um Graben-Neudorf, Stutensee oder Eggenstein-Leopoldshafen leider nur auf der Landkarte kennenlernen – auch Karlsruhe, eigentlich eine ausgewiesene Fahrradstadt, hat doch ein Sohn der Stadt, Karl Freiherr von Drais, Anfang des 19. Jahrhunderts den Vorgänger aller Fahrräder entwickelt.

Virtueller Besuch bei der Verwandtschaft

Die Strecke des Digital-Abenteuers habe man relativ schnell ausgeknobelt, erzählt Reuben, der Geografie mag. Sie wollten einfach auf dem schnellsten Weg ihre Verwandten besuchen. Endpunkt ihrer Reise bildet dann die Fächerstadt. Die Jungs haben sich ziemlich was vorgenommen, bedenkt man, dass sie zuvor noch nie eine größere Radtour unternommen haben. Sie waren schon mal in Karlsruhe, Reuben zweimal, und Theo einmal – allerdings vor längerer Zeit.

Schulen haben in Großbritannien geschlossen

Reuben kann sich jedoch noch an die Karlsruher Straßenbahnen erinnern, wie er im Gespräch berichtet. Auf die Idee, virtuell zu ihren Verwandten zu radeln, kam die Mutter von Reuben und Theo, Claire, wie sie im Skype-Chat erläutern. Der Siebenjährige und der Zwölfjährige gehen zurzeit nicht in die Schule. „Die Schulen in Großbritannien sind geschlossen“, sagt Claire Fisher. Hausaufgaben bekommt beispielsweise Theo, der in die vierte Klasse geht, dennoch. In einem Videochat werden diese dann besprochen. Ein weiterer Aspekt des Lockdowns: Reuben und Theo lernen mittlerweile zu Hause Deutsch. „Es gibt nicht viele Schulen in Großbritannien, die Deutsch als Unterrichtsfach anbieten“, sagt Claire Fisher.

Die Jungs haben Energie.

Stefan Tröster, Onkel von Theo und Reuben

Mitte April startete das Projekt

Mitte April haben die beiden ihr digitales Rad-Projekt gestartet. Dabei haben sie schon eine ganz schöne Tour hinter sich gebracht: Zuerst ging es zu den Großeltern nach Leeds, dann waren die in Chesterfield dran und danach ging es nach London. Die Urgroßmutter in der Grafschaft Kent durfte ebenfalls nicht vergessen werden. Bei Dover ging es über den Ärmelkanal. Bei Calais und Dunkerque angekommen, radeln sie über Belgien weiter nach Maastricht.

Mehr zum Thema: Karlsruhe ist die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands

Jedes Mal, wenn sie sich einem Ziel nähern, werden sie per Videochat von ihren Verwandten auf den letzten Kilometern begleitet, erzählen sie. Mit ihrem Projekt wollen sie für gleich vier verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen Geld sammeln. Die Organisationen setzen sich für Menschen mit Downsyndrom, für Obdachlose und für Tiere ein.

Extra-Meilen mit dem richtigen Rad

Im Schnitt radeln Reuben und Theo 25 Kilometer am Tag – da sie nur einen Heimtrainer zur Verfügung haben, achtet man darauf, dass sie bei der Kilometeranzahl in etwa gleich auf sind. Zum Zeitpunkt des Gesprächs waren sie rund 20 Kilometer auseinander. Extra-Meilen sammeln die beiden aber auch auf ihren richtigen Rädern.

Fächerstadt-Flair per Skype

„Sie sind gerade in Nordfrankreich“, sagt Stefan Tröster, der sich schon auf die digitale Ankunft von Reuben und Theo in Karlsruhe freut. „Die Jungs haben Energie“, betont er. Wenn sie in der Fächerstadt ankommen, wäre bei sonnigem Wetter eine kleine Skype-Konferenz mit den Verwandten am Schloss denkbar, sagt Tröster. Und so könnten Reuben und Theo doch noch in den Genuss von ein wenig Fächerstadt-Flair kommen.