Pfinztals sportliches Aushängeschild: Der TTC Wöschbach, von links Michael Burg (Vorstand Sport), Helmut Daferner (Sportwart), Spielertrainer Yong Fu, Michael Eberhardt (langjähriger Vorsitzender) und Jürgen Müller (Vorstand Verwaltung). | Foto: Ehrler

In 3. Tischtennis-Bundesliga

TTC Wöschbach: Pfinztals sportliches Aushängeschild

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Sportvereine aus dem Bereich der BNN-Hardt-Ausgabe, die höherklassig agieren, sind schnell aufgezählt: Der SV Germania Weingarten in der Deutschen Ringerliga, der KV Liedolsheim in der Ersten und Zweiten Kegel-Bundesliga der Frauen, die TSG Blankenloch seit dieser Saison in der Dritten Volleyball-Bundesliga – und die Tischtennis-Herren des TTC Wöschbach ebenfalls in der Dritten Bundesliga. Für sie ist es aber schon die zweite Runde in Deutschlands dritthöchster Spielklasse.

Gleich ein Ausrufezeichen gesetzt

Als Tabellenfünfter meisterte der TTC Wöschbach seine Premierensaison mit Bravour. Mit dem 5:5 im ersten Spiel der Runde 2018/2019 gegen den Meisterschaftsfavoriten TV Leiselheim aus Worms wurde gleich das nächste Ausrufezeichen gesetzt. Tolle Aktionen und spannende Spiele habe die Mannschaft geboten, schwärmt TTC-Vorstand Jürgen Müller.

TTC-Akteure bieten Spitzensport

Ein wenig enttäuscht ist TTC-Vorstand Jürgen Müller allerdings, dass sich die Tischtennisbegeisterung in Pfinztal im Allgemeinen und Wöschbach im Speziellen trotz des gebotenen Spitzensports in Grenzen hält. „Nein“, sagt er, „das ist nicht ganz so, wie wir uns das wünschen würden.“ Der sportliche Erfolg spiegle sich nicht in der Mitgliederentwicklung wieder. Die pendle immer um 180. Dennoch: Für einen reinen Tischtennisverein in einem Ort von der Größe Wöschbachs sei dies durchaus beachtlich. Und der Zuschauerzuspruch? Im Schnitt so zwischen 80 und 100 Tischtennisfreunde finden bei Heimspielen den Weg in die Halle. „Obwohl wir viel Werbung machen, es zieht kaum an“, sagt Müller.

Marlon Spieß neu in Wöschbach

Zum aktuellen Kader gehören neben Spielertrainer Yong Fu (46/einer der Übungsleiter am Liebherr Masters College in Ochsenhausen; war von 2011 bis 2016 auch fest angestellter Coach am Stützpunkt Karlsruhe auf Schöneck), die jungen russischen Spieler Ilya Shamin (24) und Dmitry Zakharov (23), Marlon Spieß (23/kam neu vom Nachbarn ASV Grünwettersbach) und Kenan Hrnic (22/wechselte im Vorjahr von der TTG Kleinsteinbach/Singen zum TTC Wöschbach).

Am Samstag, 18.30 Uhr, nächstes Heimspiel

Tischtennis in der Dritten Liga sei nicht nur wegen der vielen langen Ballwechsel richtig schön anzuschauen, findet Jürgen Müller. Gelegenheit dazu gebe es bereits am Samstag, 29. September. Dann hat der TTC Wöschbach erneut Heimrecht. Um 18.30 Uhr in der Mehrzweckhalle gegen den Namensvetter aus dem fränkischen Wohlbach; ein weiteres Spitzenteam mit dem „altinternationalen“ tschechischen Spitzenspieler Richard Vyborny. „Wir werden Schilder aufstellen, die darauf hinweisen und in ganz Pfinztal Handzettel verteilen“, erklärt Müller.

Bei Kirchweih in die „Offensive“

Bei der Wöschbacher Kirchweih mit verkaufsoffenem Sonntag am 21. Oktober geht der TTC Wöschbach ebenfalls in die „Offensive“. Gerade auch um Jugendliche auf den Geschmack am Tischtennissport zu bringen. In dieser Runde ist der TTC mit fünf Herrenteams vertreten, einem mehr als vergangene Saison. Außerdem ist der TTC mit zwei Nachwuchsmannschaften (in einer Spielgemeinschaft mit Söllingen) präsent. „Das ist unsere Zukunft“, betont Jürgen Müller und fügt hinzu: „Marcel Eisenmann leistet als Jugendleiter tolle Arbeit.“ Und: Schon bald könnte nach langer,langer Zeit (1990) wieder ein Wöschbacher Damenteam am Spielbetrieb teilnehmen. „Ja“, verdeutlicht TTC-Vorstand (Sport) Michael Burg, „wir denken darüber nach. Bis zu 12 Frauen kommen ins Training, die Resonanz ist groß. “

Sieben Aufstiege in zehn Jahren

Sieben Aufstiege in zehn Jahren, oder von der Tischtennis-Bezirksliga in die Dritte Bundesliga: So liest sich die bemerkenswerte Geschichte des Teams aus Pfinztals zweitkleinstem Ortsteil zwischen 2007 und 2017, mit der es zur sportlichen Nummer eins in der Gemeinde avancierte. Einher geht der Erfolg mit dem 46-jährigen Tischtennislehrer Yong Fu. Als er 2013 zum TTC kam, zündeten die Wöschbacher die Rakete. Höherklassiger waren nur mal die Ringer des KSV Berghausen. 2004 und 2007 in der Zweiten Bundesliga. Jetzt ist der KSV nurmehr Verbandsligist. Oberliga wird bei den Volleyballern der VSG Kleinsteinbach (Männer und Frauen) sowie den Basketballerinnen des TSV Berghausen geboten.

Fünfstelliger Etat

Dritte Bundesliga, „das ist ein berechenbares Abenteuer, auf das wir uns freuen“, hatte TTC-Sportleiter Helmut Daferner nach dem Aufstieg gesagt. Mit der Unterstützung durch eine breite Basis an Sponsoren sowie Spenden sei es dem Verein immer wieder möglich gewesen, schlagkräftige Spieler zu finden, fügten die TTC-Verantwortlich hinzu. Mit einem fünfstelligen Etat müsse kalkuliert werden. „Das ist die Dritte Bundesliga“, betont Jürgen Müller. „Sonst geht da nichts.“ Weiter nach oben schielen Müller und Co (noch) nicht. Müller: „Wir sind sportlich schneller gewachsen, als der Verein mitgewachsen ist. Wir wollen uns jetzt etablieren und verwaltungstechnisch nachziehen. Da sind wir noch nicht auf dem gleichen Niveau.“

Respekt vor Leistung des TTC

Von der Gemeinde Pfinztal wird das sportliche Aushängeschild unterstützt, so gut es geht. Für den Jugendbereich gebe es einen Zuschuss, und die Bürgermeisterin habe er auch schon eingeladen zuzuschauen, erzählt Müller. „Ich war schon mehr als einmal da“, betont Nicola Bodner. Respekt habe sie, wie es der Verein bis in die dritthöchste Spielklasse gebracht hat. „Generell“, so die Bürgermeisterin, „sind mir alle Vereine gleich lieb. Egal in welcher Liga.“ Das muss sie als Ortsoberhaupt natürlich sagen. „Wir haben eine Liste, was unseren Vereinen zusteht“, so Bodner. Wünschen würde sie sich mehr Förderung vom Sportbund. „Man muss auch mal sehen, was die Vereine zum Beispiel in der Jugendarbeit leisten“, sagt sie.

Pfinztals Bürgermeisterin war schon beim Training

Zu einem Training ist Nicola Bodner von TTC-Vorstand Jürgen Müller übrigens auch schon eingeladen worden. Das, verrät Pfinztals Bürgermeisterin, habe sie auch absolviert. „Und mich dabei gar nicht schlecht geschlagen“, meint sie schmunzelnd.

Infos und alle Spieltermine: www.ttc-woeschbach.de