NUR NOCH EIN TORSO ist die Markthalle auf dem südlichen Teil des Kronenplatzes. 38 Jahre stand das Stahlkonstrukt ungenutzt in der östlichen City. Die Stadtpolitik will das Quartier unbedingt aufwerten, um die schwierigen Verhältnisse in der Innenstadt-Ost zu verbessern. Mit der Markthalle gelang dies nicht, sie blieb ohne Leben.
NUR NOCH EIN TORSO ist die Markthalle auf dem südlichen Teil des Kronenplatzes. 38 Jahre stand das Stahlkonstrukt ungenutzt in der östlichen City. Die Stadtpolitik will das Quartier unbedingt aufwerten, um die schwierigen Verhältnisse in der Innenstadt-Ost zu verbessern. Mit der Markthalle gelang dies nicht, sie blieb ohne Leben. | Foto: Sandbiller

Halle auf Kronenplatz

Abbruch lange vor Aufbruch

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Der Kronenplatz ist 44 Jahre alt. Er war von Anfang an umstritten. 28 Jahre stand dort eine ungenutzte Markthalle. Jetzt sucht die Stadtpolitik einen neuen Weg: Sie will mit einer anderen Platzgestaltung der City einen glänzenden Zacken einsetzen.

Eigentlich ist Karlsruhe stolz auf seine Plätze. Damit diese von den Bürgern so geschätzten Freiräume nicht durch Übernutzung wie der Friedrichsplatz oder durch Unternutzung wie der Kronenplatz abgewertet werden, hat sich die Stadtpolitik schon lange auf ein Plätzekonzept und einen entsprechenden Lichtplan eingeschworen.

Kombi lässt die Plätze leiden

Doch im Jahrzehnt des Stadtumbaus per Kombilösung leiden die Plätze. Jahre werden sie von U-Strab-Bauzäunen versperrt. Ein Provisorium jagt das nächste. Im nächsten Jahrzehnt aber kann für sie doch noch ein goldenes Zeitalter anbrechen, das den Karlsruhern zumindest auf einigen großen Plätzen urbane Lebensqualität schenkt.

Verschönert und versiegelt

Der Marktplatz wird nächstes und übernächstes Jahr komplett mit edlem Natursteinpflaster frisch versiegelt. Der Europaplatz und der Berliner Platz sollen bis 2025 folgen.

Selbst am Kronenplatz, dem ewigen Sorgenkind der Stadtplaner, wird jetzt ein Zeichen für das ersehnte Aufpäppeln gesetzt: Die nie genutzte Markthalle an der Südspitze der Pflasterfläche, verschwindet.

Am Boden

Nach dem städtebaulichen Kahlschlag des „Dörfle“ vor rund 50 Jahren wurde 1980 die „Elefantenhalle“ auf den Kronenplatz gestellt. Unter deren Dach lag niemals frisches Gemüse aus. Schon befindet sich die Hälfte des Stahldachs am Boden. Nächste Woche wird wohl von diesem Karlsruher Fehlprojekt nichts mehr zu sehen sein. Die vor neun Jahren unter dem Hallendach installierte Boulebahn ist bereits abgeräumt.

Sieben Jahre Provisorium

Sieben Jahre hatte die Baucontainerburg der U-Strab-Baufirma BeMoTunnelling die Hälfte des unteren Kronenplatzes zwischen der Wasserwand des Brunnens und Kaiserstraße verstellt. Sie wurde bereits im Frühjahr nach dem Ende der Rohbauarbeiten am Tunnel und der Untergrundstation geschleift.

Veränderung lässt auf sich warten

Dem Abbruch wird allerdings so schnell kein städtebaulicher Aufbruch am Kronenplatz folgen. Immerhin besteht dazu aber der Grundsatzwillen der Stadtpolitik. Inzwischen steht der Kronenplatz auch im Zentrum des 92 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms für die Sanierung der östlichen City. Ein Drittel dieser Summe will man in den Kronenplatz stecken.

Fächer weckt Hoffnungen

Die städtische Fächer-Gesellschaft, die mit der Verwandlung des Alten Schlachthofs in das Vorzeigeobjekt „Kreativpark“ bei der Politik gepunktet hat, darf sich nun an der Platzentwicklung versuchen. Vor allem das Großprojekt „Neue Stadtbibliothek“ erweckt dabei große Hoffnungen. Die Stadträte und Stadtplaner mit Oberbürgermeister Frank Mentrup an der Spritze versprechen sich mit dem Publikumsmagneten Stadtbibliothek eine enorme Aufwertung des Kronenplatzes und des ganzen Quartiers.

Vor dem U-Strab-Zeitalter

Zusammen mit dem Problemabschnitt der Kaiserstraße von der Kleinen Kirche bis zum Kronenplatz, der vermutlich um 2023 mit dem Rausreißen der Schienen nach der Inbetriebnahme der U-Strab zu einer wahren Fußgängerzone wird, will man die kränkelnde Innenstadt-Ost zu einem pulsierenden Quartier machen.
Noch sind das Wunschträume. Immerhin ist die Finanzierung durch staatliche Spritzen von 30 bis 60 Prozent pro Objekt bereits gesichert.

Der Wille zur Veränderung

Dabei ist unklar, ob sich der Kronenplatz als Standort einer vergrößerten Stadtbücherei eignet. Der Abriss der „Elefantenhalle“ ist also zunächst nicht mehr als die Demonstration des Willens zur Veränderung.