Fischen im Klotz-See
AUF FISCHZUG im Ruderbootsee der Günther-Klotz-Anlage: Der Knielinger Berufsfischer Bernd Siegel (rechts) und seine Leute holen mit dem Elektrokescher auch Prachtkarpfen aus dem Flachwasser. Mit dem Abfischen, nachdem das Wasser zehn Tage lang abgelassen wurde, wird der Bestand der Kiementräger reguliert. | Foto: jodo

Herbstaktion im Klotz-See

Abgelassen und abgefischt

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Nur noch zwei Monate bis Weihnachten, da setzt nach einem schier ewigen Sommer der Herbst mit Wind und Wolken Zeichen. Noch sind die bunten Bäume nicht entblättert, und die meisten Brunnen sprudeln weiter. An den großen Seen in der Stadt aber vollzieht das Gartenbauamt bereits den Saisonwechsel.

Am Doppelsee der Günther-Klotz-Anlage wurde zehn Tage lang das Wasser abgelassen, jetzt wird wieder Frischwasser aus der Alb eingepumpt. Die Gewässerränder sind gesäubert – am Mittwoch wurde abgefischt.
Am gleichen Tag begann das Entleeren des nördlichen Stadtgartensees und das Überholen der Gondolettas. Diese beliebten Schwimmer werden erst Ostern 2019 wieder die Besucher von Zoo und Rosengarten übers Wasser tragen.

Fische verfrachtet

Dagegen schwimmen fast alle großen Fische, die den Karlsruher Fischern am Mittwoch in Kescher und Netz gingen, längst wieder im vertrauten Gewässer am Mount Klotz. Die kleinen Fische wie Babyzander und Rotaugen aber wurden sofort nach dem Fang im Transportbecken zehn Kilometer nach Westen verfrachtet und im Knielinger See ausgesetzt.

Der Fischzug in der Klotze läuft mit zwei Methoden: Den westlichen See durchwaten mit aufgespanntem Netz in breiter Front die Männer vom Anglerverein Karlsruhe. So treiben sie die Fische vor sich her, bevor sie das Netz zuziehen.

 

Kescher mit Fischen
AUS DEM KESCHER ins Becken – und dann nichts wie weg zum großen Knielinger See. Lothar Wolf (links) und Richard Sinn vom Anglerverein sorgen für den Fischtransport. | Foto: jodo

In dem nur noch 20 Zentimeter tiefen Ruderbootsee keschert dagegen der Knielinger Berufsfischer Bernd Siegel mit zwei Leuten. Sie fischen mit Strom. „Wenn wir dort im Flachwasser das Netz über den ebenfalls 20 Zentimeter dicken Schlamm ziehen würden, bekämen die Fische den Dreck in die Kiemen und würden ersticken“, erklärt Joachim Meyer, Vizechef des Anglervereins.

Berufsfischer Siegel erklärt die Elektro-Methode: „Der Kescher ist der Pluspol. Über die Angelroute und ein Kabel geht die Verbindung zur Minuspolplatte auf dem Fichtenholzboot. „Die Fische werden mit 300 Volt Spannung und zehn Ampere Stromstärke für wenige Sekunden betäubt“, erklärt der Experte.
Wer sonst nur Enten und Blesshühner, Krähen und Schwäne, Kormorane und Nutrias in der Klotz-Anlage sichtet, will kaum glauben, wen die Fischer da mitten in der Fächerstadt aus dem Wasser ziehen: 80 Zentimeter lange Karpfen – laut Meyer 15 Kilo schwer und laut Siegel über zehn Jahre alt – sowie fast so große Geipel, Schleien und Zander.

Die Dicken bleiben

Die dicken Fische dürfen zurück in den See, auch die vom Strom betäubten tauchen nach wenigen Sekunden wieder ab. Siegel hat sogar einen „über einen Meter langen Aal“ aus dem Klotz-See gefischt. „Wir haben ihn gleich zum Rhein gebracht“, berichtet er.

Aal für „Sargasso“

Er soll, wie es eben Aalart ist, den Strom hinab in den Atlantik schwimmen, um in der Sargassosee östlich der Karibik zu laichen. Seine Nachkommen werden dann den weiten Wasserweg zurück und die Alb hinaufwandern – und vielleicht wieder den Karlsruher Fischern vom Mount Klotz ins Netz gehen. Etwa fünf Zentner Fisch habe man diesmal aus dem See entfernt, erklärt Meyer. Vor zwei Jahren sei es die doppelte Menge gewesen. Menschliche „Schwarzfischer“ und den „Fischräuber“ Kormoran machen die Experten für den Schwund verantwortlich.

Alle zwei Jahre läuft die Herbstaktion am See. „Wir nehmen nur den Überbestand weg“, betont Meyer. Die großen Fische sorgten in dem von der Alb gespeisten See wieder für genug Nachwuchs. Die kleinen Fische dürfen sich im Knielinger See von den Umweltbelastungen des schlammigen und durch Vogelkot und Entenfutter getrübten Freizeitsees erholen. Krank seien die Fische nicht, „aber sie sind ungenießbar.“ Sind sie im Vereinsgewässer groß geworden, können die Fischliebhaber sie dort angeln. Somit nutzen die Angler den Klotz-See als Zuchtstation.

Keine Geldbomben

„Wir haben nur vier Räder und einige Abfallkörbe aus dem See gezogen“, berichtet Harald Jourdan vom Gartenbauamt. „Diesmal waren keine Geldbomben und Tresore dabei“, erzählt er – und schon stellt er die Pumpen wieder an, damit der Wasserspiegel steigt und die großen Klotze-Fische aufatmen können.

Ebbe im Stadtgarten

Auch die Seen im Zoologischen Stadtgarten werden seit Mittwoch abgelassen, berichtet das Presseamt der Stadt. Der nördliche Stadtgartensee müsse wie der südliche Schwanensee zur Erneuerung der Gondoletta-Technik trockengelegt werden. Dabei geht es um 21 500 Kubikmeter Wasser. „Es braucht etwa eine Woche, bis beide Seen und der Kanal dazwischen trocken gefallen sind“, berichtet Rainer Hiesl vom Gartenbauamt, der das Projekt leitet.

G Herbstaktion der Angler im Klotz-Seeondoletta-Technik überholt

„Es ist viel Aufwand, aber dringend notwendig, um die Gondoletta-Technik zu erneuern“, betont Hiesl. Beide Antriebsmotoren, die Zugseile, Umlenkrollen und Lager werden bei der Aktion getauscht. Alle drei Jahre geschieht dies. Im Juni 2017 musste zuletzt der Schwanensee wegen einer kleineren Reparatur abgelassen werden, die letzte Entleerung beider Seen war im November 2015.

Die Gondolettas drehen jeden Sommer seit der Bundesgartenschau 1967 ihre Runden über die beiden Seen. Sie werden wie bei einem Skilift – nur unter Wasser – gezogen. Für die technische Erneuerung werden laut Gartenbauamt jetzt sechs bis acht Wochen benötigt. Bei schlechten Wetterverhältnissen könnte sich diese Zeit auch verlängern, meint Hiesl.

„Sechs bis acht Kollegen werden in dieser Zeit die Technik erneuern und vor allem den Kanal zwischen den beiden Seen entschlammen und von abgesunkenem Laub befreien“, erklärt er. Auch die Wasserorgel, die bereits an den Rand des Sees gezogen wurde, e wird gewartet.

Beim Ablassen der Seen wird zudem ein Teil der großen Karpfenpopulation von einem Angelverein abgefischt. Die anderen Tiere verbleiben im Tiefteil des Schwanensees, wo selbst nach dem Ablassen noch genügend Wasser stehen bleibt. Sie können sich dann wieder vermehren.

Umzug der Pelikane

„Da die Winter immer wärmer werden und der Frost später einsetzt, wollen wir die Pelikane noch nicht in ihr Winterquartier bringen“, erläutert Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Die Pelikane ziehen jetzt an den Ludwigsee bei der Australienanlage um.