„WIR HABEN GEGENWIND BEKOMMEN“, sagt Matthias Geis von den Campusjägern. Unbeirrt ging es aber weiter – der Erfolg heute gibt ihnen recht. | Foto: Fabry

Digitale Köpfe der Region

Absprung ohne Netz und doppelten Boden

So ein Bungee-Sprung ist „ein bisschen wie eine Unternehmensgründung,“ sagt Matthias Geis. Er, einer der Gründer der Karlsruher Recruiting-Plattform Campusjäger, erinnert sich und berichtet über seine sechs Monate im Ausland nach dem Abitur, über den einen Trip mit einem Kumpel in Südafrika, als sie zufällig per Bus einen der höchsten Bungee-Absprungpunkte der Welt passieren. „Es war spontan, wir haben uns schnell entschieden und haben am nächsten Haltepunkt den Bus verlassen.“ Kurz darauf stand Geis auf einer Brücke, 220 Meter über dem Erdboden. „Das Gefühl ist unbeschreiblich. Aber man hat Vertrauen in die Technik, in das Material, um den Schritt ins Ungewisse zu tun.“

Weichenstellung in der Pioniergarage

Natürlich, für die Unternehmensgründung braucht es mehr als ein Gummiseil und eine präzise Waage. In Karlsruhe gibt es, was der gebürtige Mannheimer suchte: „Während meines Zivildienstes als Rettungssanitäter hatte ich mich auf das Studium in Karlsruhe vorbereitet. Dann ging es ins Ausland und anschließend habe ich mich am KIT für Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben“, blickt der Unternehmer zurück. „Was mir unter anderem in Karlsruhe gefiel, war die Möglichkeit, sich das Studium nach den eigenen Wünschen gestalten zu können.“ Diese Flexibilität und der gute Ruf des KIT gaben für ihn den Ausschlag. Auf die Unternehmensgründung fixiert war Geis jedoch noch nicht. „Es zählte auch schon immer zu meinen Optionen, etwas Eigenes zu machen, etwas bewegen zu wollen“ Da kam das Angebot der Pioniergarage am KIT für den Macher gerade recht. Die studentische Initiative auf dem Campus arbeitet schon seit Jahren erfolgreich an Unternehmensgründungen, an Spin-offs vom KIT. „Es war eine der besten Entscheidungen, dort aktiv zu werden“, wirbt er für die Einrichtung. Gerne erinnert er sich an einen Besuch im Silicon Valley. „Es waren spannende Geschichten, die wir hörten, von inspirierenden Personen“, so Geis.

„Wir haben Gegenwind bekommen“

„Gerade diese Reise ins Silicon Valley hat mir gezeigt, dass man vieles bewegen kann, sofern man die Initiative ergreift. Durch mein Engagement in der Pioniergarage habe ich schließlich ja auch Jannik Keller und Martin Trenkle kennengelernt, mit denen ich Campusjäger gegründet habe“, erklärt Geis.

„Es gibt jede Menge Menschen, die gerne selbstständig und unternehmerisch handeln würden und auf die eine Ideen warten, mit der sie den Markt erobern können. Dabei warten und warten sie, ohne aktiv zu werden.“ Abwarten war aber nicht die Sache von Geis und seinen Kompagnons: „Wir haben Gegenwind bekommen. Uns wurde gesagt, dass es schon Personalvermittler mit ähnlichem Konzept wie Campusjäger gibt – und dennoch haben wir es gewagt.“ Campusjäger ist zunächst in einer Wohnung der Gründer untergekommen, danach ging es ins Cyberlab am Cyberforum, bevor sie eigene Räume bezogen.

Das erste Geld kam von Airbnb-Vermietungen

Ausgezeichnet wurden sie untere anderem als eines der am schnellsten wachsenden Start-ups in Deutschland. Besonders bemerkenswert: Dieses Wachstum haben sie ohne finanzielle Hilfe von außen erreicht. Das erste Geld für das junge Unternehmen kam über Vermietungen bei Airbnb zustande. Am Standort Karlsruhe haben die jungen Gründer demonstriert, dass Campusjäger mit Erfolg betrieben werden kann. Seine Erfahrungen teilt er: Geis engagiert sich im Bundesverband Deutscher Start-up-Unternehmen, als stellvertretender Vorsitzende der Fachgruppe „Human Ressources“.

Die vergangenen drei Jahre waren eine recht turbulente Zeit für Geis und seine Kollegen: „In der heißen Phase der Gründung habe ich dann auch noch meine langjährige Freundin geheiratet. Für mich war das ein wichtiger Schritt, den ich nicht wegen einer Unternehmensgründung aufschieben wollte.“

Nicht einfach sei es, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden. „Ich musste irgendwann bewusst die Unterscheidung zwischen Freizeit und Arbeit treffen. Und ich habe mit meinen Hobbys auch diesen benötigten Ausgleich. Gerne spiele ich Gitarre oder bin mit Freunden übers Wochenende auf einer Klettertour. Etwas, wozu ich während der Anfangszeit nur selten gekommen bin.“

Matthias Geis ist in seiner Zeit als Unternehmer gewachsen, sieht manche Dinge mittlerweile gelassener: „Ich lasse mich nicht mehr so einfach von Ereignissen beeinflussen, man wird entspannter. Wenn ich mich mit dem Gründer von vor drei Jahren vergleiche: Es ist ein riesiger Unterschied.“