Fahrräder in allen Variationen gab es am Sonntag auf der ersten Rad- und Reisemesse des ADFC Karlsruhe im Tollhaus zu sehen.
Fahrräder in allen Variationen gab es am Sonntag auf der ersten Rad- und Reisemesse des ADFC Karlsruhe im Tollhaus zu sehen. | Foto: Peter Sandbiller

Gute Ressonanz

ADFC-Radmesse in Karlsruhe: E-Bikes bringen neue Zielgruppe

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Der Urvater des Fahrrads, Karl Drais, käme aus dem Staunen wohl kaum raus, wenn er sehen könnte, wie viele Abwandlungen seiner Idee es heute gibt: Klappräder, Lastenräder, Liegeräder, Tandems und Reha-Mobile sind nur einige der Varianten, die bei der ersten Rad- und Reisemesse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Karlsruhe in der Geburtsstadt des Erfinders präsentiert werden.

Im Tollhaus geben sich am Sonntag die Anbieter von Rädern, Radreisen, Versicherungen und Zubehör ein Stelldichein: 32 Aussteller aus Karlsruhe, dem Umland, der Pfalz und dem Elsass sind dabei.

Das perfekte akkubetriebene Zweirad

In keinem Sortiment fehlen darf inzwischen das E-Bike: Die Räder mit elektronischem Antrieb, die maßgeblich für das Umsatzplus der deutschen Fahrradbranche verantwortlich sind, sind Publikumsmagneten.

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Besucher wie Rudolf Heimberger, 65, aus Oberderdingen suchen das perfekte akkubetriebene Zweirad. Nach einem E-Bike mit Mittelmotor halte er Ausschau, erklärt Heimberger, „damit’s im Berg nicht so anstrengend ist“. 40 bis 60 Kilometer lange Touren fährt Heimberger regelmäßig – bislang mit einem E-Bike mit Hinterradmotor. „Da muss man mehr Kraft aufwenden“, erklärt er, und das machten seine Knie nicht mehr mit.

Auch ausgefallene Modelle wie dieses Vierrad von der Firma BamBuk aus Bühl wurden im Tollhaus ausgestellt.
Auch ausgefallene Modelle wie diese Vier- und Dreiräder der Firma BamBuk aus Bühl wurden im Tollhaus ausgestellt. | Foto: Peter Sandbiller

18.000 Kilometer in eineinhalb Jahren

Schon länger auf den Geschmack des E-Bikes gekommen ist Gerd Jörg. Der 73-Jährige hat mit seinem Elektrorad in den vergangenen eineinhalb Jahren über 18.000 Kilometer zurückgelegt, das sind im Schnitt 33 Kilometer pro Tag. „Das wäre mit einem normalen Rad nicht möglich gewesen“, meint er.

Zielgruppe für Radreisen wird älter

Mit der zunehmenden Beliebtheit der E-Räder wachse auch die Nachfrage nach Radreisen, sagt Martin Schimmel von Pfadt-Busreisen aus Germersheim. Immer mehr ältere Menschen entdeckten die Transportmittel für sich – weil Radfahren damit selbst bei nachlassender Fitness noch Spaß mache. Inzwischen seien unter den Teilnehmern der Touren auch Menschen über 70.

Und es geht noch ausgefallener: Dieses Velomobil aus Carbon schützt vor Regen und erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 bis 35 Stundenkilometern. Erschwinglich ist da Liebhaberstück mit 10.000 Euro allerdings nicht.
Und es geht noch ausgefallener: Dieses Velomobil aus Carbon schützt vor Regen und ist schneller als handelsübliche Räder. Erschwinglich ist das Liebhaberstück mit 10.000 Euro allerdings nicht. | Foto: Julia Trauden

Fahrradanhänger mit Kindersitz

Aber nicht nur für die Generation 50 Plus, auch für die Jungen hat die Messe etwas zu bieten. Sabine Malzkuhn und Matthias Knop, 30 und 33 Jahre jung, erwarten ihr ersten Kind und halten schon mal Ausschau nach einem Fahrradanhänger mit Kindersitz.

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Außerdem interessiert sich das junge Paar, das gerade von Hamburg nach Durlach gezogen ist, für Radtouren in der Region. „Wir sind leidenschaftliche Rennradfahrer und wollen so die Gegend kennenlernen“, sagt Malzkuhn.

ADFC fordert mehr Platz für Radfahrer im Stadtverkehr

Sehr zufrieden zeigen sich die Organisatoren der Messe mit der Resonanz: Mit mehr als 1.000 Besuchern habe man gerechnet, „Aber wir knacken sicher die 1.500er-Marke“, freut sich der ADFC-Vorsitzende Ulrich Eilmann.

Mit der Messe will der Fahrradclub auch Menschen motivieren, sich im Verein für eine Stärkung des Radverkehrs einzusetzen. Denn eins ist laut Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Nauenburg klar: „Wenn die Stadt ihr Ziel erreichen will, den Radanteil bis 2025 auf 40 Prozent zu heben, muss noch einiges getan werden.“ Zwar habe Karlsruhe in Umfragen zum Radverkehr sehr gut abgeschnitten. Dennoch bräuchten Radfahrer noch mehr Platz – und das gehe zwingend zu Lasten der Autofahrer.

Nicht zuletzt aufgrund der Elektroräder ist die deutsche Fahrradindustrie in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2018 verzeichnete sie laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mit 3,2 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den Marktanteil von E-Bikes in Deutschland schätzt der Verband auf knapp ein Viertel. Im ersten Halbjahr 2019 wurden laut ZIV  920.000 E-Bikes über den Handel abgesetzt. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband daher mit mehr als einer Million verkaufter E-Bikes – ein Plus von rund zwölf Prozent im Vergleich zu 2018.