GESCHENKE, GESCHENKE, GESCHENKE: Der deutsche Einzelhandel ist auf die Einkaufslust der Bürger angewiesen. Nach Branchenangaben machen die Läden im November und Dezember 19 Prozent ihres Jahresumsatzes. | Foto: dpa

Einzelhandel ist frohgemut

Fröhliches Kassen-Klingeln

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Öfter die Kassen nie klingeln – November und Dezember sind für den Einzelhandel besonders wichtige Einkaufsmonate. Der Handelsverband Deutschland (HDE/Berlin) schätzt, dass die Geschäfte und Online-Anbieter in den beiden Monaten 94,5 Milliarden Euro einnehmen werden. Das wären dann drei Prozent mehr als im Vorjahr und ein Rekord. Laut HDE machen die Läden 19 Prozent ihres Jahresumsatzes in den beiden letzten Monaten, bei Online-Anbietern sind es sogar rund 25 Prozent. Beim Internethandel erwartet HDE-Präsident Josef Sanktjohanser übrigens einen Zuwachs um zehn Prozent.

Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung EY kaufen mehr als zwei Drittel der Befragten lieber Geschenke im stationären Laden ein. Acht Prozent ordern sie per Klick oder Fingertip am Laptop, Tablet oder Smartphone. Allerdings seien es vor allem die bis zu 35-Jährigen, die eher zum Online-Shoppen tendieren.

Diese Altersgruppe können die klassischen Einzelhändler und Städte wiederum besonders gut mit Weihnachtsmärkten anlocken. 52 Prozent der unter 35-Jährigen sehen Adventsmärkte und vorweihnachtliche Attraktionen als zusätzlichen Anreiz für einen Innenstadtbummel durch die Geschäfte, so EY. In der Altersgruppe ab 66 Jahren ziehen die Weihnachtsmärkte nur 33 Prozent besonders an.

Die Samstage im Advent sind vor allem für Spielwarenbranche entscheidend

Unterschiedlich sind jedes Jahr – je nach Studie – die Angaben zu den Ausgaben für Geschenke: Laut EY wollen die Deutschen dafür im Durchschnitt wie im Vorjahr 266 Euro spendieren. Die Konkurrenten von der Unternehmensberatung Deloitte haben zudem Ausgaben für Essen, Reisen und Unterhaltung an Weihnachten mit einbezogen und kommen auf 484 Euro – das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. Der HDE kommt an Ausgaben nur für Geschenke auf 466 Euro. An Popularität scheinen übrigens Geschenkgutscheine hinzu zu gewinnen.
Die BNN gehen an dieser Stelle auch auf ausgewählte Branchen ein. Hier die Ergebnisse:

 

 

Die Textilbranche

Steffen Jost, Präsident des BTE Handelsverbandes Textil (Köln/Foto: pr), hofft auf weiterhin kühle Temperaturen und auf so manche Schneeflocke. „Wenn das Wetter mitspielt, ist ein kleines Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr möglich“, sagt der Branchenkenner – er betreibt das Traditionsunternehmen Modehaus Jakob Jost in Grünstadt, das unter anderem eine Filiale in Bruchsal hat. Dank der derzeit guten Wirtschaftslage seien die Voraussetzungen für eine lebhafte Nachfrage nach Jacken, Pullovern und Hosen gut. Viele Textilien seien nach wie vor beliebte Geschenke zu Weihnachten. Und viele Menschen kleideten sich zum Fest auch gerne selbst neu ein. „Weihnachten und Silvester sind ja auch ein guter Anlass, sich mal ein besonders schönes Teil zu gönnen“, so Jost gegenüber den BNN.

Der Südwest-Einzelhandel

Die 40 000 Handelsfirmen im Südwesten peilen für dieses Jahr einen Umsatz von 90 Milliarden Euro an, sagt der Pforzheimer Horst Lenk (Foto: pr), der Ehrenvorsitzender des Handelsverbandes Baden-Württemberg ist. Das Weihnachtsgeschäft mache 19 bis 20 Prozent davon aus. Lenk sagte, man rechne für den Einzelhandel im Südwesten in den Monaten November und Dezember mit einem Plus von zwei Prozent – bundesweit sind es drei Prozent. „Vielleicht liegt das daran, dass wir auf einem sehr hohen Niveau liegen und dass sich das ein bisschen relativiert“, begründet er die etwas zurückhaltendere Prognose für Baden-Württemberg.
Lenk geht aber davon aus, dass das Geschäft in Städten wie Pforzheim, Karlsruhe und Baden-Baden besonders gut läuft. „Die haben alle tolle Weihnachtsmärkte.“ Auch diese sorgten für volle Innenstädte, wovon der Handel profitiere. „Wir haben in der Region eine sehr hohe Kaufkraft. Und die Stimmung ist einfach sehr, sehr gut.“
Und welche Geschenke sind laut Umfragen am gefragtesten? „Geschenkgutscheine stehen wieder an erster Stelle, dann folgen Kosmetik, Bücher, Kultur, Uhren, Schmuck, Spielwaren und Bekleidung.“

Die Spielwarenbranche

„Das Weihnachtsgeschäft ist für unsere Branche sehr wichtig, werden in den Wochen vor dem Fest doch gut 40 Prozent des Jahresumsatzes generiert“, sagt Ulrich Brobeil (Foto: Karmann), Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI/Nürnberg). Laut einer aktuellen DVSI-Umfrage erwarten 26 Prozent der Unternehmen ein besseres Geschäft als im vergangenen Jahr; lediglich acht Prozent befürchten ein schlechteres Ergebnis. Es sei in Mode gekommen, dass Großeltern und Eltern mit der Jugend Spiele spielen, die sie früher selbst mochten. „Analoge Spiele werden oft von nostalgischen Erinnerungen begleitet“, sagt Brobeil. Spielwaren würden übrigens seltener umgetauscht als andere Präsente.