Die afrikanische Schweinepest ist ein für die Tiere gefährliches Virus, das nach einem langen Weg über Vorderasien und Osteuropa Deutschland bedrohlich nah gekommen ist. | Foto: dpa

Behörde sieht „hohes Risiko“

Afrikanische Schweinepest kommt näher

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Die afrikanische Schweinepest steht gleichsam vor der Tür. Das Virus kommt tatsächlich aus Afrika und hat einen weiten Weg hinter sich. Aus Afrika nahm sie den Weg über die Länder Vorderasiens nach Osteuropa und hat mittlerweile in Tschechien und Polen erreicht. Wann kommt sie nach Deutschland? Wann in die Region? Was bedeutet das?

90 Prozent sterben nach Infektion

Joachim Thierer, Leiter des Veterinäramtes beim Landratsamt Karlsruhe, spricht von einem „hohen Risiko durch die Einschleppung“. Das Schweinepest-Virus ist langlebig. Im Kot hält es sich etwa zehn Tage. Und „Fallwild“, also Tiere, die durch das Virus verendet sind, sind eine Infektionsquelle über viele Monate hinweg. Von solchem „Fallwild“ dürfte es im Ernstfall viel geben: Nach Thierer ist die Sterblichkeitsrate extrem hoch, wenn ein Tier erst einmal das Virus aufgenommen hat. Der Veterinär spricht von einer Mortalität von 90 Prozent.

Infos an der Autobahn

Aus diesem Grund wird auch alles unternommen, um – soweit möglich – das Einschleppen des Virus zu verhindern. Als Hauptrisiko gilt der Transitverkehr, weshalb die Behörden etwa an Autobahnraststätten Schweinepest-Informationsschilder ausgehängt haben.

Bauern wollen vermehrten Abschuss

Die jetzt schon groß geführte Diskussion im Blick auf einen denkbaren Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat viele Facetten. Die Bauern fordern die Jäger auf, Wildschweine vermehrt zu schießen. Die Jäger wollen, dass die Bauern den Maisanbau reduzieren und Schneisen durch ihre Felder schlagen, damit sich die Schwarzkittel nicht nach Belieben verstecken. Mitbeteiligt sind auch die Politik und die Behörden – was ist bislang mit dem Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Wildschweinjagd, was ist mit dem Thema Jagdruhe?

Einsatz von Nachtzielgeräten?

Deutlich werden an dieser Stelle die Grünen im Landtag. Ihr Sprecher Reinhold Pix will erheblich mehr Wildschweine schießen lassen, um die Bestände vernünftig zu begrenzen. Zudem setzt sich der Abgeordnete für die Aufhebung des Verbots von Nachtzielgeräten ein. Das obliegt allerdings dem Bund. Zudem geht es um revierübergreifende Drück- und Bewegungsjagden sowie eine effizientere Gestaltung der Jagden durch vermehrten Einsatz von „Stöberhunden“.

Gute Zahlen

Amtsleiter Thierer beleuchtet das Thema sachlich. Als erstes verweist er auf ein laufendes Monitoring: „Die Jäger nehmen bei erlegtem Schwarzwild eine Blutprobe.“ 140 Proben wurden schon analysiert – das Schweinepestvirus wurde noch nicht entdeckt. Überdies sind die Jäger im Landkreis auch nicht untätig. Der Kreis Karlsruhe hat landesweit eine vergleichsweise hohe Population an Schwarzwild, aber auch recht gute Abschussquoten. Im Jagdjahr 2012/13 gab es mit 5.500 Stück erlegtem Schwarzwild einen Rekord. Für das Jagdjahr 2017/18 rechnet Joachim Thierer mit etwa 3.500.

Wir dürfen in der Bejagung nicht nachlassen

Gleichwohl bleibt angesichts der gespannten Situation die Frage, ob die bestehenden Restriktionen wie etwa die geltende Jagdruhe im Frühjahr ein besseres Ergebnis verhindern? „Wir dürfen jedenfalls in der hohen Intensität der Bejagung nicht nachlassen“, lautet die klare Ansage Thierers. Gleichzeitig laufen Vorbereitungen für den Fall, dass das Virus aufschlagen sollte. So sollen etwa „Verwahrstellen“ für „Fallwild“ eingerichtet werden, damit dieses als Infektionsquelle nicht in der Natur liegen bleibt.

Für Menschen ungefährlich

Veterinäramtsleiter Joachim Thierer erklärt, dass das Schweinepestvirus für Menschen ungefährlich sei. Für die Tiere hingegen sei es in seiner Wirkung verheerend – einen Impfstoff gebe es nicht. Das heißt auch, dass ein Hausschweinbestand gekeult werden müsse, wenn ein Tier das Virus aufgenommen hat.

Wenig Betriebe in der Region

Im Landkreis Karlsruhe ist dieses Problem gegenüber beispielsweise niedersächsischen Regionen überschaubar. Thierer spricht von 120 Mastbetrieben im Landkreis mit zusammen etwa 3 200 Tieren.