© Jodo-Foto / Joerg Donecker// 22.02.2018 Schweine beom Hofladen Becker, Foto: Matthias Becker im Aussenbereich Schweinstall, -Copyright - Jodo-Foto / Joerg Donecker Sonnenbergstr.4 D-76228 KARLSRUHE TEL: 0049 (0) 721-9473285 FAX: 0049 (0) 721 4903368 Mobil: 0049 (0) 172 7238737 E-Mail: joerg.donecker@t-online.de Sparkasse Karlsruhe IBAN: DE12 6605 0101 0010 0395 50, BIC: KARSDE66XX Steuernummer 34140/28360 Veroeffentlichung nur gegen Honorar nach MFM zzgl. ges. Mwst. , Belegexemplar und Namensnennung. Es gelten meine AGB.
Sorge um das liebe Vieh hat Landwirt Matthias Becker angesichts der Afrikanischen Schweinepest, die sich von Osteuropa her langsam ausbreitet. Sollte in Karlsruhe eine Sperrzone errichtet werden, müsste er seine 600 Schweine töten. | Foto: Jörg Donecker

„Ich habe keinen Einfluss“

Afrikanische Schweinepest macht Karlsruher Landwirt Sorgen

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Matthias Becker ist ratlos. Die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa in Richtung Westen bedroht auch seine 600 Schweine, die er in Rüppurr hält. Ihr Fleisch verkauft er im angegliederten Hofladen. „Man muss den Einfluss der Wildschweine auf den eigenen Hof soweit man kann verringern“, sagt Becker. Er habe bisher keine Wildschweine in der Nähe seines Hofes beobachtet, aber er überlegt, noch einen Extrazaun um die Offenställe herum zu errichten. „Sonst weiß ich nicht, was man machen soll, das Virus wird ja vor allem von Personen weiter verbreitet.“

Seuche verbreitet sich über Lebensmittelreste

Denn die Seuche verbreitet sich vor allem über Lebensmittelreste aus infiziertem Schweinefleisch, die Reisende in der Natur oder an Rastplätzen liegen lassen. Während das Virus für den Menschen absolut ungefährlich ist, bedeutet es für europäische Haus- und Wildschweine fast sicher den Tod. „Es äußert sich durch starke grippeähnliche Symptome, an denen die Tiere schnell sterben“, erklärt Tierärztin Alexandra Börner vom städtischen Veterinäramt.

Die Stadt Karlsruhe appelliert in einer Pressemitteilung an Reisende aus osteuropäischen Ländern Richtung Deutschland, „Lebensmittelreste nur in verschlossene Abfallbehälter zu werfen“, um die Einschleppung zu verhindern. Man beruft sich dabei auch auf den Zwölfpunkteplan des baden-württembergischen Verbraucherschutzministers Peter Hauk, der unter anderem zusätzliche Mittel für die „drastische Reduzierung des Schwarzwildbestandes“ in Höhe von bis zu drei Millionen Euro sowie „strengere Biosicherheitsmaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben“ und „umfassende Informationskampagnen zur Verhinderung menschlichen Fehlverhaltens“ vorsieht.

Bei Verdacht wird der Betrieb abgeriegelt

Insgesamt sieben Betriebe mit Schweinehaltung gibt es laut Statistischem Jahrbuch 2017 im Stadtgebiet. Falls bei einem Wild- oder Hausschwein in Karlsruhe konkreter Verdacht auf ASP bestünde – was bisher nicht der Fall sei – würden Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche ergriffen, wie Tierärztin Alexandra Börner erklärt: Im Falle eines Hausschweins würde das Veterinäramt im betroffenen Betrieb die Tiere untersuchen und Proben nehmen, die im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe sowie in einem Referenzlabor ausgewertet würden.

„Der komplette Bestand würde sofort gesperrt, und wir würden zunächst auf das Ergebnis aus dem Labor warten“, so Börner. Das dauere meist zwei bis drei Tage. So lange sei nur betriebseigenes Personal auf dem Hof zugelassen, Tiere dürften weder den Betrieb verlassen noch neu hinzukommen.

Das kann das Ende für einen Betrieb bedeuten

Wirtschaftlich könne das schwere Auswirkungen haben, so Börner: „Selbst der Verdacht ist schon anzeigepflichtig, die Bevölkerung muss informiert werden.“ Für die im Falle eines bestätigten Verdachts auf Afrikanische Schweinepest getöteten Tiere und die Vernichtung des Fleisches bekomme der Landwirt zwar eine Entschädigung, aber bis der Betrieb gereinigt, desinfiziert und wieder am Laufen sei, könnten Monate vergehen: „Das kann auch das Ende für einen Betrieb bedeuten.“

Im Fall eines infizierten Wildschweins, dessen Probe ebenfalls im Veterinäruntersuchungsamt landet, würden innerhalb bestimmter Kilometerzonen Sperren für den Handel mit Schweinefleisch errichtet. „Im innersten Bereich würde jegliche Bejagung eingestellt, um die Wildscheine dort zu behalten wo sie sind.“ In weiter entfernten Bereichen würde das Schwarzwild verstärkt gejagt – und zwar mehrere Monate lang.

Virus im Vesperbrot

„Das Problem ist ja nicht nur ein Virusbefall in meinem Betrieb“, sagt auch Landwirt Matthias Becker. „Wenn mein Hofladen innerhalb einer Sperrzone ist, dann weiß ich nicht, was sein wird. Ich müsste alle meine Schweine töten.“ Er könne überhaupt nicht sagen, was dieses Szenario für seinen Hofladen bedeuten würde, was mit seinen Mitarbeitern geschehen solle.

Abgesehen von der Bejagung der Wildschweine sieht Becker kaum Möglichkeiten, die ASP abzuwehren. „Wir hoffen, dass das Virus nicht so weit vordringt, aber machen kann man eigentlich nichts.“ Denn die Hauptüberträger, die reisenden Menschen, könne man gar nicht so stark kontrollieren: „Wenn ein Lkw-Fahrer sein Wurstbrot aus dem Fenster schmeißt, weil er es nicht mehr essen will – darauf habe ich ja keinerlei Einfluss.“