Was wächst denn da? Gartenbesitzer Claudia und Bernd Schwall (links) stellen den Besuchern Gabriele Oeller-Stahl und Harald Stahl ihr grünes Refugium im Ortskern von Knielingen vor. Das Paar machte auch bereits in den Vorjahren bei der Aktion der Stadt mit.
Was wächst denn da? Gartenbesitzer Claudia und Bernd Schwall (links) stellen den Besuchern Gabriele Oeller-Stahl und Harald Stahl ihr grünes Refugium im Ortskern von Knielingen vor. Das Paar machte auch bereits in den Vorjahren bei der Aktion der Stadt mit. | Foto: jodo

Weinplausch im Schatten

Aktion „Offene Pforte“ lockt Gartenliebhaber nach Karlsruhe-Knielingen

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Der Besucher schreitet in Karlsruhe-Knielingen unter einem Baldachin aus Wein hindurch. Dann sieht er die gelben Mohnblumen leuchten. Seit April blühen sie bereits. Jeden Abend schließen sie ihre Kelche. Dann denkt Claudia Schwall, nun seien sie verblüht.

Von Gianna Ronge

Doch noch öffnen sie sich jeden Morgen wieder. Bei der Aktion „Offene Pforte“ gibt es am Samstag im Garten der Familie Schwall in Knielingen viel zu entdecken – auch kleine Eidechsen. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd hegt und pflegt Claudia Schwall den rund 210 Quadratmeter großen Garten.

Im Jahr 2000 ist das Ehepaar, das drei erwachsene Kinder hat, in das Haus in Knielingen gezogen. Besonders mit dem Wein hatten sie in der Anfangszeit viel Arbeit. „Der wuchs erst an der Hauswand des Nachbarhauses“, berichtet Bernd Schwall.

Doch als die Nachbarin die Wand dämmen wollte, musste der Wein weg. Eines morgens lagen dann die ganzen Ranken auf dem Boden, die Nachbarin stellte ihr Gerüst auf – und die Schwalls wussten nicht, ob sie den Wein wieder hochbekommen würden. Doch das Paar hat es geschafft, die zwei Stämme haben es überlebt. Inzwischen sind sie über 80 Jahre alt und überranken den kleinen Hof.

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Und nun, an diesem warmen Sommertag, können sich die Besucher im Schatten darunter hinsetzen, ihren Blick über die vielen Kübelpflanzen schweifen lassen und ein Glas Saft von eben jenen Weintrauben probieren.

Vögel lieben Weintrauben in Karlsruhe-Knielingen

Sohn Jonas Schwall gibt noch eine Wein-Anekdote zum Besten: Vor ein paar Jahren sei er in den Garten gekommen und ein großer Schwarm Vögel saß auf den Trauben. „Es war wie bei Hitchcock“, sagt er. „Sie haben mich mit Kernen bespuckt.“

Genau diese Geschichten, die Familie Schwall erzählt, sind es, die den Besuch in ihrem Garten zu etwas Besonderem machen. Die Gäste fühlen sich willkommen. Man hat das Gefühl, alte Bekannte zu treffen. Tatsächlich kommen auch einige Freunde des Paares zum Plaudern – über den Garten, den Wein und Gott und die Welt.

Viele Besucher interessieren sich dafür, wie lange die Schwalls täglich mit dem Gießen der ganzen Pflanzen verbringen. „So lange ist das nicht“, sagt Claudia Schwall. „Vielleicht so anderthalb Stunden. Aber auch nicht unbedingt jeden Tag. Da muss man die Pflanzen auch ein bisschen erziehen“, sagt sie mit einem Zwinkern.

Außerdem sei der Garten durch die viele natürliche Beschattung recht pflegeleicht. Nur die Pflanzen in den Terrakottakübeln müsse man eigentlich morgens und abends wässern. Die meisten Pflanzen überwintern draußen, nur die Gerbera werden in die Scheune geräumt.

Zu jeder Tageszeit ein Plätzchen im Schatten

Fragt man die Besitzerin nach der Besonderheit ihres Gartens, nennt sie die vielen Sitzmöglichkeiten. Zu jeder Tageszeit findet sich ein Plätzchen im Schatten. „Im Sommer sind wir den ganzen Tag draußen“, erzählt Claudia Schwall. An dem Tisch auf der kleinen Rasenfläche frühstücken sie, an dem Tisch unter den Weinreben essen sie zu Abend.

Und wenn man durch die Scheue hindurchgeht, findet sich auf der anderen Seite ebenfalls ein kleiner Tisch. Dort ist ein Obst- und Gemüsegarten angelegt: Erdbeeren und Feigen wachsen dort, ebenso wie Tomaten und Rote Johannisbeeren. Rund 40 Gäste sind gekommen – so viele wie in den Vorjahren auch. Das ist trotz Corona gleich geblieben.

Anders ist diesmal nur, dass die Besucher nicht wieder unter dem Wein hinausgehen, sondern auf der anderen Hausseite – ganz regelkonform.