Taten statt reden: Rund um den Indianerbrunnen wurden die Hinweisschilder für das zeitlich und räumlich begrenzte Alkoholverbot auf dem Werderplatz aufgehängt. Mit von der Partie Bürgermeister Käuflein und Ordnungsamtsleiter Weiße (von links).
Taten statt reden: Rund um den Indianerbrunnen wurden die Hinweisschilder für das zeitlich und räumlich begrenzte Alkoholverbot auf dem Werderplatz aufgehängt. Mit von der Partie Bürgermeister Käuflein und Ordnungsamtsleiter Weiße (von links). | Foto: jodo

Ziel: Brennpunkt entschärfen

Alkoholverbot am Karlsruher Werderplatz ab 1. April

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Nun ist es soweit: Ab Montag ist das Trinken von Alkohol auf dem Werderplatz außerhalb der gastronomisch genutzten Flächen verboten. Das Tabu ist zunächst auf fünf Jahre befristet und gilt jeweils vom 1. April bis zum 31. Oktober, montags bis samstags von 11 bis 20 Uhr. Verstöße können mit hohem Bußgeld bestraft werden.

Die Untersagung ist Teil eines Dreierpakets, um die rauschbedingten Exzesse auf dem Südstadtareal nachhaltig aus der Welt zu schaffen. Das Konzept umfasst zudem den Alkoholkonsumraum „A hoch 3“ der Diakonie mit Aufenthalts-, Beratungs- und Beschäftigungsangebot in der Schützenstraße und die noch zu schaffende „Fixerstube“, in der Schwerstabhängige mitgebrachte Drogen wie Heroin unter Aufsicht konsumieren dürfen.

2018 knapp 150 Ordnungswidrigkeiten

„Erst jetzt sind die rechtlichen Voraussetzungen für Alkoholverbote an Brennpunkten gegeben“, so der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes, Björn Weiße. Ab 100 alkohol- und betäubungsmittelbedingten Ordnungswidrigkeiten und Straftaten geht das Polizeigesetz von einem Brennpunkt aus. „Allein der Kommunale Ordnungsdienst registrierte im vergangenen Jahr am Werderplatz knapp 150 Ordnungswidrigkeiten, 70 Platzverweise und vier vorläufige Festnahmen. Die Polizei hat ihre eigene Statistik“, so Weiße. Im vergangenen Jahr habe der KOD 750 Kontrollen auf dem Platz absolviert, im Januar und Februar waren es bereits 121.

Maßnahmen der Vergangenheit nicht gefruchtet

Die Szene aus Drogenabhängigen, Alkoholsüchtigen, Obdachlosen und rumänisch oder russisch sprechenden Saisonarbeitern sei immer inhomogener und die Aufenthaltsqualität stetig weiter in den Keller gerutscht, bestätigte auch Bürgermeister Albert Käuflein. Alle Maßnahmen der Vergangenheit hätten nicht gefruchtet, um die seit langem untragbaren Auswüchse einzudämmen.

50 Euro bei Erstverstoß

Das Alkoholverbot wird den Platzbesuchern mit Plakaten angezeigt. „In der Anfangsphase werden wir nur aufklärerisch tätig sein und Flyer verteilen“, erklärt Weiße. Erst danach werde das Repressions-Register aus Platzverweisen und Bußgeldern gezogen. „Bei Erstverstoß werden zunächst 50 Euro angesetzt. Möglich sind Beträge bis zu einer Höhe von 5000 Euro“, sagt Weiße. Ziel des Verbots sei es nicht, die betroffenen Personen aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben. Vielmehr solle erreicht werden, dass sich die Gesamtsituation am Werderplatz für alle deutlich und dauerhaft verbessere.

Keine andere Möglichkeit als Alkoholverbot

Die Vorsitzende der Bürger-Gesellschaft der Südstadt, Martina Hillesheimer, betonte: „Wir waren zunächst gegen ein Alkoholverbot. Unsere jetzige Zustimmung ist Folge eines Umdenkungsprozesses.“ Auch die Umfrage bei Platzanwohnern, Gastronomen und Gewerbetreibenden habe ergeben: Ein Alkoholverbot sei zwar blöd, aber es bleibe keine andere Möglichkeit mehr. „Ich bin skeptisch, ob das Verbot wirken wird. Mal sehen, wie der Sommer wird“, so Hillesheimer. „Die Stadtverwaltung wird die Entwicklung weiterhin beobachten. Wird Nachbesserungsbedarf festgestellt, ergreifen wir zeitnah die erforderlichen und möglichen Maßnahmen“, verspricht Weiße.

Alkoholkonsumraum: Positive Bilanz

Erfreuliches vermeldete der Karlsruher Diakonie-Direktor Wolfgang Stoll über den sogenannten „Alkohol Akzeptierenden Aufenthaltsraum“ in der Südstadt. „Täglich kommen dort 30 bis 40 Menschen zusammen“, so Stoll. In der Schützenstraße 2 können sich seit September 2018 Suchtkranke an sechs Tagen pro Woche ungestört treffen und niedrigprozentigen Alkohol trinken. Zudem bietet die Diakonie dort niedrigschwellige Hilfe an, wie etwa Sportaktivitäten oder die Möglichkeit zur Beratung durch Sozialarbeiter.

Werden russisch- oder rumänisch sprachige Menschen erreicht?

„Und wenn der Raum nachmittags schließt, laufen die Besucher nicht alle gleich wieder zum Werderplatz“, hat Stoll beobachtet. Zudem lobt er die entspannte Atmosphäre in dem Alkoholkonsumraum. Sorge bereitet Stoll allerdings, ob die russisch- oder rumänisch sprachigen Menschen mit den Angeboten der Stadt erreicht werden. Der Flyer über das Alkoholverbot auf dem Werderplatz zumindest ist dreisprachig verfasst.
Der Drogenkonsumraum wird nicht in der Südstadt eingerichtet.
Er dockt an einen schon bestehenden Kontaktladen für Suchtkranke der AWO in der Kriegsstraße an, bestätigte die städtische Drogenbeauftragte Cordula Sailer. Nach Umbauten eines Nebenraums rechnet Sailer mit der Eröffnung im Herbst diesen Jahres.