VW-Chef Matthias Müller legt sich mit Millionen Diesel-Fahrern an - und mit Teilen der Politik. | Foto: dpa

Kommentar zum Dieselmotor

Alles Müller, oder was?

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Geht’s noch? Zuerst schadet der VW-Konzern seiner Belegschaft, seinen Aktionären – darunter der Staat – und der gesamten deutschen Automobilindustrie mit seinem Diesel-Betrug, der in der Wolfsburger Chefetage immer noch euphemistisch als „Diesel-Thematik“ bezeichnet wird. Es folgt ein dilettantisches Krisen-Management, bei dem vor allem Konzernchef Matthias Müller negativ auffällt. Dann zahlt der Konzern in den USA Milliarden und gönnt seinen deutschen Kunden nicht einmal einen 50-Euro-Gutschein als Zeichen des guten Willens. Andere Autobauer geraten in den Strudel von „Diesel-Gate“, weil sie von der Politik eingeräumte Spielräume („Thermo-Fenster“) allzu großzügig genutzt haben. Nun drohen auch noch Fahrverbote für Fahrer älterer Diesel-Pkw in den Innenstädten. Der Wert ihrer Fahrzeuge rauscht nach unten – und was fällt Müller ein? Er regt an, Steuererleichterungen zu Lasten des Diesels für Elektroautos umzuschichten und neue Plaketten für besonders emissionsarme Autos einzuführen. Wenn FDP-Generalsekretärin Nicola Beer Müller nun als „Diesel-Judas“ bezeichnet, dann hat sie sich in der Wortwahl vergriffen – inhaltlich liegt sie völlig richtig.

FDP-Generalsekretärin liegt mit ihrer Kritik an Müller völlig richtig

Man muss doch mal festhalten: Millionen deutsche Autofahrer haben sich bewusst für einen Diesel-Pkw entschieden. Die Politik und Autoindustrie haben ihnen ja oft genug gesagt, wie wichtig dieser sei, um bei der Reduzierung von Kohlendioxid Fortschritte zu erzielen. Sie haben in der Regel mehr bezahlt als für ein Auto mit Benzinmotor. Sie begleichen eine deutlich höhere Kraftfahrzeugsteuer – und haben, auch das ist korrekt, Vorteile beim Verbrauch und der Energiesteuer. Ein Autoboss wie Müller könnte sich bei seinem Millionensalär jeden Tag ein neues Auto kaufen – doch nicht jeder Normalbürger kann oder will sich nach zehn Jahren einen Neuwagen leisten. Der Trend zum Elektroauto ist richtig, aber hier haben Industrie und Politik wahrlich noch nicht alle Hausaufgaben gemacht. Glücklicherweise ist das vielen bewusst. Es gilt eben nicht: „Alles Müller, oder was?“