Zu Besuch bei den BNN: KSC-Trainer Alois Schwartz spricht über Erfolg und Infrastruktur-Probleme.
Zu Besuch bei den BNN: KSC-Trainer Alois Schwartz spricht über Erfolg und Infrastruktur-Probleme. | Foto: GES

Besuch bei den BNN

Alois Schwartz: „oldschool“ zum Erfolg beim KSC

Als erstes fallen an Alois Schwartz beim Besuch im BNN-Verlagshaus dessen Manieren auf. Alle Teilnehmer der Redaktionskonferenz begrüßt der Cheftrainer des Karlsruher SC mit Handschlag – zuerst die sechs Frauen, danach die acht Männer.

Der Griff des gebürtigen Nürtingers gleicht dem eines Bergsteigers. Einen Gipfel hatte der 50-Jährige auch vor sich, als er den KSC übernahm: fünf Punkte nach sechs Spielen in der Dritten Liga. „Es war keine Mannschaft“, sagt Schwartz. Es muss ihn Überwindung gekostet haben, Ende August 2017 dem Ruf des KSC zu folgen. Schließlich war er fünf Monate zuvor vom 1. FC Nürnberg nach nur 25 Spielen vor die Tür gesetzt worden. Dabei sind sich „Club“ und KSC gar nicht so unähnlich: beides Vereine mit Tradition, bei denen Anspruch und Wirklichkeit mitunter auseinanderliegen.

Alois Schwartz bezeichnet sich selbst als „oldschool“

Schwartz ist das, was er selbst „oldschool“ nennt, ein Vertreter alter Trainer-Schule also. Bodenständig, charmant, das Hemd lässig aufgeknöpft, die Ärmel hochgekrempelt, kein Konto bei Facebook oder Twitter. Seine obersten Dogmen sind Disziplin, Teamgeist und unbedingter Siegeswillen.

Dabei verliert Schwartz die Persönlichkeiten seiner Spieler nicht aus dem Auge. „Ich muss erst den Menschen kennenlernen, bevor ich aus dem Spieler mehr herausholen kann.“ Der Verlust der zweiten Mannschaft des KSC schmerzt ihn hörbar. Jedoch steht er hinter der Entscheidung des Vereins, versteht den Schritt als Gebot der wirtschaftlichen Situation.

Nach anfänglich sieben Punkten aus fünf Spielen hat der KSC seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr verloren. 49 Zähler hat Schwartz bereits geholt, und er ist stolz darauf: „Die Bilanz ist schon hervorragend. Ich muss den Hut davor ziehen, was die Mannschaft leistet.“ Um die Moral seiner Elf zu unterstreichen, führt er die Begegnung gegen Lotte am 27. Spieltag an.

Bei den Sportfreunden sei es gefühlt „minus 20 Grad“ gewesen. „Ich habe gezittert vor Kälte und dann auch noch vor Frust“, erinnert sich Schwartz an den 0:1-Rückstand. In der letzten Viertelstunde habe seine Mannschaft aber den Schalter umgelegt, den Ausgleich erzielt – natürlich durch Fabian Schleusener – und die Begegnung fast noch für sich entschieden.

BNN-Umfrage: 91 Prozent glauben an den Aufstieg

Die aktuelle Erfolgsserie nährt die Fantasie der Fans: Bei einer Umfrage auf BNN.de zeigten sich fast 91 Prozent der rund 480 Teilnehmer davon überzeugt, dass der KSC in dieser Saison aufsteigt. „Ich finde es schön, dass die Leute sehr positiv gestimmt sind“, fühlt sich Schwartz geschmeichelt. Die Unterstützung im Stadion – der KSC ist derzeit die beste Heimmannschaft – sei schließlich sehr wichtig.

Aber von Aufstieg will der 50-Jährige, der seit über 20 Jahren Mitglied des FC Unitas 71 Karlsruhe ist, nicht sprechen. Er verweist darauf, dass der KSC mit 54 Punkten am 29. Spieltag in der vergangenen Saison nicht Dritter, sondern Tabellenführer gewesen wäre – ein Beleg für die Stabilität von Paderborn und Magdeburg.

Um seine Überzeugungen zu veranschaulichen, gestikuliert Schwartz viel: Seine Hände klatschen auf die hölzernen Armlehnen seines Stuhls, bei dem Wort „Einheit“ formt er mit ihnen eine Art Kugel, bei „Wissen“ führt er sie mit ausgestreckten Fingern zum Kopf.

Der KSC ist nicht mehr up to date

Auch seine Meinung über die Infrastruktur im Wildpark formuliert er klar: „Der KSC ist nicht mehr up to date.“ Schwartz führt etwa die Qualität der Plätze und des Nachwuchsleistungszentrums an. Warum der Stadionneubau so eine endlose Geschichte ist, ist ihm nicht ganz schlüssig. Daraus macht er keinen Hehl.

Privat wird es Schwartz wohl nicht nach Karlsruhe ziehen: Er lebt seit 1993 mit seiner Familie in Mannheim und genießt die freie Zeit gerne bei einem Weißbier oder Spaziergängen mit seinem Australian Shepherd. Obwohl er erzählt, dass die Narbe an seiner linken Augenbraue von einem Hundebiss in der Kindheit stammt.

Die KSC-Berichterstattung verfolgt er genau. Eine Schlagzeile würde er in einem Jahr am liebsten auf der BNN-Titelseite lesen: „Wir weihen das neue Stadion ein“. Zunächst steht am Samstag aber die Partie gegen den SV Meppen an und damit die Chance auf die Revanche für die letzte Niederlage vor 1.620 Spielminuten.

Zitate
„Je länger eine Serie ist, desto größer ist die Chance, dass sie reißt.“
Schwartz über die aktuelle Situation beim KSC
„An Spieltagen bin ich anders, fokussierter. Da soll jeder seine Aufgabe machen und sich nicht in der Kabine herumtreiben.“
Schwartz über sein Verhalten an Spieltagen
„Er ist einer der wenigen, die auf mich hören.“
Schwartz über seinen Australian Shepherd
„Ich glaube, in meiner Liste war außer Bayern München alles dabei.“
Schwartz über das Interesse an seiner Person während seiner Zeit beim SV Sandhausen