Bei Iffezheim malte Rudolf Gleichauf 1869 dieses Gruppenbild, das die „altbadische Tracht in der Hardtgegend“ zeigt. | Foto: Badisches Landesmuseum

Kleidung in den 1860er Jahren

Altbadische Tracht mit schwäbischem Charakter

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Sehr einfach soll die „altbadische Tracht in der Hardtgegend“ gewesen sein. Der Maler Rudolf Gleichauf bescheinigte ihr in den 1860er Jahren sogar einen „vorwiegend schwäbischen Charakter“. Der Künstler dokumentierte damals in Wort und Bild die Kleidung ländlicher Bevölkerungskreise im Großherzogtum. Jetzt liegt sein Werk „Badische Landestrachten“ erstmals als Buch vor. Brigitte Heck vom Badischen Landesmuseum hat es für die Veröffentlichung bearbeitet und erläutert.

Das große Interesse an historischen Trachten erwachte just in jener Zeit, als die Menschen auf dem Land und in den Kleinstädten „modern“ wurden. Im 19. Jahrhundert passte die bäuerliche Bevölkerung ihre Bekleidungsgewohnheiten mehr und mehr denjenigen des Bürgertums an. So notierte Rudolf Gleichauf, als er sich 1869 die „altbadische Tracht in der Hardtgegend“ vorknöpfte, diese habe sich „bei den Frauen ziemlich gut, bei den Männern aber nur bei den Ältesten erhalten“.

Die Tracht wird museumsreif

Die bäuerliche Kultur als „bedrohte Lebensart“ – das Thema beschäftigte Künstler und Bildungsbürger gleichermaßen. Angesichts der gesellschaftlichen Umstürze im Zeitalter der Industrialisierung schätzte man die vermeintlich „echte Tracht“ als Symbol für Beständigkeit und Identität. In Baden engagierte sich zudem das Regentenhaus stark für die Trachtenpflege. „Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise verfolgten offenbar die Strategie, die Vielfalt historischer Trachten als kulturelle Besonderheit des Landes hervorzuheben“, erläutert Brigitte Heck.

Im Auftrag des Großherzogs reiste Rudolf Gleichauf 1861 bis 1869 durchs Land und fertigte 39 Trachtenporträts und detaillierte Beschreibungen dazu an. Die Aquarelle wurden als erste Zeugnisse badischer Volkskunde überhaupt in einem Karlsruher Museum gezeigt: Besucher der „Vereinigten Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde“ konnten sie ab 1881 bewundern.

Zwei Originale sind verschollen

Nach der Gründung des Badischen Landesmuseums 1919 wurden Gleichaufs Aquarelle über Jahre hinweg in dessen Volkskundeabteilung öffentlich präsentiert. Zudem lieh man sie, so Brigitte Heck, an kleinere Heimatmuseen aus. Womöglich liege es an den „Reisen“ durchs Land, dass zwei Originale verloren gegangen sind. Eines der verschollenen Bilder kann in der Edition „Badische Landestrachten“ aber trotzdem gezeigt werden, da es zuvor als Lithografie publiziert worden war.

„Mit seinem Trachtenwerk lieferte Rudolf Gleichauf die zu seiner Zeit umfassendste Betrachtung lokaler und regionaler trachtlicher Kleiderformen der Landbevölkerung des Großherzogtums Baden“, urteilt Brigitte Heck. Vollständig ist der Überblick allerdings nicht. So fanden bei Gleichauf der Kraichgau, die Kurpfalz und der badische Odenwald keine Berücksichtigung. Auch das Markgräflerland und die Bodenseeregion sparte der Künstler aus.

Wo man altbadische Tracht trug

Die „altbadische Tracht in der Hardtgegend“ ordnete Gleichauf übrigens den Orten Bietigheim, Muggensturm,  Stollhofen, Mörsch, Iffezheim, Wintersdorf, Plittersdorf und Durmersheim zu. Auch in  den heutigen Karlsruher Stadtteilen Beiertheim, Bulach und Daxlanden sei sie getragen worden. „Sie können aber davon ausgehen, dass die Kleidung bei Eggenstein und Leopoldshafen ähnlich aussah“, sagt Brigitte Heck.

Wie „schwäbisch“ war die altbadische Tracht?

Und der „vorherrschend schwäbische Charakter“? Da sei etwas dran, sagt die Fachfrau: Ähnlichkeiten mit württembergischen Trachten seien durchaus vorhanden. „Strikte Grenzziehungen gab es bei der ländlichen Kleidung nicht“, sagt sie. Da hätten Handelswege und verfügbare Materialien eine bedeutendere Rolle gespielt.

Das Buchcover „Badische Landestrachten“ zeigt eine junge Frau aus dem Breisgau. | Foto: verlag regionalkultur

Das Buch: „Badische Landestrachten. Dargestellt und beschrieben durch den Maler Rudolf Gleichauf in den Jahren 1861 bis 1869“ ist eine Veröffentlichung der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Das von Brigitte Heck bearbeitete Buch (Redaktion Isabelle Löffler) umfasst 152 Seiten mit 94 Abbildungen. Es ist im Verlag Regionalkultur erschienen und kostet 19,80 Euro (ISBN 978-95505-178-5).