Eine gut gefüllte Hausapotheke gibt es in den meisten Haushalten. Doch auch wer haltbare und ungeöffnete Packungen ausmistet, muss sie in die Tonne werfen.
Eine gut gefüllte Hausapotheke gibt es in den meisten Haushalten. Doch auch wer haltbare und ungeöffnete Packungen ausmistet, muss sie in die Tonne werfen. (Archivbild vom 22.07.2012/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ | Foto: dpa

Strenge Regeln

Alte Medikamente in Karlsruhe: Wegwerfen erwünscht – spenden nicht

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Nach einem Mittel gegen Kopfschmerzen oder die Grippe fragen von Armut betroffene Menschen in den Einrichtungen des Vereins „Sozialpädagogische Alternativen“ (Sozpädal) immer wieder mal. Ihnen fehlt oft das Geld, um die Arznei selbst in der Apotheke zu kaufen. Helfen kann man ihnen aber nicht. Der Verein darf keine Arzneimittel ausgeben – auch dann nicht, wenn sie nicht verschreibungspflichtig sind.

Deshalb nimmt Sozpädal wie die meisten Hilfsorganisationen keine Medikamenten-Spenden an. Auch ungeöffnete und länger haltbare Pillen-Packungen und Salben, die Angehörige oft beim Entrümpeln der Wohnungen verstorbener Verwandter finden, landen bei richtiger Entsorgung zu Tausenden im Müll.

Hilfsorganisationen können keine fachliche Beratung bieten

„Dafür gibt es gute Gründe“, erklärt Michael Hofheinz, der Sprecher der Gruppe Karlsruher Apotheker. „Es weiß beispielsweise keiner, ob die Medikamente fachgerecht gelagert wurden und tatsächlich noch nutzbar sind.“

Für die Hilfsorganisationen ist allerdings die verpflichtend notwendige Beratung durch medizinische Fachkräfte bei Abgabe von Medikamenten die viel größere Hürde. Die Beratung soll über Allergien, Unverträglichkeiten und Wechselwirkungen aufklären.

„Armen und Obdachlosen fehlt es am Nötigsten“

Er finde das nachvollziehbar, aber auch bedauerlich, sagt der Sozpädal-Geschäftsführer Jörg Mauter. „Die Gefahr einer falschen Selbstmedikation ist ja bei vielen Menschen gegeben“, argumentiert er. In Haushalten würden oft zahlreiche angebrochene oder noch verwendbare Mittel für alle möglichen Krankheiten aufbewahrt. Gerade Arme oder Obdachlose bildeten da eher die Ausnahme. „Sie besitzen keine ,eigene Apotheke’, ihnen fehlt es am Nötigsten.“

Ebenso wie Sozpädal nehmen auch die Beiertheimer Tafel und die Bahnhofsmission keine Arznei-Spenden an. Beide verweisen darauf, dass sie keine Beratung leisten können.

Diakonisches Werk nimmt Spenden an – unter Bedingungen

Das Diakonische Werk hingegen akzeptiert Medikamenten-Spenden, teilt eine Sprecherin mit. Der Grund: Im Tagestreff „Tür“ bieten ehrenamtlich tätige Ärzte regelmäßig Sprechstunden für Menschen an, die nicht krankenversichert sind.

Dadurch ist die fachliche Beratung bei der Abgabe der Mittel sichergestellt. Für die Spenden definiert das Diakonische Werk allerdings klare Bedingungen. Die Helfer nehmen nur Medikamente an, die tatsächlich benötigt werden – beispielsweise verschiedene Antibiotika, Wund- und Heilsalben oder Schmerzmittel. Voraussetzung ist zudem, dass die Mittel noch haltbar und Salben noch nicht angebrochen sind.

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Apotheken müssen keine Alt-Medikamente annehmen

Abseits der Spenden sieht es für abgabewillige Medikamentenbesitzer kaum anders aus. In den Apotheken werden alte und nicht mehr benötigte Arzneimittel nur im Ausnahmefall aus Kulanz angenommen. Seit 2009 sind sie nicht mehr dazu verpflichtet.

„Gerade in den 90ern haben die Menschen alles zurück zu uns gebracht“, sagt Michael Hofheinz. „Das war und ist der falsche Weg.“ Seit einigen Jahren würden Medikamente schließlich nicht mehr als Sondermüll eingestuft. Sie können von jedem einfach in den Restmüll geworfen werden.

Keine Entsorgung in der Toilette

„Am besten trennt man vorher die Verpackung vom Inhalt. Flüssigkeiten lassen sich beispielsweise über einer alten Zeitung auskippen. Wichtig ist nur, nichts in die Toilette zu werfen. Die Arzneimittelspuren machen im Klärwerk, in Flüssen und Seen Probleme“, erklärt Hofheinz.

Dass die Spendenpraxis nicht immer so strikt gehandhabt wurde, weiß der Apotheker aus eigener Erfahrung. Vor 25 Jahren organisierte er einen Medikamentensammlung für die Partnerstadt Krasnodar. Heute wäre das so nicht mehr möglich.