Wasserwerkbrücke
Die Wasserwerkbrücke bröckelt schon lange, jetzt sind ihre letzten Tage gekommen. Radler, Läufer, Passanten mit und ohne Hund, auch viele Familien werden die autofreie Verbindung zwischen Südstadt und Oberwald ab Montag, 30. Juli 2018, vermissen. | Foto: jodo

Letzte Brückentage beim Tivoli

Wasserwerkbrücke über Güterbahnhof Karlsruhe wird dicht gemacht

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Vom Tivoli in der Karlsruher Südstadt geht es bald nicht mehr schnell und autofrei in den nahen Tierpark Oberwald. Die Wasserwerkbrücke, längst marode, wird abgerissen und ein Nachfolger gebaut. 18 Monate soll das dauern. Ab Montag, 30. Juli 2018, ist die Brücke gesperrt. Mindestens 18 Monate lang reißt das eine Lücke ins Wegenetz für Radler und Fußgänger.

Letzter Blick von der Wasserwerkbrücke

Lockere 100 Tretkurbelumdrehungen bringen den Radfahrer unter der roten Schirmkappe vom „Affenplätzle“, dem Waldspielplatz bei den Przewalskipferden im Tierpark Oberwald, zum kühlen Brunnen neben der Südtangente. Dort nimmt der Sachse, der seit 2004 in der Südstadt lebt, die Rampe der Wasserwerkbrücke in Angriff. Oben schweift sein Blick über Stop-and-Go-Verkehr auf der Schnellstraße und einen Güterzug mit mehr als 40 Containern.

Steg beim Tivoli fällt weg

Seine Lieblingsstrecke zur Tennisanlage in Rüppurr nutzt der Mann an diesem Vormittag noch einmal ganz bewusst. Denn die letzten Tage des mächtig verrosteten Bauwerks sind angebrochen.

Man kann nur hoffen, dass es schnell geht

Ab Montag ist der autofreie Steg zwischen Tivoli und Oberwald gesperrt. Er wird abgerissen und durch eine neue Brücke ersetzt. „Man kann nur wünschen, dass es möglichst schnell geht“, seufzt der Radler. Die Ersatzstrecke sei „nicht so schön“– und ohne Schatten. In der auf 18 Monate veranschlagten Bauzeit fahre er „bei der Hitze “ vielleicht demnächst öfter im Auto zum Sport.

Absperrungen liegen schon bereit

Ein kleiner gelber Bagger bringt Absperrungen, daneben überqueren Ruth und Werner Eppel die Brücke Richtung Tivoli. Das rüstige Paar – sie 79, er 82 Jahre alt – zog 1959 in die Nebeniusstraße, einen Katzensprung von der 163 Meter langen Brücke über den Güterbahnhof entfernt. „Das war meine Kinderwagenstrecke in den Wald“, erinnert sich die silberhaarige Dame, „das machen die Mütter heute noch so.“ Inzwischen umgezogen ins Wohnstift in Rüppurr, läuft das Paar den Supermarkt am Tivoli an. Zwetschgen im Sonderangebot stehen auf dem Einkaufszettel. Die fidelen Fußgänger pflegen ihr Gesundheitsrezept: täglich fünf Kilometer per pedes. Nächste Woche fällt die 15 000-Kilometer-Marke, berichtet Eppel stolz. Der Oberwald ist ihr Revier, die Umleitung wollen die beiden aber auch laufen – an Tagen, an denen die Sonne nicht so brennt.

Langer und heißer Umweg

Der Umweg: statt kurzer U-Rampe zu autofreiem, luftigem Steg und Eintauchen in erfrischenden Waldschatten sind das drei Ampeln und 1,2 Kilometer neben mehrspurig rollendem Verkehr samt Geruch und Lärm. Zehn statt vier Minuten brauchen Radler so, kurz über neuen Asphalt, dann auf markiertem Schutzstreifen vorbei am Landhandel der Raiffeisen-Zentralgenossenschaft (ZG) zur Ettlinger Straße. Spätestens dort sind unsichere Radler arm dran: Es geht bei Grün, linksabbiegend, gegebenenfalls überkreuz mit geradeaus steuernden Autofahrern, die zur neuen Hauptbahnhof-Zufahrt wollen. Am Schwarzwaldkreuz lässt man den Autoverkehr hinter sich, das letzte Drittel der Umleitungsstrecke ist Schotterweg.

Umleitung führt die Leute bei uns vorbei

Alexandra Müller freut sich auf die 18 Monate ohne Wasserwerkbrücke. Am „Affenplätzle“ betreut sie gemeinsam mit Robin Müller und Renate Rückert aus Mörsch Ferienkinder aus Rheinstetten beim Kettcar-Ausflugstag mit Husky-Eskorte. „Die Umleitung führt die Leute bei uns vorbei“, erklärt die Anbieterin der Pedal-Karts, deren Heimatgarage beim PSK am Dammerstock steht. Und auch ein Durlacher Kleingärtner mit Hund hat Glück. Seine große Oberwaldrunde kann er von der Dornwaldsiedlung aus weiter ungehindert laufen.

Bagger unter Brücke
Der Bagger nagt an den Fundamenten des 1895 eröffneten Bauwerks. Für den Nachfolger wird man das Baujahr 2018/2019 eintragen. | Foto: jodo

Kann der „Manitou“-Kran für einen Südstadt-Indianer Zufall sein?

Massud Ardabili, Spezialist für Wassertechnik, kam 1957 aus dem Iran in die Fächerstadt und blieb ihr treu. Er wird sein strammes Walking in den Citypark verlegen. Inzwischen „Südstadt-Indianer“, verfolgt sein Ingenieursblick aufmerksam, was nun an der Brücke geschieht. Kann der rote Kranwagen Marke „Manitou“ Zufall sein?