Sie bleibt trotz Corona optimistisch: Anne Ruellan - hier in einem früheren Frankreich-Urlaub - gibt Tipps, wie Betroffene die Erkrankung besser überstehen können.
Sie bleibt trotz Corona optimistisch: Anne Ruellan - hier in einem früheren Frankreich-Urlaub - gibt Tipps, wie Betroffene die Erkrankung besser überstehen können. | Foto: Foto: Yves Ruellan

Trotz Covid-19 optimistisch

Am Coronavirus erkrankte Ärztin aus Karlsruhe: „Wir sprechen viel darüber, was mit uns gerade passiert“

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Tief einatmen, ausatmen. Anne Ruellan macht das mehrmals täglich auf dem Balkon. Die angegriffene Lunge von Schleim befreien, viel trinken und in der Dreizimmerwohnung möglichst in Bewegung bleiben – so kämpft die 52-jährige Ärztin des Städtischen Klinikums Karlsruhe gerade gemeinsam mit ihrer Familie gegen das Coronavirus, das sie vermutlich noch mindestens eine Woche lang schwächen wird.

„Natürlich habe ich Angst. Aber es ist mir wichtig, optimistisch zu bleiben“, sagte die Palliativmedizinerin den BNN am Telefon. Am vergangenen Mittwoch hatte sie die Covid-19-Symptome gespürt, seitdem blieb Ruellan zu Hause.

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Tags darauf war die Französin positiv getestet worden. Sie geht davon aus, dass auch ihr Ehemann und Sohn Corona haben: „Sie zeigen Symptome, die zum Glück nicht so stark sind.“ Getestet wurden die beiden nicht.

Sohn und Ehemann nicht auf Covid-19 getestet

Ruellan hat Verständnis für die Entscheidung des Gesundheitsamtes: „Es macht keinen Sinn. Die müssen ihre Ressourcen sparsam einsetzen, und uns bleibt ohnehin nur, zu Hause zu bleiben und abzuwarten.“ Das Warten unter strikter häuslicher Quarantäne findet sie nicht belastend: Denn ihre Familie und Freunde würden sie seelisch sehr unterstützen.

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„Die Stimmung wird jeden Tag entspannter. Wir sprechen viel, ruhig und vernünftig darüber, was mit uns gerade passiert. Und die Nachbarn sind eine große Hilfe, sie kaufen für uns ein und haben neulich sogar Eierspätzle für uns gekocht.“

Dabei macht sie sich gerade große Sorgen um ihre Eltern in Frankreich und besteht darauf, dass diese lieber nicht selbst einkaufen gehen: „Ein Freund der Familie kümmert sich um deren Einkäufe.“

Hausbesuche bei Schwerkranken

Die Französin lebt seit 2001 in Deutschland und arbeitet seit acht Jahren in Karlsruhe. Beruflich muss Ruellan zur Betreuung von Schwerkranken Hausbesuche machen. Sie hat nach eigenen Worten auch in den vergangenen Wochen besonders penibel auf bestmögliche Hygiene geachtet. Wo sie sich infiziert haben könnte, weiß die Medizinerin nicht.

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Ruellan hat nach eigenen Worten eher ungewöhnliche Symptome – leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Abgenommen habe sie auch. „Gestern hatte ich Schmerzen an Lymphknoten; der Geruchssinn und Geschmack gehen verloren und kommen wieder.“ Ruellan möchte anderen Leidensgenossen in einer ähnlichen Lage helfen. Ihr erster Tipp: „Denken Sie positiv.“

Atemübungen sind bei Coronavirus-Erkrankung nützlich

Aus eigener Erfahrung hält die Französin es für wichtig, das Sekret aus der Lungen oder Bronchien abzuhusten, um eine Lungenentzündung möglichst vorzubeugen. Und Atemübungen zu machen: „Zu Hause kann man mehrmals täglich im Liegen, aber besser im Sitzen durch die Nase einatmen und durch die locker aufeinander liegenden Lippen langsam ausatmen. Diese Übung dreimal wiederholen, dann ist Pause.“ Es helfe, frische und nicht zu trockene Luft in der Wohnung zu haben.

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Auch wenn man müde ist, immer wieder aufstehen und sich kurz bewegen. Reichlich Wasser oder Tee trinken, aber lieber keinen Alkohol, um den Körper nicht zu schwächen. Oft lachen und singen, wenn man die Nachbarn damit nicht belästigt. Und schließlich: mit dem Rauchen aufhören. „Hätte ich geraucht, wäre es jetzt heftig gewesen“, ist sie überzeugt.

Bitte bleibt nach Möglichkeit zu Hause!

Anne Ruellan, Ärztin

Anne Ruellan hält aus der Ferne Kontakt zu ihren Kollegen in Karlsruher Kliniken. „Sie arbeiten gerade unter viel Druck“, erzählt sie. „Sie sind aber gut vorbereitet auf die Dinge, die auf uns zukommen.“ Die Französin möchte nach der Quarantäne so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen. Ihr wichtigster Appell an alle: „Bitte bleibt nach Möglichkeit zu Hause!“