Rathausuhr
ABGELAUFEN UND STILLGESTANDEN auf der Zwölf oder auf der Nuller-Position – wie man’s nimmt. Auf jeden Fall braucht die Stadt viel Zeit, bis ihre Turmuhr wieder läuft. | Foto: jodo

Turmuhr ging in Ruhestand

Am Karlsruher Rathaus steht die Zeit still

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In Karlsruhe steht die Zeit still, zumindest am Rathaus. Die Zeiger auf den vier Zifferblättern an jeder Turmseite schreiten nicht mehr voran. Ausgerechnet bei „Zwölf Uhr mittags“ sind sie eingerastet.

Dabei herrscht in der sonst immer auf Fortschrittspropaganda und Geschäftigkeit ausgerichteten Machtzentrale der Fächerstadt in diesen Tagen noch alles andere als High-Noon-Alarm.

Ruhe geht vorbei

Doch am Montag nach Dreikönig endet auch für die Stadtpolitiker die Ruhe der weihnachtlich-silvestrigen Zeit zwischen den Jahren. Dann wird wieder begutachtet und beraten, debattiert und gestritten, entschieden und verschoben – bis in mancher Beziehung längst die Zeit abgelaufen ist.

Stunde Null für die Turmuhrpolitik

Was eigentlich die Stunde geschlagen hat, aber muss die Stadtpolitiker nicht aufschrecken. Für ihre Turmuhrpolitik stehen doch die Vorzeiger anscheinend unverrückbar gut: In alle vier Himmelsrichtungen herrscht über dem Rathausdach eben vorerst weiter die Stunde Null.

Langer Stillstand

Übrigens ist dieser Stillstand des Uhrwerks nicht vom Oberbürgermeister für eine stille Zeit um den Jahreswechsel als bewusstes Ruhezeichen über dem Marktplatz verordnet worden. Nein, am Rathausturm dreht sich doch schon seit Mitte November nichts mehr – und daran wird sich trotz Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte durch Frank Mentrup nach der Weihnachtspause auch nichts ändern.

Es wird Februar

„Es wird Februar werden, bis die Uhr wieder läuft“, berichtet Frank Leyerle, Vizechef des Karlsruher Hauptamts. Auf einen Schlag setzte das Uhrwerk aus. Die Untersuchung des Mechanismus offenbarte einen großen Schaden auch an der Steuereinheit für die vierblättrige Turmuhr.

Kuckuck-Spezialist repariert Turmuhr

Inzwischen sei der Reparaturauftrag an einen ausgewiesenen Fachbetrieb „für die aufwendige Arbeit“ rausgegangen, bestätigt Leyerle. Eine Uhrenfirma in Schonach im Schwarzwald, weltbekannter Fabrikant von Kuckuckuhren, wird die Zeitrechnung am Karlsruher Rathaus wieder in Unruhe versetzen.

Zeiger auf Ruhestand

Übrigens kommt der Ruhestand der Rathausturmuhr nicht überraschend. Immerhin hat das Nachkriegsmodell, das im April 1953 mit dem Wiederaubau des 1944 durch Bomben zerstörten Rathauses mit 65 Jahren im Uhrzeigersinn loslief, auch nach deutschem Rentenrecht seine Umlaufzeit beendet.

Riesenrad und Kuckucksuhr

Dabei ist es OB Mentrup und den kommunalen Unterhaltungsstrategen gelungen, die Phase ohne städtische Zeitanzeige am Marktplatz zu überbrücken. Das Rathaus hat das kurze Asphalt-Provisorium nach der U-Strab-Baustelle und vor dem großen Pflastern um die Pyramide für den Zeitvertreib der Bürger in der guten Stube der Fächerstadt gleich zweifach genutzt: Zum einen wurde die bewährte Erfolgsformel „Kommt Zeit, kommt Rad“ in Karlsruhe neu erfunden.

Riesenrad und Uhr
IM KREIS dreht sich wenigstens bis Dreikönig das Riesenrad, wenn die Turmuhr schon ihren Geist aufgegeben hat. | Foto: jodo

Zur Verstärkung des Adventsrummels dreht sich seitdem ein Riesenrad mitten auf dem Marktplatz. Hat doch der OB die Laufzeit dieser Jahrmarktattraktion gleich noch auf die ganze Weihnachtszeit einschließlich Dreikönig ausgedehnt.

Kuckuck, kuckuck, ruft’s aus dem Turm?

Zum anderen erfreute die Budenburg „Lichtweihnacht“ um die Pyramide die Bummler aus nah und fern mit einer gigantischen Kuckucksuhr, die auch noch zur vollen Stunde das Badnerlied schmetterte. Bleibt die offene Frage zur Zukunft der Zeitrechnung am Karlsruher Rathaus: Wird der Uhrmacher aus dem Schwarzwald den Stadtverwaltern auch einen Kuckuck in den Turm setzen?