An der Hochschule Karlsruhe wird Radverkehr bald Studienfach.
An der Hochschule Karlsruhe wird Radverkehr bald Studienfach. | Foto: jodo

Stiftungsprofessur vom Bund

An der Hochschule Karlsruhe wird Radverkehr bald zum Studienfach

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An der Hochschule Karlsruhe wird Radverkehrsplanung Studienfach. Die Wissenschaftseinrichtung an der Moltkestraße erhielt eine der sieben Stiftungsprofessuren, die das Bundesverkehrsministerium zur Erforschung des Radverkehrs vergab. Fünf Jahre lang wird die Professur vom Bund gefördert. Danach will die Hochschule die Stelle selbst finanzieren. 

Mit den Auswirkungen des Wetters auf den Fahrradverkehr hat sich Jochen Eckart bereits wissenschaftlich auseinandergesetzt. „Wenn es morgens stark regnet, lassen viele Radfahrer ihr Zweirad zuhause stehen“, sagt der Verkehrsökologie-Professor der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.

Setzen Niederschläge erst mittags ein, habe das dagegen nur marginale Auswirkungen auf den Radverkehr. Wie Radpendler bei Extremereignissen wie dem Sturmtief „Sabine“ reagieren, darüber hat er jedoch noch keine Erkenntnisse. „Es gibt auf jeden Fall Leute, die bei jedem Wetter aufs Rad steigen. Für eine präzisere Beschäftigung mit dem Thema haben uns bisher aber die Kapazitäten gefehlt“, sagt Eckart.

Es gibt auf jeden Fall Leute, die bei jedem Wetter aufs Rad steigen. Für eine präzisere Beschäftigung mit dem Thema haben uns bisher aber die Kapazitäten gefehlt.

Jochen Eckart, Verkehrsökologie-Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Karlsruhe

Das könnte sich ändern, denn an der Hochschule wird es bald einen Studiengang zur Radverkehrsforschung geben. Als eine vom sieben Wissenschaftsschmieden in Deutschland erhielt die Hochschule eine Stiftungsprofessur des Bundesverkehrsministeriums.

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Professur wird ausgeschrieben

Nun wird die Professur ausgeschrieben. Falls sich in absehbarer Zeit ein geeigneter Kandidat findet, soll bereits im kommenden Wintersemester ein Masterstudiengang für den Radverkehr angeboten werden. Außerdem sind der Aufbau eines Radfahrinstituts und Weiterbildungsangebote für Radverkehrsplaner in den Kommunalverwaltungen geplant.

„Bei der Radverkehrsplanung fehlt es derzeit noch an den wissenschaftlichen Grundlagen“, nennt Eckart einen Grund für die Stiftungsprofessur, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Hupfer beantragt hat.

Bei der Radverkehrsplanung fehlt es derzeit noch an den wissenschaftlichen Grundlagen.

Jochen Eckart

Selbst in Karlsruhe, laut dem Fahrradklimatest des ADFC die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, ist die angestrebte dauerhafte Erhöhung des Radverkehrs derzeit ins Stocken geraten.

„Hier fahren bereits 25 Prozent der Verkehrsteilnehmer mit dem Rad. Die wichtige Frage ist deshalb, wie man die nächsten 25 Prozent zum Umsteigen motivieren kann“, betont Eckart.

Hochschule forscht seit vielen Jahren zum Thema Radverkehr

Neu ist das Thema an der Hochschule nicht. Bereits in den vergangenen Jahren initiierten Eckart und Hupfer dazu zahlreiche Forschungsprojekte.

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Die Entwicklung eines Sensor-Rades gehörte ebenso zu den Leuchtturmprojekten wie die Vortragsreihe „Radverkehr als Baustein nachhaltiger Mobilität“ im Sommersemester 2019.

Von der Stiftungsprofessur erhoffen sich Eckart und Hupfer neue Impulse aus Theorie und Praxis. „Wenn jemand hier frischen Wind hereinbringt, erzeugt das schnell eine Aufbruchsstimmung“, sagt Eckart. Gemeinsam mit den Experten vor Ort könne das Institut dann mit Leben gefüllt werden.

Verkehrsplaner sollen in Rolle der Radfahrer schlüpfen

Nachholbedarf herrscht nach Eckarts Einschätzung vor allem beim Auf- und Ausbau der Infrastruktur. Hier müssten sich Verkehrsplaner künftig verstärkt in die Rolle der Radfahrer hineinversetzen und die Erhöhung des Fahrkomforts im Visier haben.

Bislang kamen Innovationen fast ausschließlich von den Herstellern oder kleineren Unternehmen.

Eckart hofft auf mehr Impulse aus der Wissenschaft etwa zur Verfeinerung von Bremsen und Schaltungen

Die Oberflächenbeschaffenheit von Radwegen könne nämlich ebenso positive Auswirkungen haben wie grüne Wellen für den Radverkehr. Und während das Fahrrad in Ballungsräumen bereits ein weit verbreitetes Verkehrsmittel ist, sind Radpendler auf dem Land relativ wenige Überzeugungstäter.

Bei der technischen Weiterentwicklung des Fahrrads sieht Eckart ebenfalls genügend Spielraum für Forschungsprojekte. „Bislang kamen Innovationen fast ausschließlich von den Herstellern oder kleineren Unternehmen“, sagt Eckart. Durch Impulse aus der Wissenschaft könnten Bremsen, Schaltungen und elektrische Hilfsantriebe künftig verfeinert werden.