Heftiger Andrang herrscht bei der Wertstoff-Station in der Nordbeckenstraße.
Heftiger Andrang herrscht bei der Wertstoff-Station in der Nordbeckenstraße. | Foto: jodo

Andrang nach Corona-Pause

An Karlsruher Wertstoffstationen gibt es Wartezeiten bis zu 90 Minuten

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Zum Schutz vor Corona ist der Zugang zu den Wertstoffhöfen in Karlsruhe reglementiert. Weil zudem infolge von Kurzarbeit und Homeoffice viele Karlsruher zuhause renovieren und Wirte während der Zwangs-Schließung ihre Lokale in Schuss bringen, ist der Andrang um fast ein Drittel gestiegen.

Die Autoschlange ist nicht von schlechten Eltern: Auf einer Länge von mehr als 100 Metern reihen sich Personenwagen, Kleinlaster, Kombis und Anhänger auf der Nordbeckenstraße in Fahrtrichtung Osten wie die Perlen auf der Schnur.

Den Beginn des Staus markiert die Zufahrt zur städtischen Wertstoff-Station. Dort sitzen zwei Mitarbeiter des Amts für Abfallwirtschaft in orange leuchtender Livree und regeln die Zufahrt. Blockabfertigung wie am Gotthard-Tunnel zur Hauptreisezeit.

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Karlsruher sind entsetzt über lange Wartezeit zum Entsorgen

Renate Kröger ist entsetzt über den Andrang. Sie kommt mit ihrem Familienvan aus Durlach und hat sich auf der Nordbeckenstraße nach links in Richtung Wertstoffhof eingeordnet. Im Kofferraum hat sie ein Dutzend morscher Holzpaneele von der heimischen Terrasse. Beim Wertstoffhof in der Maybachstraße hat man die Annahme verweigert, berichtet sie.

Nur unbehandeltes Holz werde dort akzeptiert. „Die Warteschlange ist dort hinten“, ruft jetzt einer der Bediensteten in der Nordbeckenstraße und macht eine ausladende Handbewegung in Gegenrichtung. 20 Autofahrer sind jetzt vor Renate Kröger an der Reihe.

Großer Andrang an Wertstoffhöfen schon seit Wochen

Warum nur herrscht hier ein so gigantischer Andrang? „Das ist schon seit Wochen so“, weiß der vor ihr wartende Handwerker. Mit seinem Pritschenwagen ist der Trockenbauer regelmäßig hier, um Bauschutt zu entsorgen. Mehrere Faktoren macht er für den dicken Stau verantwortlich: Wegen Corona müsse der Zugang zum Gelände reglementiert werden, damit die Hygiene-Vorgaben eingehalten werden.

Hinzu komme, so die Beobachtung des Mannes, dass nicht wenige Karlsruher die Kurzarbeits-Zwangspause zum Renovieren nutzten – und zwar nicht bloß in den heimischen vier Wänden, sondern auch in Cafés und Restaurants. „Die Leute haben Zeit, und viele entrümpeln“, lautet die Einschätzung eines der Müllwerker auf dem Gelände.

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Laut Stadt Karlsruhe 30 Prozent höherer Andrang

Und im Übrigen: Die Baumärkte waren von den Schließungen bislang nicht betroffen. Zumindest deckt sich der Eindruck eines erhöhten Verkehrs- und Müll-Aufkommens mit den Erhebungen des Abfallwirtschafts-Amts: „Die Anlieferungen an den Wertstoff-Stationen sind in den vergangenen Wochen um rund 30 Prozent gestiegen“, teilt Tabea Rueß vom Presse- und Informationsamt der Stadtverwaltung auf Anfrage mit.

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Mit bis zu eineinhalb Stunden Wartezeit müssen die Bürger demnach gegenwärtig rechnen – schließlich sei die Zahl der Personen, die sich zeitgleich in den Stationen aufhalten dürfen, begrenzt, wie sie bestätigt.

Lage an manchen Karlsruher Wertstoffhöfen ist entspannter

Während in der Nordbeckenstraße der Andrang vor allem an den Vormittagen schon seit Wochen gewaltig ist, ging die Anlieferung beispielsweise in der Maybachstraße zumindest am Donnerstagmorgen vergleichsweise zügig vonstatten. Grünschnitt, Kühlschränke, Altkleider oder Styropor – weit vor der Zufahrt zum eigentlichen Gelände gibt eine Mitarbeiterin des Abfallwirtschafts-Amts bei geringem Andrang grünes Licht.

Das Problem hier und an weiteren Stationen ist jedoch: Nicht alle Arten von Abfällen können dort entsorgt werden: Alt-Fenster und imprägniertes oder gestrichenes Holz beispielsweise werden ausschließlich in der Nordbeckenstraße angenommen.

Stadt Karlsruhe spricht von „reibungslosem Ablauf“

Nach offizieller Darstellung der Stadt gewährleistet das Amt für Abfallwirtschaft „den reibungslosen Ablauf“ an den stationären Anlagen, indem man zusätzliches Personal einsetzt, um den Verkehr zu lenken und Mindestabstände sicherzustellen.

Unterm Strich habe man dadurch einen erhöhten Verwaltungsaufwand. Das mit dem „reibungslosen Ablauf“ würde Wertstoffhof-Kundin Renate Kröger auf keinen Fall unterschreiben. „So lange warten musste ich hier noch nie.“