Jony Gartner (links) und Andy Din haben die große Black-lives-matter-Demo vor dem Schloss in Karlsruhe Anfang Juni organisiert.
Jony Gartner (links) und Andy Din haben die große Black-lives-matter-Demo vor dem Schloss in Karlsruhe Anfang Juni organisiert. | Foto: Rake Hora

„Blacklivesmatter“- Bewegung

Andy Din und Jony Gartner setzen sich gegen Rassismus ein und planen Demo in Karlsruhe

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Der Tod von George Floyd in den USA und die Protestbewegung „Black Lives Matter“ haben auch in Deutschland eine Debatte um Rassismus entfacht. Anfang Juni fanden in Karlsruhe vor dem Schloss und auf dem Friedrichsplatz zwei friedliche Demonstrationen mit insgesamt über 4.000 Menschen statt. Gerechnet hatten Andy Din und Jony Gartner, die Organisatoren der Demo am Schloss, mit 200 Teilnehmern. Im Interview erklären sie, wie sie sich weiter engagieren wollen und was sie sich von der aktuellen Diskussion erhoffen.

Wie haben Sie die große Demonstration am Schloss organisiert?

Gartner: Wir haben uns darüber ausgetauscht, was man gegen Rassismus tun kann und sind auf die Silent Demos gestoßen. Nur ein kleiner Kreis wusste davon. Etwa eine Woche vor der Demo haben wir angefangen, Werbung über die sozialen Netzwerke zu machen. Aber die Idee, etwas gegen Rassismus zu tun, gab es schon vor George Floyd und unabhängig davon.

Die Leute sind auf alle Fälle wacher geworden.

Jony Gartner, Organisator

Was ist seit der Demo am 6. Juni passiert?

Gartner: Es gab viele positive Rückmeldungen über Social Media. Die Leute fragen, wie sie helfen können, und was als nächstes stattfindet. Die Leute sind auf alle Fälle wacher geworden. Es ist ein Weckruf, wie ernst die Lage in Deutschland wirklich ist.

Din: Es ist wichtig, dass die Leute die Debatte nicht nur als Hype sehen, sondern als Aufgabe, sich ständig damit zu beschäftigen.

Nächste Demo soll wieder vor Karlsruher Schloss stattfinden

Was ist als nächstes geplant?

Gartner: Die Planungen für die nächste Demo laufen. Die soll wieder vor dem Schloss stattfinden. Im Moment sind wir im Gespräch mit der Stadt Karlsruhe wegen eines Termins. Wir würden gerne kulturelle Veranstaltungen machen mit afrikanischer und schwarzer Kultur. Wegen Corona ist das im Moment aber eher schwierig.

Wie haben Sie selbst schon Rassismus erlebt?

Gartner: Der begleitet einen ständig.

Din: Ich wurde bei Polizeikontrollen meistens auf Drogen kontrolliert, meine weißen Freunde nicht. Dabei blieb es. Ich bin ruhig geblieben und die Polizisten sind ruhig geblieben. Sie haben erklärt, warum sie das machen. Einmal haben sie ein Buch in meiner Tasche gefunden und mich gefragt: Was machst du damit? Da habe ich gesagt: mein Abi!

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Habt ihr Gewalt erlebt?

Din: Nein. Wir haben nicht diese Polizeigewalt wie in den USA. Was in Stuttgart passiert ist, ist einfach nur schwachsinnig. Das hat auch mit „Black Lives Matter“ nichts zu tun. Wir sprechen uns frei von Gewalt.

Haben Sie Kontakt zu Schwarzen in den USA?

Gartner: Ja, die Situation dort ist echt schlimm. Man könnte meinen, es sollte ruhiger werden. Aber im Gegenteil: Es wird immer schlimmer. Viele Schwarze werden immer noch hart angegangen.

Was macht Sie an Rassismus besonders betroffen?

Din: Offenen Rassismus habe ich nur auf dem Fußballplatz erlebt, um mich aus der Fassung zu bringen oder aggressiv zu machen. Da hört man dann „Bananenbieger“ oder „Zurück in den Kongo“. Das kann ich aber eigentlich nicht ernst nehmen.

Gartner: Der versteckte Rassismus ist viel schlimmer.

Wenn Schwarze das N-Wort benutzen, entkräften Sie es

Das N-Wort ist also nicht so schlimm?

Din: Viele fragen, ob sie es sagen dürfen. Irgendwann sagst du ja, weil sie es nicht böse meinen. Aber das Wort ist falsch. Viele kennen den Hintergrund nicht. Es wurde zur Entwürdigung der Schwarzen als Menschen zweiter Klasse benutzt. Wenn wir Schwarze das Wort selbst benutzen, entkräften wir es, weil wir wieder die Macht über das Wort haben.

Gartner: Viele sagen, es ist ja nur ein Wort. Aber jetzt weiß man es besser. Man hat dazu gelernt.

Was unterscheidet den Rassismus gegenüber Schwarzen zu anderen Minderheiten?

Din: Muslime werden beispielsweise oft wegen ihrer Religion diskriminiert. Ein Kopftuch kann man theoretisch absetzen, aber bei uns sieht man es einfach. Wir müssen halt damit leben.

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Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

Din: Kurzfristig erleben wir einen Aufschwung. Langfristig müsste sich in der Politik was ändern wie Projekte, Gesetze, eine eigene Partei, mit der wir uns identifizieren können.

Gartner: Die Bildung müsste sich verändern. Es könnte zum Beispiel afrodeutsche Geschichte unterrichtet werden.

Zu den Personen

Jony Gartner ist 19 Jahre alt und lebt in Karlsbad. Er möchte im Oktober ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Englisch beginnen. Nach dem Abitur hat er sich eine Auszeit gegönnt und war auf Reisen.

Andy Din ist 22 Jahre alt, lebt in Karlsruhe und ist der Cousin von Jony Gartner. Er studiert in einem dualen Studiengang Sportmanagement in Düsseldorf, sein Ausbildungsbetrieb ist in Karlsruhe. In seiner Freizeit spielt er Fußball beim SC Wettersbach.