Die Bonifatiuskirche erhält durch das Bauprojekt Sophien-Carrée eine neue Umgebung. In neun Gebäuden sollen rund 100 Wohnungen entstehen. | Foto: Jörg Donecker

Zweite Infoveranstaltung

Anpassungen beim Bauprojekt Sophien-Carrée bleiben umstritten

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Es war ein von Anwohnern lange erwarteter Termin: Die Bauherren des Projekts „Sophien-Carrée“ in der Weststadt stellten den aktuellen Planungsstand im Gemeindezentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius vor.

Seit der ersten Bürgerinformation im November 2017 hat sich einiges bewegt rund um das Viereck zwischen Sophien-, Schiller-, Weinbrenner- und Körnerstraße. Anwohner liefen Sturm zur Bewahrung des Stadtgrüns, sammelten Unterschriften und rangen dem Oberbürgermeister das Versprechen ab, sich bei den Bauvorhabenträgern für ihre Belange stark zu machen.

Die drei Vorhabenträger, die katholische Seelsorgeeinheit Allerheiligen mit der Pfarrei St. Bonifatius, die Evangelische Stiftung Pflege (ESP) Schönau und das Autohaus Eberhardt, deren Grundstücke aneinanderstoßen, hatten im Oktober vergangenen Jahres drei aufeinander abgestimmte Bauvor-anfragen bei der Stadtverwaltung Karlsruhe eingereicht.

Keine Spekulationsobjekte

Der Anstoß für das gemeinsame Projekt der drei Träger sei von der Kirchengemeinde St. Bonifatius ausgegangen, erklärte Pfarrer Achim Zerrer. Über die Stadt sei der Kontakt zum Autohaus Eberhardt und der ESP Schönau zustande gekommen. Man wolle sowohl Wohnraum schaffen als auch ein gutes Stadtklima erhalten. Zerrer betonte, dass im Sophien-Carrée keine Eigentums-, sondern ausschließlich Mietwohnungen geschaffen würden. „Keine Spekulationsobjekte“, so der Pfarrer. Und das Interesse sei groß. „Wir könnten bereits jetzt ein Viertel der Wohnungen vermieten, wenn sie schon gebaut wären“, so Zerrer.

Kleinere Wohnhäuser im Sophien-Carrée

Entgegen der ursprünglichen Planung soll das bestehende Wohnhaus an der Weinbrennerstraße 12 auf dem Gelände der ESP Schönau nicht abgerissen und neu gebaut, sondern saniert werden. Zudem sind aktuell acht der neun neu zu bauenden Wohnhäuser nicht mehr vier-, sondern dreigeschossig mit einer Höhe von 12,5 Metern geplant – nur der Doppelbau zwischen Bonifatiuskirche und der Audi-Ausstellungshalle ist nach wie vor viergeschossig konzipiert.

Somit reduziert sich die Anzahl der Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen in diesen Gebäuden auf 100, gemeinsam mit dem neu zu bauenden Haus an der Sophienstraße sind aktuell also noch 130 statt der ursprünglichen 140 Wohnungen geplant.

Der Grad der Versiegelung nimmt nach Angaben der koordinierenden Firma Hoepfner BauInvest auf den drei Grundstücken insgesamt um rund 20 Prozent ab: Sind bisher 11 100 Quadratmeter Fläche versiegelt, so sollen es nach der Bauphase – in anderer Verteilung – nur noch 10 598 Quadratmeter sein. Zudem werde durch Baumneupflanzungen und Dachbegrünung eine Gesamtfläche von 8 278 Quadratmetern begrünt sein. Die auf dem Gesamtareal bestehenden 26 Bäume sollen durch insgesamt 29 neue Bäume ersetzt werden.

Sorgen um Wohnqualität

Trotz des Informations- und Gesprächsangebots äußerten viele Anwohner und Besitzer von Immobilien Bedenken gegen das Bauvorhaben. Was viele umtrieb, war der erwartete Lärm zunächst durch die Bauarbeiten und langfristig durch den Zufahrtsverkehr zu den Tiefgaragen, den Bring- und Abholverkehr bei der dann vergrößerten Kita, durch die Kinder selbst und durch Fahrradfahrer.

Eine Hausbesitzerin etwa erklärte, sie fürchte nicht nur Einbußen in ihrer persönlichen Wohnqualität, sondern auch geringere Einnahmen durch Mietminderung der übrigen Wohnungen im Haus. Andere Nachbarn sorgten sich um die Bäume auf ihren angrenzenden Grundstücken, die durch die Bauarbeiten beschädigt werden könnten.

Unverständnis herrschte bei manchem auch darüber, dass das zusammenhängende Grün auf dem Gelände der ESP Schönau nach wie vor durch die zwei geplanten Neubauten zerstört werden soll.

Es gab aber auch Kompromissvorschläge von Anwohnerseite: Man könne sich ja vielleicht darauf einigen, bei den Neupflanzungen auch Bäume auf die Grundstücksgrenzen zu setzen – so müssten keine Mindestabstände berücksichtigt werden, wodurch insgesamt mehr Bäume in dem Gesamtareal Platz hätten.

Baubeginn Ende 2020

Die drei Bauvorhabenträger planen, bis Frühjahr 2020 die Bauanträge einzureichen und dann schrittweise mit den Umbauarbeiten zu beginnen. Auf dem Grundstück der ESP Schönau sollen ab Ende 2020 die Bagger rollen, zuletzt soll die Fläche des Autohauses abgebrochen und neu gebaut werden.

Informationen stellen die Projektpartner auch unter www.sophien-carree.de zur Verfügung.