Ein Schönheitschirurg setzt das Skalpell an einer zuvor markierten Stelle am Augenlid einer Patientin an.
Insgesamt 4 369-mal strafften Chirurgen der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen im Jahr 2017 Oberlider. | Foto: dpa

Anti-Aging ist beliebt

Verjüngende Operationen und Botox-Behandlungen boomen

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Das Anti-Aging-Geschäft boomt. Um jünger auszusehen, greifen immer mehr Menschen nicht nur zu Cremes und Tinkturen, sondern lassen ihre Haut chirurgisch glätten. 2017 verdrängte erstmals die verjüngende Oberlidstraffung die Fettabsaugung von Platz eins der Rangliste der Schönheitsoperationen. Das geht aus den Zahlen der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) hervor.

Insgesamt 4 369-mal strafften die Chirurgen im Jahr 2017 Oberlider. Bei dieser Operation könne mit einem relativ kleinen Eingriff eine große Wirkung erzielt werden, erklärt der Präsident der VDÄPC, Dennis von Heimburg, die steigende Nachfrage. Durchschnittlich 1 710 Euro kostet eine solche Operation dem Infoportal myBody zufolge.

Männer verlieren langsam ihre Hemmungen vor Schönheitsoperationen

Nach wie vor ist die Mehrheit der Gäste eines ästhetischen Chirurgen weiblich, aber auch Männer kommen allmählich auf den Geschmack. „Die Männer verlieren langsam ihre Hemmungen vor Schönheitsoperationen und wollen vor allem im Job frischer aussehen“, erläutert Klaus Luttenberger, Plastischer Chirurg in Karlsruhe. Einer Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zufolge, für die 3 435 Patienten befragt wurden, waren knapp 18 Prozent der Patienten im Jahr 2017 männlich.

Haartransplantationen sind gefragt

Bei dieser Zielgruppe wird im Bereich „Anti-Aging“ nach der Oberlidstraffung die Haartransplantation am häufigsten nachgefragt. 327-mal führten die Ärzte der VDÄPC diese Operation bei Männern im Jahr 2017 durch. Sie kostet nach Zahlen von myBody aktuell durchschnittlich 4 710 Euro. Frauen interessieren sich in der Sparte „Anti-Aging“ eher für Bauch- und Bruststraffungen, berichtet Luttenberger. Beispielsweise nach Schwangerschaften oder einer radikalen Gewichtsabnahme wollten sie durch derartige Operationen wieder jünger aussehen.

So kann das Verlangen nach einem jüngeren Aussehen durchaus in unterschiedlichen Altersgruppen auftreten. Luttenberger grenzt aber etwas ein: „Ab einem Alter von etwa 40 Jahren fangen Menschen mit Anti-Aging-Behandlungen an. Jüngere lassen sich vor allem Brust und Nase machen.“ Der Plastische Chirurg Jürgen Reuss ergänzt: „Manche kommen schon im Alter von 30 Jahren prophylaktisch.“ Augenlidkorrekturen werden laut der Patientenbefragung der DGÄPC dagegen am häufigsten mit Anfang 50 vorgenommen.

Beliebte minimal-invasive Eingriffe

Neben den klassischen Schönheitsoperationen, die laut VDÄPC mit einem Anstieg um drei Prozent von 2016 auf 2017 sich nur moderat veränderten, boomt die Nachfrage nach minimal-invasiven Eingriffen.  Innerhalb eines Jahres stieg hier die Zahl der Behandlungen um 20 Prozent auf 38 526. In der Karlsruher Praxis von Jürgen Reuss sind es vor allem die Faltenglätter Botulinumtoxin, das unter dem Handelsnamen Botox bekannt ist, und Hyaluronsäure, die die Kunden in die Praxis treiben.

Botulinumtoxin wird häufiger injiziert als Hyaluronsäure

Der VDÄPC bestätigt dies, die Hälfte aller minimal-invasiven Eingriffe sind Behandlungen mit Botulinumtoxin. Mit 18 595 Eingriffen des VDÄPC war diese Anwendung die häufigste ästhetische Behandlung 2017. Danach folgt die Behandlung mit Hyaluronsäure mit 15 518.

Ein Arzt injiziert Botolinumtoxin.
Minimal-invasive Eingriffe wie etwa Injektionen zur Reduzierung von Mimikfalten werden bei Schönheitschirurgen vermehrt nachgefragt. | Foto: dpa

Laut DGÄPC wird mit den Injektionen schon früher begonnen als mit der Oberlidstraffung, die Patienten waren meist zwischen Mitte 40 und Mitte 50. Dafür ist die Behandlung um einiges günstiger. Aktuell kostet eine Faltenbehandlung durchschnittlich etwa 375 Euro. Demnach gibt es Injektionen mit Botulinumtoxin bereits ab 100 Euro, Eigenfett-Unterspritzungen können dagegen mit etwa 1 500 Euro zu Buche schlagen.

Schönheitsoperationen sind heutzutage nicht mehr einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung vorbehalten

Diese Preise haben Auswirkungen auf die Nachfrage. Die Ärzte profitieren, auch wenn sich Umsatzzahlen nicht konkretisieren lassen. „Schönheitsoperationen sind heutzutage nicht mehr einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung vorbehalten“, sagt Abad. So erklärt sie auch den generellen Anstieg der chirurgischen und minimal-invasiven Eingriffe in den letzten Jahren: „Die Menschen sind immer weniger bereit, sich mit Falten und anderen Alterserscheinungen abzufinden.“

Man kann sehr viel selbst tun

Luttenberger sieht als Grund der Zunahme auch die vielen ehemaligen Sonnenanbeter, deren Haut schneller alt aussieht. Und da es die Möglichkeiten zur Verjüngung gebe, werden sie auch genutzt. Wer dennoch eine Operation scheut, dem gibt Reuss Hoffnung: „Man kann sehr viel selbst tun, dazu gehört vor allem viel trinken, Sport treiben und genug schlafen.“