Eine kleine grüne Oase eröffnet sich von der Rückseite der Körnerstraße im Sophien-Carrée - doch sie muss wohl weichen. | Foto: Jörg Donecker

Kritik an Bauprojekt

Anwohner beim Sophien-Carrée fürchten um ihre grüne Oase

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Esther Witkind bangt um ihre grüne Oase. Ihre Wohnung in der Körnerstraße haben sie und ihr Mann vor rund 20 Jahren auch deshalb gekauft, weil der Balkon auf der Rückseite ihr einen Blick auf Hinterhöfe mit viel Grün eröffnet. Die Pläne, im so genannten Sophien-Carrée neue Wohnungen zu bauen, sieht sie kritisch: Durch den Bau von insgesamt neun Wohnhäusern auf den Grundstücken der drei Bauvorhabenträger  müssten die dort stehenden Bäume gefällt werden. „Wir haben hier sehr viele Insekten, Vögel, Eichhörnchen und sogar Fledermäuse“, erzählt Witkind. „Was sollen die mit einem begrünten Flachdach anfangen?“

Nach den Plänen der Bauvorhabenträger soll zwar die Fläche insgesamt zu 20 Prozent entsiegelt werden, doch das geschieht hauptsächlich auf dem Grundstück der Firma Eberhardt, die mit dem Audi-Autohaus den Standort wechseln wird. Im südlichen Bereich dagegen, da, wo die Witkinds jetzt noch auf hohe Fichten und Tannen schauen, sollen laut den bisherigen Plänen drei- bis viergeschossige Wohnhäuser das Grün verdrängen.

Wir fühlen uns vor vollendete Tatsachen gestellt

Bis die neu zu pflanzenden Bäume wieder diese Größe erreicht haben, könne es locker 30 Jahre dauern, meint Joachim Witkind. Zudem sei es gar nicht möglich, in so geringem Abstand zum Gebäude solch große Bäume wachsen zu lassen. „So, wie die Bäume auf dem Plan eingezeichnet sind, ist das gar nicht erlaubt“, sagt Esther Witkind.

Einen Balkon mit Blick ins Grüne nennen Esther und Joachim Witkind in der Körnerstraße ihr Eigen. Durch das Bauprojekt Sophien-Carrée sehen sie diese schöne Aussicht gefährdet. | Foto: Jörg Donecker

Die Weststadt-Bewohner sind verärgert, dass man sie so wenig in das Vorhaben eingebunden habe. „Die Bürgerinformation Ende November war eine reine Werbeveranstaltung“, sagt Joachim Witkind. Darüber hinaus gebe es kein Dialogangebot von Seiten der Bauvorhabenträger oder des städtischen Bauamts. „Wir fühlen uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Er befürchtet, dass die Bauherren den gesetzlichen Rahmen voll ausnutzen werden und noch höher bauen wollen, als bisher angegeben. Auch in der BNN-Redaktion meldeten sich seit November zahlreiche Anwohner, die das Projekt kritisch sehen.

Schlechteres Klima und höhere Mieten befürchtet

Das Klima im Viertel werde sich durch den Wegfall der Bäume verschlechtern, zudem befürchten die Anwohner mehr Lärm durch den vorgesehenen Einzelhandel in den jetzigen Verkaufsräumen des Autohauses, durch die größere Kita mit Platz für 120 Kinder – und durch die Tiefgaragen für die insgesamt 140 Wohnungen, die im Carrée künftig stehen sollen. „Wenn wir Pech haben, bekommen wir dann noch die Auto-Abgase ab“, sagt Joachim Witkind. Im gleichen Haus wohnen auch Florence Garijo-Hase und Margarete Hausmann. Auch sie hätten ihre Wohnungen vor allem wegen der schönen Aussicht gekauft, betonen sie.

Sie seien nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben, wünschten sich aber eine weniger dichte Bebauung. „Dass man in diesem schmalen Streifen so viele Wohnhäuser bauen will, ist nicht in Ordnung“, sagt Hausmann. Sie sorge sich außerdem um die Mieter in der Weinbrennerstraße 12. Wie berichtet, will die Evangelische Stiftung Pflege Schönau das Gebäude abreißen und neu errichten lassen. „Dort wohnen viele ältere Menschen. Sie haben zwar ein Vorrecht auf die neuen Wohnungen versprochen bekommen, aber die werden sie sich nicht leisten können“, sagt Esther Witkind. Sie fragt sich außerdem: „Wie kann die Stadt Karlsruhe so für den Klimaschutz werben, und dann aber alles zupflastern?“

Ihre grüne Oase, die in heißen Sommern für leichte Abkühlung sorgt, will sie nicht verlieren.