Apfelernte
Zu Beginn der Apfelernte in Baden-Württemberg rechnen die Obstbauern mit Verlusten gegenüber dem Rekordjahr 2018. | Foto:  Carmen Jaspersen/Archivbild

Erntezeit in der Region

Gute Vorzeichen für Weinlese – „Bauchweh“ vor der Apfelernte

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Beim Apfelanbau und beim Weinbau wird es in den kommenden Wochen ernst. Dann wird sich zeigen, wie die diesjährige Ernte ausgefallen ist. Während Winzer aus der Region zuversichtlich auf die beginnende Weinlese blicken, sieht es bei der Apfelernte düsterer aus.

„Der Wein sieht richtig gut aus“ so zitiert Anja Schuchardt , Mitarbeiterin im Staatsweingut Karlsruhe-Durlach den Betriebsleiter. Dieser hat am Morgen den sogenannten Oechsle-Wert der Trauben begutachtet, der die Zuckerkonzentration der Trauben angibt und damit Auskunft über den später möglichen Alkoholgehalt der Rot- und Weißweine geben kann. Den Ertrag vom vergangenen Jahr werde man zwar nicht toppen können, „weil 2018 einfach gigantisch war“, aber dennoch ist man sehr zufrieden in Karlsruhe-Durlach. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir richtig viel rein bekommen“, sagt Schuchardt. Wie viel das tatsächlich sein wird, wird sich ab kommender Woche zeigen. Dann beginnt die Weinlese beim Staatsweingut.

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„Es sieht gut aus in den Reben“

Die Haupt-Weinlese in Baden wird um den 20. September herum starten. Es sehe aber „gut aus  in den Reben“, zeigt sich Kilian Schneider, Präsident beim Badischen Weinbauverband mit Sitz in Freiburg, optimistisch. Man sei zwar trocken gestartet, im Frühjahr haben die Pflanzen dann aber doch noch genug Feuchtigkeit bekommen.  Probleme mit Pilzerkrankungen, die in der Vergangenheit schon zu dramatischen Ernteausfällen führten, gäbe es in diesem Jahr voraussichtlich nicht. Auch dafür ist die lange Trockenheit verantwortlich.

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„Bei den Äpfeln haben wir ein wenig Bauchweh“

Friedhelm und Petra Wenz betreiben einen Obsthof in Pfinztal. Der Apfelernte sehen sie dieses Jahr mit Bauchschmerzen entgegen. „Beim Streuobstanbau können wir in diesem Jahr vielleicht ein Drittel Ernte einfahren, wenn alles gut geht“, sagt Friedhelm Wenz. Beim Marktobstanbau sehe es nur ein wenig besser aus. Grund dafür sei der starke Frost 2017 und die darauffolgende starke Ernte im Jahr 2018. Dadurch befänden sich die Apfelbäume in diesem Jahr in Alternanz. Sie haben also weniger Blüten ausgebildet und tragen dadurch auch weniger Früchte.

Gute Ernte beim Steinobst erwartet

„Das war keine Überraschung, damit haben wir gerechnet“, sagt Wenz zwar. Nun müsse man allerdings schauen, wie man mit der Nachfrage zurechtkomme. In den vergangenen sechs Wochen habe es in Pfinztal immerhin noch „angenehme Niederschläge“ gegeben. „Die waren noch ein Segen“, so Wenz. „Aber bei den Äpfeln haben wir natürlich ein wenig Bauchweh, weil nicht die Menge kommt, die wir bräuchten, um gut durchzukommen.“ Eine sehr gute Ernte erwarte man dafür allerdings beim Steinobst.

Obstbauern in Baden-Württemberg rechnen mit Verlusten

Zu Beginn der Apfelernte in Baden-Württemberg rechnen die Obstbauern mit Verlusten gegenüber dem Rekordjahr 2018. Im Erwerbsobstbau werden in diesem Herbst rund 370 000 Tonnen Äpfel erwartet, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte. Das sind 20 Prozent weniger als in der vergangenen Saison, aber immer noch 11 Prozent mehr als der Durchschnitt aus den Jahren 2013 bis 2018. Hinzu kommen circa 150 000 Tonnen im Garten- und Streuobstanbau.

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Dabei sind die Prognosen der einzelnen Anbauer unterschiedlich. Teils gebe es sehr gute Aussichten, vielerorts seien sie hingegen verhalten – Trockenheit und der starken Behang von 2018 könnten sich negativ auswirken. Der erwerbsmäßige Apfelanbau verteilt sich im Südwesten auf eine Gesamtfläche von 12 000 Hektar. Den Großteil der Ernte machen die Sorten Elstar, Jonagold, Gala und Braeburn aus. In der Bodenseeregion, dem größten Apfelanbaugebiet im Land, beginnt die Ernte offiziell am 6. September. Erste Frühäpfel werden aber bereits gepflückt.

Staatliche Nothilfe an Landwirte

Nach der langen Dürre in vielen Regionen Deutschlands im vergangenen Jahr wurden bis Mitte August rund 4,6 Millionen Euro an staatlicher Nothilfe an die baden-württembergischen Landwirte ausgezahlt, der größte Teil davon aus Landesmitteln. Obstbauern konnten Fördermittel etwa für den Bau von Hagelnetzen beantragen. «Mit einer bewussten Kaufentscheidung für regionale Äpfel kann jeder seinen Beitrag zum Erhalt unserer einmaligen und wertvollen Kulturlandschaften leisten und unsere Obstproduzenten in unseren Anbaugebieten wie zum Beispiel Bodensee oder Mittelbaden unterstützen», sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU).

BNN/dpa-lsw