Tadao Ando baut in Karlsruhe
TADAO ANDO begeistert weltweit mit seiner Architektur. Der Japaner wirbt für einen Stil, der Ruhe schafft. | Foto: Franck Robichon

Projekt von Weisenburger

Architekturstar Ando baut in Karlsruhe

Anzeige

Tadao Ando baut in Karlsruhe. Was Baubürgermeister Michael Obert bestätigt, erfuhren die BNN aus sicheren Quellen. Der weltberühmte Stararchitekt entwirft das Großprojekt der Baufirma Weisenburger an der Ludwig-Erhard-Allee. Das Rastatter Unternehmen plant, seine Zentrale an den Karlsruher Einfahrtsboulevard zu verlegen. Mit dem so preisgekrönten wie umstrittenen Japaner ist dem badischen Unternehmen und damit auch der Stadt Karlsruhe das lange als Geheimnis gehütete Engagement eines Weltstars der Architekturmoderne gelungen.

Größter Wurf seit Versuch mit dem Würfel

Seit dem Niederländer Rem Koolhaas vor 27 Jahren, dessen 60 Meter hoher ZKM-Würfel dann aus Kostengründen doch nicht hinter dem Hauptbahnhof verwirklicht wurde, hat Karlsruhe wohl keinen Architekten von solchem internationalen Ruf gewinnen können. Mit einem Gebäude von Ando kann Karlsruhe mehr als mit jedem anderen Bauprojekt der vergangenen 25 Jahre in die Architekturgeschichte eingehen. Er verspricht mehr internationale Reputation als der Katzenkindergarten des Tomi Ungerer in Wolfartsweier oder die Badische Landesbibliothek von Oswald Maria Ungers an der Erbprinzenstraße.

AM Erhardboulevard wird ein Bau von Tadao Ando die Baulücke füllen.
DER BAUPLATZ für die Weisenburger-Zentrale von Tadao Ando liegt auf der Nordseite der Ludwig-Erhard-Allee. Bis 2020 wird das Stadtentree auch auf dieser Seite gefasst und die Lücke zur Lohfeldsiedlung der Oststadt geschlossen. | Foto: jodo

Zudem setzt Ando einen neuen Akzent am Erhardboulevard, der Boom-Avenue der Fächerstadt. Dort beherrschen bislang die vier Riegelbauten wie Park Office und Park Tower sowie die zwei eigenwilligen Bankhäuser die Szene.

 

Ando ohne Konkurrenz

Nach BNN-Informationen hat sich ein Ausschuss des Gemeinderats bereits wohlwollend mit dem Weisenburger-Projekt beschäftigt. Überhaupt sieht man bei Tadao Ando davon ab, die sonst übliche Mehrfachbeauftragung, also einen Architektenwettbewerb, für ein städtebaulich wichtiges Neubauprojekt vom Bauherrn zu fordern.

Weisenburger schweigt noch

Versuche, die Firma Weisenburger gestern für eine Stellungnahme zu ihrem Ando-Projekt zu gewinnen, scheiterten. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, an dem wir mit Informationen rauskommen“, sagte Geschäftsführer Nicolai Weisenburger. Erst Anfang 2017 will das Unternehmen von sich aus sein großes Vorhaben der Öffentlichkeit präsentieren.

Boomende Baufirma

Weisenburger Bau ist ein mittelständischer Generalunternehmer im Südwesten der besonders im Wohnungsbau Projekte entwickelt und realisiert. Die 1955 gegründete Firma hat 300 Mitarbeiter und errichtet nach eigenen Angaben jährlich 1 600 Wohneinheiten und 500 Reihenhäuser. Das Geschäftsvolumen betrug 2015 240 Millionen Euro. In Karlsruhe Südost hat Weisenburger beispielsweise 1 100 Wohneinheiten hochgezogen.

Es gibt noch keinen Bauantrag

„Es gibt noch keinen Bauantrag von Weisenburger, aber die Vorbereitungen dazu laufen“, erklärt Obert. „Wir haben erste Entwürfe gesehen“, sagt er. Obert sieht daraus ein „sehr qualitätsvolles Gebäude“ entstehen. „Es steht Karlsruhe sehr gut an, einen solchen Architekten in unseren Mauern zu wissen“, meint Obert. Man müsse dabei der Firma Weisenburger für ihr außergewöhnliches Engagement danken.

Anods Bauten zeichnen sich durch ihre kon sequente Schlöichtheit aus
EIN ECHTER ANDO ist der Bau der Langenfeld-Foundation in Neuss. Das in die Natur
eingebettete Museum zeigt japanische Kunst.
| Foto: dpa/lnw

Ando arbeitet persönlich an den Plänen

Weisenburger sei mit der Stadt derzeit ständig im Gespräch über Andos Entwurf. „Dabei werden Pläne vorgelegt“, bestätigt Obert. Bei den Abstimmungen gehe es darum, wie Andos Werk in den Bebauungsplan passe und welche Befreiungen möglich seien. „Ando arbeitet persönlich an den Plänen“, versichert der Baudezernent.

Autodidakt  lehrt in Harvard

Der japanische Stararchitekt wurde vor 75 Jahren bei Osaka geboren. Unter anderem erhielt er den Pritzker-Preis, die wohl wichtigste Auszeichnung für Architekten. Der Autodidakt hat nie Architektur studiert. Ando wuchs bei seiner Großmutter auf und wurde Profiboxer. Er unterrichtete an Universitäten in USA wie Yale und Harvard. Er vertritt einen Ökokurs, der den Mensch und seine Werke in Einklang mit der Natur bringen will.
Als Markenzeichen des Architekten Ando gilt der Minimalismus. Er versucht, asketische Prinzipien in Architektur umzusetzen sowie japanische Tradition und globale Moderne zur Selbstfindung zu verbinden.