Europameister am Grill sind die Deutschen. Viele wissen allerdings nicht, woher die verfeuerte Holzkohle kommt. Vielfach enthält sie auch Tropenholz.
Europameister am Grill sind die Deutschen. Viele wissen allerdings nicht, woher die verfeuerte Holzkohle kommt. Vielfach enthält sie auch Tropenholz. | Foto: dpa

Woher kommt die Holzkohle?

Arglose Grill-Fans verfeuern Tropenholz

Elektro- oder Kohlegrill? Das ist eine Glaubensfrage, vor allem im Sommer, denn Sommer ist Grillzeit. Wer auf das typische Raucharoma bei Fleisch, Fisch oder Gemüse vom Rost großen Wert legt, wird um den Kohlegrill kaum herumkommen. Aber wo kommt eigentlich die Holzkohle her, die im Land verfeuert wird?

Pro Jahr werden rund 20000 Tonnen Holzkohle nach Baden-Württemberg importiert

Knapp 20 000 Tonnen wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts im Jahr 2016 in den Südwesten importiert – vor allem aus Nigeria (knapp 3 720 Tonnen und 18,7 Prozent Marktanteil), gefolgt von Polen (3 446 Tonnen), Frankreich (3 324 Tonnen) und der Ukraine (3 162 Tonnen). Aus diesen vier Herkunftsländern stammte knapp 70 Prozent der Holzkohleeinfuhr. Wie ist es um die Ökobilanz von Grillkohle bestellt?

Wie steht es mit der Ökobilanz?

Diese Frage rief die FDP-Landtagsabgeordneten Klaus Hoher (Salem) und Friedrich Bullinger (Schwäbisch Hall) auf den Plan. Da Deutschland mit jährlich an die 250 000 Tonnen eines der Hauptabnehmerländer von Grillkohle sei, habe es auch eine besondere globale Verantwortung, begründeten die beiden Landtagsabgeordneten ihre Kleine Anfrage an den Landtag von Baden-Württemberg.

Rohstoffgewinnung, Herstellung und die zum Teil langen Transportwege würden bei entsprechenden Produkten die Frage nach der Ökobilanz aufwerfen. Verfeuert wurde die Menge freilich nicht allein in Grills, heißt es aus dem auch für den Verbraucherschutz zuständigen baden-württembergischen Agrarministerium. Holzkohle werde auch anderweitig verwendet, zum Beispiel als Filter.

Holzkohle aus Bambus kommt nahezu ausschließlich aus China

Der Hinweis auf zum Teil lange Transportwege ist allerdings wirklich nicht weit hergeholt. Schließlich stehen auf der Liste der im wesentlichen zwölf Herkunftsländer neben den vier Hauptlieferanten auch noch Länder wie Indonesien (835 Tonnen), Paraguay (847 Tonnen), Südafrika (817 Tonnen), Zypern (922 Tonnen), Namibia (244 Tonnen) und Argentinien (435 Tonnen). Völlig anders sieht die Statistik bei der Einfuhr von Holzkohle aus Bambus aus: Die Gesamtmenge von 3 054 Tonnen im Jahr 2016 kam nahezu ausschließlich aus China – das waren 99 Prozent.

Der größte Importeur von Grillholzkohle für Baden-Württemberg ist Nigeria.
Der größte Importeur von Grillholzkohle für Baden-Württemberg ist Nigeria. | Foto: dpa

Grillfreunde, die Wert darauf legen, dass ihre Holzkohle aus einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung stammt, sollten auf die Siegel FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) achten, empfiehlt das von Peter Hauk (CDU) geführte Agrarministerium in Stuttgart.

Die Siegel FSC und PEFC

Ziel des FSC sei eine umweltfreundliche, sozialförderliche und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung von Wäldern. PEFC habe eine weltweit nachhaltige Forstwirtschaft zum Ziel. Die Umweltorganisation BUND rät, beim Kauf von Holzkohle auf jeden Fall genau hinzuschauen, denn noch immer würden tropische oder subtropische Wälder für das Geschäft mit der Holzkohle gerodet.

BUND empfiehlt: Beim Kauf genau hinschauen

Nach Deutschland würden Jahr für Jahr „gewaltige Mengen“ Holzkohle aus aller Welt geliefert, vor allem aus Polen, Paraguay und Nigeria. Vorsicht sei geboten, wenn die Herkunft des Holzes auf der Verpackung nicht genau angegeben ist. Sehr wahrscheinlich stecke dann Tropenholz drin.

Thünen-Institut: Tropenholz oft beigemischt oder nicht angegeben

Das bestätigte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag. Demnach habe das bundeseigene Thünen-Institut in Hamburg im vergangenen Jahr 1 590 Holzkohle-Proben untersucht. Fast jede Dritte sei hinsichtlich der Deklaration zur Holzherkunft als kritisch bewertet worden. Manche der geprüften Chargen habe gänzlich aus Tropenholz bestanden, ohne dass es angegeben worden sei. Andere Proben hätten beigemischte Tropenhölzer enthalten, obwohl sie lauft Angaben „aus heimischen Laubhölzern“ hergestellt worden seien.

Bedenklich hohe Anteile an Tropenholz

Diesen Trend bestätigte jetzt eine aktuelle Marktanalyse des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und des World Wide Fund for Nature (WWF), die am späten Montagabend in der ARD ausgestrahlt wurde. Demnach enthalte in Deutschland verkaufte Grillkohlle „bedenklich hohe Anteile an Tropenholz und Holz aus geschützten osteuropäischen Urwäldern“.

Forscher fanden auch Tropenholz in Proben mit Öko-Siegel

Das Thünen-Institut untersuchte 36 Grillkohlen aus Baumärkten, Tankstellen, Supermärkten und von Discountern. 42 Prozent der getesteten Produkte hätten Tropenholz-Anteile enthalten, 61 Prozent seien hochrisikobehaftet, weil sie aus Regionen mit umfangreichem illegalen Holzeinschlag stammen. Die Forscher fanden sogar Tropenholz in Proben, die mit den Öko-Siegeln FSC oder PEFC versehen waren.

Regelungslücke in Holzhandelsverordnung

Fazit der Recherchen: Die Deutschen tragen – meist ohne es zu wissen – als Europameister der Kohle-Griller zur Zerstörung von Tropen- und Urwäldern bei. Zwar sei der reine Import von Tropenholz oder illegal geschlagenem Stammholz aus osteuropäischen Urwäldern verboten. Das gelte allerdings nicht, wenn die Hölzer vorher zu Kohle verarbeitet wurden. Hier klaffe eine Regelungslücke in der seit 2013 geltenden EU-Holzhandelsverordnung EUTR.

Risiken am Grillrost: Beim Grillen mit Holzkohle wird die Luft rund um den Grill durch Feinstaub und Ruß belastet. Das gibt das Umweltbundesamt zu bedenken. Gas- und Elektrogrills seien in diesem Punkt gesünder, gibt die Behörde zu bedenken. Wer auf Holzkohle nicht verzichten möchte, sollte die Glut keinesfalls mit Bier ablöschen und lieber Grillschalen verwenden. Tropfen Bier oder Fett auf die glühenden Kohlen, steigt Rauch auf, der sich auf das Grillgut legt, begründen die Experten. So könnten schwarze Krusten entstehen, die krebserregende Stoffe enthalten. Weil sich bei Alu-Grillschalen das Aluminium durch Säure und Salz auflösen kann und Teile davon ins Grillgut übergehen können, sollte in ihnen gegartes Fleisch erst nachträglich gewürzt werden. Salziges oder Säurehaltiges wie Tomaten oder Schafskäse in Salzlake wird aus diesem Grund lieber nicht in Alu-Folie oder -Schalen gegart. Bei einer zu hohen Aufnahme von Aluminium könne eine gesundheitsschädliche Wirkung laut Umweltbundesamt nicht ausgeschlossen werden. dpa