Ein Nest Asiatischer Hornissen wurde in Karlsruhe entdeckt und entfernt.
Ein Nest Asiatischer Hornissen wurde in Karlsruhe entdeckt und entfernt. | Foto: jodo

Nest in Karlsruhe entfernt

Asiatische Hornissen breiten sich weiter aus

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Eine hellbraune Kugel, groß wie ein Medizinball, hängt in 20 Metern Höhe in einer Robinie. Wo die Willy-Andreas-Allee auf die Willy-Brandt-Allee trifft, haben Asiatische Hornissen sich ihr luftiges Heim gebaut.

Vor Monaten schon sind sie aus ihrem kleinen Vornest in Bodennähe hier rauf gezogen und haben die Kugel mit einem Radius von knapp 40 Zentimetern um mehrere Astgabeln geklebt. Und haben ihren Staat mächtig vergrößert: Bis zu 2.000 Tiere bevölkern das Nest, etwa 10.000 Nachkommen werden produziert, erklärt Manfred Verhaagh, der die Insektenabteilung im Naturkundemuseum Karlsruhe leitet. Entdecken konnte man das Nest aber erst mit zunehmendem Blätterfall.

Gefunden hat es Doris Sahm – weil sie danach gesucht hat. Sie ist im Master-Studiengang Biodiversität und Umweltbildung an der PH Karlsruhe bei Andreas Martens. Der Professor ist Spezialist für invasive Arten und hat seine Studierenden aufgefordert, die Augen offen zu halten, nachdem die Tiere immer wieder im Efeu am Institut gesichtet wurden. Nicht größer, aber viel dunkler als die heimischen Hornissen sind die Asiaten, haben nur einen gelben Ring und gelbe Füße, schildert er.

Asiatische Hornisse
Dunkler als die heimischen Hornissen ist die asiatische Verwandte. Auffällig sind ihre gelben Füße. | Foto: Jock

Bienen können sich gegen invasive Hornissen nicht wehren

Asiatische Hornissen sind gebietsfremd und stehen auf der von der Europäischen Union erarbeiteten Liste invasiver Arten, die an ihrer Ausbreitung gehindert werden müssen. Grund ist, dass sie heimische Arten verdrängen und die Ökosysteme schädigen. Die Asiatische Hornisse gilt vor allem als Bienenkiller, schildert Berufsimker Bernhard Heuvel.

Anders als asiatische Bienen haben die heimischen Honigsammlerinnen keine Verteidigungsmethode gegen die Angreiferinnen. Aus Gaggenau-Oberweier berichtete jüngst eine Imkerin Verhaagh, dass Asiatische Hornissen die Hälfte ihrer Bienen aus 14 Stöcken geholt haben.

Folglich beobachten nicht nur Martens’ Studierende, sondern auch viele Mitglieder des Karlsruher Imkervereins, was an der Willy-Brandt-Allee passiert: Die Feuerwehr fährt vor und einen gewaltigen Hubsteiger hoch in die Robinie. Harald Wiedemann von der Branddirektion Karlsruhe ist selbst Imker und der Hornissen-Experte der Wehr.

Er und sein Kollege Andreas Augenstein, der den Steiger bedient, haben Imker-Schutzkleidung angelegt, ehe sie das Nest aus nächster Nähe in Augenschein nehmen. Dass es noch viel Flugbewegung gibt, ist auch von unten zu sehen. Das Nest ist schwer zu erreichen, Äste versperren dem Hubsteiger den Weg. Wiedemann setzt die Säge an.

Asiatische Hornissen werden mit Kohlendioxid betäubt

Die Situation ist knifflig, erklärt er später: Das Nest schwankt im Wind, und wenn eine Wand beschädigt würde, hätten er und sein Kollege es nicht nur mit ein paar Hornissen zu tun. Mit Kohlendioxid betäubt er die Tiere, beseitigt auch mit den in dicke Lederhandschuhe verpackten Händen ein paar Exemplare, setzt aber auch das Insektizid ein, das er vorsichtshalber mitgenommen hat. Einzelne Tiere fallen zu Boden, und viele Interessierte beugen sich über sie.

Noch ein paar Äste müssen abgesägt werden, dann erreicht Wiedemann das Flugloch. Auch von unten ist zu sehen, wie er das Kugelnest einnebelt und schließlich mit Schaum das Flugloch verschließt. In einen großen blauen Müllsack packt er das Hornissen-Heim schließlich und sägt die Äste ab, die es im Baumwipfel halten.

Mehr ei- als kugelförmig ist das Nest, aber unbeschädigt, stellt Insektologe Verhaagh zufrieden fest, als Wiedemann seine Beute nach unten gebracht hat. Im Tiefkühler im Naturkundemuseum werden die Hornissen den Tod finden, ehe analysiert wird, wie stark das Nest noch bevölkert war. Und schon jetzt steht fest, dass es als Exponat taugt.

Insekten breiten sich weiter aus

Klar ist auch: Die Asiatischen Hornissen breiten sich weiter aus. Über Südfrankreich, wo sie wohl in Töpferware ankamen, zogen sie auch Richtung Deutschland, wo sie 2014 erstmals in Waghäusel nachgewiesen wurden. 2017 wurden ein Vornest in Neureut-Heide und ein großer Staat am Haydnplatz entdeckt. Vor ein paar Wochen hat man nun in Grötzingen ein beschädigtes Nest gefunden, und auch in Ubstadt-Weiher und Gaggenau entfernten Wiedemann und Co Nester der Invasoren. Sie sind aber auch schon in den Niederlanden und in Wales gesichtet worden, wissen Verhaagh und Heuvel. Womit es utopisch ist, dass man die Art in Europa wieder los wird.

Gut möglich ist, dass auch in Karlsruhe nun weitere Nester entdeckt werden. Gemeldet werden sollten sie dem städtischen Umweltamt.