Baggern im Wildpark
ANGEBAGGERT ist der Wall: Der mit Steinen aus der zerbombten Innenstadt durchsetzte Erddamm der Nordkurve wird abgetragen. Das Material wird später als Basis für die provisorischen Ränge und anschließend für die neue Tribüne wiederverwendet. | Foto: Sandbiller

Abriss der Tribünen

Auch der neue Wildpark wird auf Schutt gebaut

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Zwei Bagger graben sich immer tiefer in die Schutthalde. Schnell ist der Durchstich in den Wall gekerbt.

Rückenwind

Bald hat der Wildpark im Norden keinen Damm mehr. Und der KSC erhält zumindest eine Halbzeit lang noch mehr Rückenwind.

Offene Flanke

An der Flanke der neun Meter hohen Aufschüttung mit Blick auf das Rasenfeld jubelten, schwitzten und zitterten in 63 Spielzeiten die KSC-Fans. Doch der alte Wildpark ist Geschichte. Karlsruhe ist jetzt für die ganze Fußball-Republik die Baustelle.

Keine Abtastphase

Zwei Jahrzehnte mit vor und zurück mussten die Karlsruher und die KSC-Fans aus der ganzen Fußballregion auf den Anpfiff warten.

Doch jetzt gibt es keine Abtastphase, die „Vorabmaßnahmen“ laufen: Schweres Gerät räumt das Stadionrund ab.

Siege auf der Baustelle

Bald werden Provisorien installiert, und der Neubau wird parallel gestartet.

Wie gut dies bislang auf ihrer Baustelle funktioniert, zeigen die Blau-Weißen selbst: Der KSC gewinnt.

Als erste wurden die Münchener Löwen mit 3:2 abgefertigt, jetzt Preußen Münster mit 5:0 aus dem Wildpark gefegt, und kurz vor der Bescherung traut sich noch Tabellenschlusslicht Braunschweig auf die Baustelle Karlsruhe.

 

KSC
LIEBESERKLÄRUNG: Blau-weißer Abschiedsgruß auf den Resten der Nordkurventribüne. | Foto: Sandbiller

Wie unter Spielbetrieb an der Stelle des alten Stadions mit Laufbahn eine moderne Fußballarena errichtet wird, das hat Wildpark-Bauchef Frank Nenninger ausgetüftelt.

Vor einem Monat haben die Abbrucharbeiten unter Nenningers Leitung begonnen. Die Tribüne der Nordkurve – also Geländer, Stehplatzstufen, Betontreppen und Asphaltweg auf der Dammkrone – ist schon abgetragen.

Ab zum Steinbrecher

Ihr Trümmerhaufen liegt 150 Meter entfernt auf dem alten Trainingsplatz. Dort werden die Brocken durch den Steinwolf gedreht: Das gesamte Wallmaterial wird in der Brecheranlage behandelt, so lange die Kampfmittelerkunder nicht verdächtiges Metall im Wall orten und Bombenalarm geben.

Der ganze Wall wird aufbereitet

Die Bagger schaufeln bereits den Abraum im Stadion auf das Förderband der Separierungsanlage. Dort wird der zerkrümelnde Boden und der grobe Hausschutt aus der 1945 zerstörten Kaiserstraße getrennt.

Die Brocken werden dann zur Steinmühle gekarrt. „Der ganze Wall wird im Wildpark aufbereitet, 35 000 Kubikmeter Erde und Schutt werden dann wieder eingebaut“, erklärt Nenninger.

 

Nenninger
FRANK NENNINGER baut als Kasig-Mann den Wildpark und per Kombi die Stadt um. | Foto: Sandbiller

Schon haben Bagger Erde im Stadioninnenraum über die frühere Laufbahn hinter das Tor geschoben. 12,30 Meter wird zur Spielfeldlinie Abstand gehalten. Der neue Wall wird abgeflacht und von 25 auf 45 Meter breitgezogen. Nur noch 3,5 Meter wird er hoch sein.

„Schon im Januar werden dort Streifenfundamente betoniert. Sie tragen später die provisorische Tribüne“, erläutert Baumeister Nenninger, der als Mitglied der Kasig-Spitze auch den Kombi-Stadtumbau mit U-Strab und Autotunnel unter der Kriegsstraße betreibt.

Jubel auf Stahlstangengerüst

Demnach können bereits im Februar oder März die Fans auf dem Stahlstangengerüst ihrem KSC zujubeln. Auch die später 30 Meter in den Himmel ragende Nordtribüne steht auf dem homogenisierten und verdichteten Material des alten Walls.

30 Prozent sind Trümmerbrocken

Oberbauleiter Benjamin Pfahler vom Karlsruher Büro Roth&Partner, das im Auftrag der Kasig die „Vorabmaßnahmen“ im Wildpark managt, spricht von einer überraschend guten Qualität dieses Baugrunds: „70 Prozent sind Erdboden und 30 Prozent Trümmerbrocken.“

Nicht nur Ziegelsteine und Betonstücke spicken den freigelegten Wall, auch Kacheln und Scherben aus im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstörten Häusern findet man.

Beim Flutlichtspiel wird es heller im Wildpark

Im Januar bekommt der provisorische Wildpark vier neue Flutlichtstrahler. Deren Standorte nahe der Eckfahnen sind schon abgezäunt. Die alten Masten verschwinden dann laut Nenninger schon Ende Januar. „Im Wildpark wird es dann heller sein, die provisorischen Strahler bringen jeder 1 200 Lux, ein alter nur 850 Lux“, sagt Achim Winkel von der Kasig.

Abbruch und Aufbau laufen parallel

„Im März folgt bereits der Abbruch der Südtribüne, und die Gegengerade kommt im Sommer dran“, erklärt Nenninger. Während die Süd- und die Nordtribüne ein Provisorium erhalten, werde im November 2019 mit dem eigentlichen Rohbau des neuen Stadions auf der Gegengerade losgelegt, berichtet der Wildpark-Bau-Planer.

Werden nach der Gegentribüne auch die Haupttribüne sowie die Süd- und am Ende die Nordtribüne im Mai 2022 fertig, dann kann nicht nur der Wildpark eine erstklassige Arena sein.

Auf dem Weg zur Erstklassigkeit?

Spielt der KSC weiter so erfolgreich auf der Baustelle, würden die Blau-Weißen bis dahin locker aus der Drittklassigkeit in die Erstklassigkeit zurückgekehrt sein – und dann dort auf großer Fußballbühne mit 35 000 Zuschauern gar internationale Auftritte feiern wie vor heute 25 Jahren im alten Wildpark gegen Valencia.