"Do legsd di nieder" verspricht der „Hupferl“. Der Gaudikessel von Nachwuchsschausteller André Roder rotiert und hüpft noch am heutigen Montag auf der Karlsruher Herbstmess’ an der Durlacher Allee. | Foto: jodo

Im Porträt: André Roder

Auf dem „Hupferl“ hebt der Hintern ab

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Der „Hupferl“ geht ab. Vor allem wenn sich Jugendliche auf den gepolsterten Sitzen breitgemacht haben, mit coolen Sprüchen die Halbstarken markieren und den Mädels imponieren wollen. Dann ruft André Roder grinsend – „wir geben noch mal Gas“ – ins Mikrofon, und fast klingt es wie eine Drohung.

Ein Knopfdruck und der „Hupferl“ dreht auf

Einen Knopf drücken, mehr muss der Rekommandeur nicht machen. Schon dreht der „Hupferl“ auf. Roder drückt den nächsten Knopf und der „Hupferl“ wippt nach vorne. Noch ein Knopf und der Kessel lässt ein paar ordentliche Sätze los – passend zu den fetten Hip-Hop-Beats, die Roder laufen lässt. Die Jugendlichen heben förmlich von dem Polster ab, lachen, kreischen. Sie versuchen die Balance zu halten, sich an der Käfigwand festzuhalten.

Spaß habe nicht nur die Fahrgäste

Mächtig Spaß haben nicht nur die Fahrgäste in dem bunten, mit bayrischen Motiven verzierten Gaudikessel, auch die Schaulustigen auf der Herbstmess’ amüsieren sich prächtig. Sie frotzeln über ihre Freunde, die der „Hupferl“ gerade ordentlich durchschüttelt, oder sie posen für ein Selfie vor dem Karussell, das Abends mit waberndem Nebel und Lichteffekten besonders zur Geltung kommt.

Andre Roder hat immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Der 28 Jahre Karlsruher ist Schausteller mit Leib und Seele. | Foto: jodo

André Roder bringt mit seinem „Hupferl“ nicht nur waschechte Bayern zum Jodeln, sondern auch die Karlsruher auf der Herbstmess’ zum Jauchzen. „Hupferl“, „Hopser“, „Schunkler“, Bayern-Wippe“, „Bavaria Dance“, „Round up“– das runde Fahrgeschäft hat viele Namen. Es ist ein Klassiker – zumindest auf den Jahrmärkten, Messen und Rummelplätzen im Süden der Republik.

In Süddeutschland ist der „Hupferl“ kult

„Im Norden sieht das schon anders aus“, erzählt Roder lachend. Im vergangenen Jahr war er mit seinem Fahrgeschäft in Gütersloh, „dort konnten die Leute zunächst nichts damit anfangen“. Keine Gurte, keine Bügel – „das war ihnen suspekt, die haben nur den Kopf geschüttelt“, erinnert sich der 28-Jährige. Aber nach und nach trauten sich die Kirmesbesucher dann doch in den Gaudikessel.

Ich kenne den Hupferl seit ich denken kann.

„Ich kenne den ,Hupferl’ seit ich denken kann, schon als Kind bin ich gerne damit gefahren“, erzählt André Roder junior. In seinen Adern fließt Schaustellerblut. „Ich bin die vierte Generation“, sagt der gebürtige Karlsruher mit Stolz. Seine Eltern André und Elke Roder sind mit ihren Fahrgeschäften auf den Kirmesplätzen quer durch die Republik zu Gast. Seine Oma war mit Autoscooter, Schießstand und Süßigkeitenwagen auf kleinen Kerwe-Plätzen unterwegs.

Die Urgroßeltern legten den Grundstein für das Geschäft

Den Grundstein legten die Urgroßeltern: „Meine Uroma stammt aus München, aus der Zirkusfamilie Renz, mein Urgroßvater aus der Schweiz. Er war mit Kasperletheater unterwegs“, berichtet der Karlsruher, der in einem Wohnwagen groß wurde und auch jetzt das ganze Jahr über im eigenen Zuhause auf Rädern lebt.
Sobald André Roder die Schule beendet hatte, stand für ihn fest: Ich werde Schausteller. „Das ist mein Traumberuf. Meine Eltern wollten, dass ich zuerst eine Ausbildung mache, haben dann aber schließlich zähneknirschend zugestimmt.“

Am Anfang war das Kinderkarussell

Als er volljährig wurde, gaben ihm die Eltern ihr Kinderkarussell. Seine Feuertaufe als Schausteller, die André Roder bravourös meisterte. Er kaufte sich einen Dosenwurfstand und „Hau den Lukas“ Vor zweieinhalb Jahren erfüllte er sich mit dem „Hupferl“ dann den Traum vom eigenen Fahrgeschäft. „Es ist ein bekannter Klassiker und der Aufwand ist gering“, sagt er. Er brauche nur zwei Mitarbeiter, und zusammengeklappt lässt sich der ,Hupferl’ mit einem Lkw transportieren. „Da halten sich die finanziellen Herausforderungen im Rahmen.“

Roder steuert den Gaudikessel manuel

Was er an dem 15 mal 15 Meter großem Gaudikessel, der 1987 von der Firma Höpler in Metten bei Passau gebaut wurde, auch schätzt: „Ich kann es manuell steuern – je nachdem, ob Familien mit Kindern und ältere Menschen drin sitzen, oder Jugendliche, kann ich den ,Hupferl’ in unterschiedlicher Geschwindigkeit fahren lassen. Auch die Häufigkeit und die Stärke der Hupfer kann ich manuell steuern“, sagt André Roder. Wenn ihm die Halbstarken also zu frech kommen …