Ihr Herz gehört den Bergen: Das Bild zeigt Flor Cuenca Blas bei ihrer letzten Tour in Pakistan. | Foto: Cuenca Blas

Bergsteigerin aus Karlsruhe

Auf dem Weg nach oben

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Wohin Flor Cuenca Blas auch geht, Piki ist dabei. Der kleine, weißbraune Stoffhund baumelt an einer blauen Schnur. Gefunden hat ihn Flor Cuenca Blas vor elf Jahren in ihrer Heimat Peru auf der Straße. Seither reist Piki mit. Schon mehrfach auf 8 000 Meter hohe Berge, die Flor Cuenca Blas unter großer Anstrengung und unter teils extremen Wetterbedingungen erklimmt. „Manchmal gefriert er unterwegs“, sagt die 41-Jährige über den Stoffhund.

Peruanierin Flor Cuenca Blas lebt in der Oststadt

Berge sind die Leidenschaft der Peruanerin, die in der Oststadt lebt. Gekommen ist sie „wegen eines Mannes“, sagt die 1,50 Meter große Frau und lacht. Kennengelernt hat sie den Deutschen in Peru auf einem Berg, sie war Reiseleiterin. In der ersten Zeit in Deutschland habe sie die Berge vermisst, sagt Cuenca Blas. Dann fuhr sie mit ihrem Mann in die Alpen – und war halbwegs besänftigt: „Da gibt es auch schöne Berge.“
Eigentlich geht es der zierlichen Frau aber um andere Berge, um die 8 000er, die höchsten Berge der Welt. Zwei hat sie in den vergangenen Jahren schon bezwungen, den Cho Oyu in Tibet und den Manslu in Nepal. Im Juni brach sie erneut auf, zwei Gipfel der Gasherbrum-Gruppe in Pakistan sollten es diesmal werden. „Leider hat es nicht geklappt“, sagt Cuenca Blas. Mehrmals war sie kurz davor, kämpfte sich von einer Etappe zur nächsten, teils in der Gruppe, teils alleine. Aber das Wetter spielte nicht mit. Immer wieder haben Schneestürme sie am Weiterkommen gehindert, erzählt die Tochter peruanischer Bergbauern. Knapp zwei Monate dauerte die Tour diesmal.

Ein Bild ihrer Eltern hat Flor Cuenca Blas auf ihrer letzten Tour dabei gehabt. Das sei als Dankeschön an ihre Eltern – zwei peruanische Bergbauern – gedacht gewesen. | Foto: Cuenca Blas

Touren sind nicht ungefährlich

Auf eine solche Reise bereitet sich Flor Cuenca Blas mit viel Sport vor. „Ich gehe ins Fitnessstudio, zum Klettern, ich jogge und schwimme“, zählt sie auf. Auf die dünne Luft in der Höhe kann sie sich tatsächlich immer erst vor Ort vorbereiten. „Viel trinken und schlafen“, nennt sie ihr Rezept. Und dann geht es langsam, Stück für Stück nach oben. Ungefährlich sind diese Touren selbstverständlich nie, immer wieder gebe es Lawinengefahr, lauerten Gletscherspalten, sagt die Bergsteigerin, während sie sich durch die Fotos aus Pakistan klickt. Rund 2 000 Stück hat sie gemacht.

Die Sprache der Berge

Besonders gut gefällt der 41-Jährigen, dass sie auf dem Weg nach oben Menschen unterschiedlicher Nationen trifft. „Wir alle sprechen die Sprache der Berge“, sagt sie. Alle liebten die Freiheit und „fühlen dasselbe Gefühl“, oben auf dem Gipfel. Was ist das für ein Gefühl? „Das ist einfach Wahnsinn“, sagt Flor Cuenca Blas. „Man fühlt große Freude, Dankbarkeit, aber auch Einsamkeit.“

Zimperlich darf man nicht sein

Auf ihren Bildern ist Flor Cuenca Blas stets in voller Montur zu sehen – mal dicker, mal dünner gekleidet. Die Temperaturen schwanken in den Bergen stark, nachts ist es eiskalt, tagsüber kann es richtig warm werden, je nachdem, wo man sich befindet. Einen 20-Kilo-Rucksack hat sie immer auf dem Rücken. „Man muss sich bei so einer Tour an vieles gewöhnen“, sagt sie. Zimperlich dürfe man nicht sein. Das ist die 41-Jährige, die aus einfachen Verhältnissen stammt, wahrhaftig nicht. Mit einer Tasse Wasser zu schöpfen und sich damit zu „duschen“ – für sie kein Problem. „Das kenne ich aus meiner Kindheit.“ Beim Essen allerdings stieß sie an ihre Grenzen. Dann etwa, als die Ziege geschlachtet wurde, die den Bergsteiger-Tross vorher schon einige Zeit begleitet hatte.

Der große Traum: der Mount Everest

Dass es dieses Mal mit dem Gipfel nicht geklappt hat, ärgert die passionierte Bergsteigerin noch immer. „Es sind viele Tränen geflossen, bis ich mir schließlich eingestanden habe, dass es nichts wird.“ Aber Flor wäre nicht Flor, wenn sie nicht schon das nächste Ziel im Blick hätte. Auf den Mount Everest soll es im Frühjahr gehen: „Das ist mein großer Traum.“

Ihr Glücksbringer ist immer dabei

Reisen wird die zierliche Frau, die an der Volkshochschule Spanisch unterrichtet, wieder alleine. Irgendwann aber will auch ihr Mann mitkommen. „Vielleicht übernächstes Jahr“, denkt sie. Tatsächlich allein ist die Bergsteigerin auf ihren Touren aber selten. Bei der letzten Reise tat sie sich immer wieder mit verschiedenen Bergsteigern zusammen. Slowaken, Franzosen, Iraner, Österreicher, es war eine bunte Truppe. Zwischendurch aber genießt sie es, alleine zu sein: „Das ist schön.“ Nur sie, die Berge und ein paar Vögel, die so hoch oben leben. Und natürlich Piki.