Vorposten der Mini-Siedlung: Das erste Tiny House hat auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen bereits sein Domizil gefunden. Derweil haben Pascale Jenny und Regina Schleyer (von links) mit Messevorbereitungen und der Suche nach weiteren Standplätzen gut zu tun.
Vorposten der Mini-Siedlung: Das erste Tiny House hat auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen bereits sein Domizil gefunden. Derweil haben Pascale Jenny und Regina Schleyer (von links) mit Messevorbereitungen und der Suche nach weiteren Standplätzen gut zu tun. | Foto: Jörg Donecker

Karlsruher Verein geht voran

Auf dem Weg zur Tiny-House-Siedlung

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Das Wohnhaus von Stefan Fritz nimmt weniger Platz ein als so manches Dauercamper-Revier. Der Tiny-House-Besitzer ist gerade in Urlaub, von der Veranda grüßt deshalb nur ein winziger Gartenzwerg. Das Mini-Haus steht, umringt von Wohnwagen, Mobile Homes und viel Grün, auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen. Dort will der Verein „Tiny Houses für Karlsruhe“ ab dem Sommer mit weiteren Häuschen eine Siedlung aufbauen.

Fernziel ist aber auch die Erschließung von Stellplätzen im Karlsruher Stadtgebiet. Das Thema Tiny House und minimalistisches Wohnen bekannter zu machen und Fragen der praktischen Umsetzung gemeinsam zu lösen, ist ebenfalls Anliegen des noch jungen Vereins, der am kommenden Wochenende auf dem Tiny House Festival in der Messe Karlsruhe vertreten sein wird – neben Minihaus-Besitzern und -Herstellern aus ganz Deutschland sowie der „Wohnfabrik“ des Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel: Er hat das Bauhaus Dessau im Maßstab 1:6 als Tiny House nachgebaut und ist damit auf Tour durch Deutschland.

„Vereinsheim“ als Ausstellungs-Tiny-House?

Die Karlsruher Vereinsmitglieder träumen ihren eigenen Traum vom Ausstellungs-Tiny-House, mit dem das Thema anschaulich in die Gesellschaft getragen werden könnte. Ein solches „Vereinsheim“ soll einmal auf dem Ettlinger Campingplatz stehen – und vorher vielleicht durch die Region reisen. „Das sind bisher nur ein paar Ideen“, sagt die Vereinsvorsitzende Regina Schleyer. Ein Wohlfahrtsverband aus der Region habe sich schon bereit erklärt, einen Stellplatz für Ausstellungszwecke zur Verfügung zu stellen.

Die Suche nach einem Standort für das Miniatur-Eigenheim ist für die meisten Tiny-House-Bauer die größte Hürde dar: Baurecht und Flächennutzungspläne stehen dem Vorhaben oft entgegen. Nachdem im März Stadträte von FDP und die Wählergemeinschaft „Für Karlsruhe“ das Thema per Antrag in den Gemeinderat brachten (die BNN berichteten), ist auf Verwaltungsebene noch nicht viel passiert. „Das Thema liegt jetzt beim Liegenschaftsamt“, sagt Schleyer. Bisher habe man von dort nichts gehört.

Stellplätze für Tiny Houses sind schwer zu kriegen

Ebenfalls stockend laufen die Bemühungen um einen Stellplatz nördlich von Karlsruhe: in Stutensee-Friedrichstal. „Es ist hoch kompliziert“, meint Schleyer. Dort müsse unter anderem der Gemeinderat dem Vorhaben zustimmen – und verlange dazu ein komplett ausgearbeitetes Konzept samt geplanter Bebauung, Lageplan, der Anzahl der Häuser und Kostenberechnungen. „Das können wir in dieser frühen Phase aber nicht leisten“, so Schleyer.

Größere Schritte macht der Verein derweil auf dem Campingplatz Albgau in Ettlingen, wo ein brachliegendes Areal von 1 100 Quadratmetern bis Sommer für etwa acht Tiny Houses bezugsfertig sein soll. Einige Meter entfernt am Ufer der Alb stehen zwei weitere idyllische Fleckchen mit insgesamt 400 Quadratmetern zur Verfügung. „Hier kommt ein Atelierhaus hin“, verkündet Schleyer, „der Vorschlag kommt vom Betreiber des Campingplatzes selber.“ Und daneben soll einmal das Vereinsheim zum Stehen kommen.

Grundlagenforschung und Projektarbeit

Während der Häuslebau bei einigen Vereinsmitgliedern bereits in vollem Gang ist, wächst die Vereinsarbeit: Schleyer steht in ständigem Kontakt zu Anhängern der überregionalen Szene, auch Hersteller wie der Rheinauer Dieter Puhane mischen mit. Um die Vorbereitung des Messeauftritts kümmert sich das Event-Team unter Leitung von Pascale Jenny, weitere Teams für die Stellplatzsuche, Pressearbeit, Planung und das Thema Autarkie sind inzwischen aktiv. „Jede Gruppe macht Grundlagenforschung und Projektarbeit“, meint Schleyer. „Es ist ganz anders, als man es vielleicht von klassischer Vereinsarbeit kennt.“

Der monatliche Stammtisch bekommt mehr und mehr Besucher, die Zahl der offiziellen Vereinsmitglieder ist auf 50 gewachsen. Doch nur mit ehrenamtlichem Engagement sei das Vorhaben „Tiny Houses für Karlsruhe“ langfristig nicht zu stemmen, sagt Schleyer. „Über Sponsoren, die sich finanziell, aber auch mit unternehmerischem Know-how einbringen, würden wir uns sehr freuen.“

 

Termine
Auf der Suche nach einem Stellplatz für sein Tiny House ist Vereinsmitglied Stefan Fritz in der Sendung „Stadt Land Flucht“ am Mittwoch, 22. Mai, um 21 Uhr im SWR Fernsehen zu sehen.
Beim Tiny House Festival in der Messe Karlsruhe vom 24. bis 26. Mai ist der Verein Tiny Houses für Karlsruhe an Messestand TH1 vertreten. Am Samstag um 14 Uhr gibt es einen Vortrag über die Vereinsarbeit.
Der nächste öffentliche Stammtisch findet am Dienstag, 28. Mai, im Quartier Zukunft, Rintheimer Straße 46, statt.