DA STAUNT DER STUDENT: Fabian Schmid (rechts) hat mit Partnern einen neuartigen 3D-Keramik-Drucker entwickelt. Der kreiert in nicht einmal einer dreiviertel Stunde auf der Designmesse Eunique beispielsweise solche Vasen. | Foto: jodo

Karlsruher Designmesse

Auf der Eunique ein bisschen die Welt retten

Alles Plastik, oder was? Auf der Sonderschau „Just plastics“ der diesjährigen Designmesse Eunique schon. Da baumeln Leuchten aus bläulichen Kunststoffflaschen von der Decke der Messe Karlsruhe herab. Qietschbunt sind die Hocker eines Rotterdamer Designers, der diese mit einem Spezialverfahren aus ausgelatschten Flip-Flops zusammen geschweißt hat.

An einer Wand hängt ein Teppich mit Plastik-Strandgut, das an ein Netz drapiert ist. Und ein edles Tischset besteht aus Magnetbändern der guten alten MusiCassette, die mit Leinen und Baumwolle verwoben wurden, wie die Kuratorin der Sonderschau, Andrea Basse, beim Presserundgang erklärt. „Wir können mit dieser Sonderschau sicherlich nicht die Welt retten“, sagt sie – aber Denkanstöße geben, „um mit dem Alltagsgegenstand Kunststoff neu und wertig umzugehen.“

In Zeiten, in denen die Europäische Union mehr denn je Kunststoffmüll reduzieren will und – wie jüngst – ein wuchtiger Wal wegen Plastikabfällen im Magen verendet ist, hat die Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK) also ein aktuelles Thema aufgegriffen.

Schon gar nicht zum Wegwerfen ist Designkunst aus Keramik – die kommt bei Fabian Schmid (30) aus einem neuartigen zwei Meter langen 3D-Keramik-Drucker. Ein echter Hingucker: Drei Schienen ermöglichen es dem Plotter, sich horizontal und vertikal zu bewegen. Leise surrt er dabei vor sich hin und modelliert Schicht auf Schicht innerhalb von knapp 45 Minuten eine handgroße Vase. Bei einem Aktmodellierseminar in der Majolika-Manufaktur kam der technikbegeisterte Schmid auf die Idee. Er, Produktdesignstudent der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, tat sich mit der Majolika und der Hochschule Karlsruhe zusammen – so entstand der spektakuläre 3D-Keramik-Drucker als seine Diplomarbeit. Die „gedruckten“ Designprodukte seien gefragt. „Wir verkaufen sie schon ganz gut“, sagt Schmid im BNN-Gespräch.

Mini-Häuser beim Tiny-House-Festival der Eunique

15 000 Besucher, so viele wie im Vorjahr, erwarten Beate Frères und Kai Richter von der KMK auf der diesjährigen Eunique. Womöglich werden es doch einige mehr – wegen des Tiny House-Festivals. Menschen, die den Minimalismus auch in ihren vier Wänden ausleben wollen, begeistern diese Mini-Häuser. Zehn Stück davon stehen auf dem Messe-Freigelände, so etwa das fahrbare Häuschen von Samuel und Jonathan Kraus, die in Knittlingen eine Schreinerei betreiben. Das Handwerkliche sieht man dem Mini-Haus auch an, das Samuel Kraus mit seiner Frau Claire zwei Jahre lang getestet hat. Der Prototyp kostet gut 58000 Euro. „Bei den meisten potenziellen Kunden hapert es nur noch an einem Stellplatz“, sagt Jonathan Kraus. Denn obwohl klein und ressourcenschonend, sind die Tiny Houses für so manchen kommunalen Beamten doch noch ein Fremdwort.

Auf Nachhaltigkeit setzt auch das K3 Kultur- und Kreativwirtschaftbüro aus Karlsruhe – zum Beispiel mit einem sogenannten Pop-Up-Store. Statt Ladengeschäfte über Monate leer stehen zu lassen, können temporär auch solche Pop-Up-Geschäfte einziehen.

AUCH DAS IST DIE EUNIQUE: Köpfe aus Holz, hier noch teilweise verpackt, von Künstlerin Karin M. vom Hof. | Foto: jodo

Dirk Metzger von den städtischen Karlsruher Wirtschaftsförderern greift das Konzept auf und setzt es mit 16 Partnern auf der Loft um. So können junge Kreative vor einem relativ großen Publikum ihren Bekanntheitsgrad erhöhen und neue Kunden gewinnen. Sie präsentieren Mode, Schmuck, Interior Design, Kunsthandwerk und sogenannte Upcycling-Produkte.

Aus 17 Ländern kommen die 350 Aussteller des Messe-Duos – entsprechend bunt sind die ausgestellten Objekte. Wenn wir an dieser Stelle aber immer wieder die Themen Recycling und Nachhaltigkeit streifen, dann passt ein Besuch bei einer weiteren Ausstellerin aus der Region: Elke Hirsch, die in Kraichtal aufgewachsen ist. Die Finanzwirtin hat auch das Handwerk des Drechselns erlernt, um aus heimischen Hölzern schwere, exquisite Holzschalen zu kreieren. Wer genau hinschaut, sieht sogar die Jahresringe.

Briten sind groß vertreten

Einen Bezug zur Region haben auch viele britische Aussteller mit ihrer Design-Sonderschau – viele von ihnen kommen nämlich aus Karlsruhes Partnerstadt Nottingham. Wolfram Lohr gehört dazu. Der Schuhmacher kauft auf Flohmärkten alte Ledertaschen und macht daraus eigene Designobjekte – noch ein Recycler also auf der Eunique. Und „very excited“ sei er auch noch, zumal er nach 20 Jahren in Großbritannien seine Werke nun auch in Karlsruhe zeigen kann.