HAT ’NEN STROMABNEHMER, fährt aber auf der Straße: Ein solcher Hybrid-Lkw, wie er auf der Messe Nufam ausgestellt ist, soll künftig durchs Murgtal fahren. | Foto: jodo

Thema Nachhaltigkeit ganz groß

Trends auf der Nufam: Tinder für Lkw-Fahrer und Sprit aus Industrieabfällen

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Dating-App für Brummi-Fahrer? Das klingt witzig und ist vielleicht auch etwas flapsig formuliert. Aber im Grunde genommen geht es schon ums Verkuppeln, wie am Stand des Autozulieferers Continental auf der Nutzfahrzeugmesse Nufam deutlich wird.

„Die Lkw-Flottenbetreiber haben in Deutschland bis zu 20 Prozent der Fahrzeuge nur herumstehen“, sagt Roger Bunzel, Marketing-Mann bei Conti. Auf der anderen Seite sind die Fahrer. Für die hat der Hannoveraner Konzern im Juli seine „fleetmatch-App“ vorgestellt, mit der Brummi-Fahrer auch Zusatzqualifikationen wie einen Stapler-Schein angeben können. Die Conti-Algorythmen prüfen dann, wer zu wem passt.

App nach Tinder-Vorbild

„Unsere App ist nach dem Vorbild Tinder aufgebaut“, sagt Bunzel. Noch ist sie in der Testphase, doch er sieht großes Potenzial: Schließlich fehlen in Deutschland 50 000 Lkw-Fahrer, und zwei Drittel aller, die regelmäßig am Steuer sitzen, sind über 50 Jahre alt.

Das sind große Zahlen auf einer groß gewordenen Messe: 2009 mit 194 Ausstellern gestartet, hat die Nufam in der Messe Karlsruhe mittlerweile 408 Aussteller aus 13 Ländern. Entsprechend wird auch geklotzt: Die Eingangshalle hat die Karlsruher Pneuhage-Gruppe mit 60 runderneuerten Lkw-Reifen dekoriert. Das Unternehmen hat viele davon, schließlich gibt es pro Jahr 100 000 abgefahrenen Lkw-Reifen in seinen fünf Runderneuerungswerken ein zweites oder gar drittes Leben.

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Nufam zeigt einen Lkw mit Stromabnehmer auf dem Dach

Nachhaltigkeit ist das brandaktuelle Thema der Nufam, auf der bis zum Sonntag über 25 000 Fachbesucher und interessierte Laien erwartet werden. So beispielsweise am Stand des Scania-Händlers Knirsch: Dort steht ein Lkw-Schwergewicht, das einen 450-PS-Verbrennungsmotor und einen 177-PS-Elektromotor an Bord hat. Auf der Fahrerkabine ist ein Stromabnehmer montiert. Solche Fahrzeuge sind testweise bereits auf der A 5 zwischen Langen/Möhrfelden und Weiterstadt unterwegs – sie sollen künftig auch im Murgtal auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden, erinnert Andreas Knirsch.

Trucker bald mit Strom im Blut?

Dass Trucker künftig Strom im Blut haben, das ist immer noch schwer vorstellbar. Aber auch MAN stellt auf der Messe drei vollelektrische Fahrzeuge aus. „Wir konzentrieren uns im Moment auf den städtischen Bereich“, sagt Wolfgang Metko zu dem Van vor ihm.

Viele Gedanken zum Umweltschutz macht sich auch Krone, ein Unternehmen, das eigentlich ein Anhänger- und Aufbauten-Spezialist ist. Auf der Nufam zeigt Europas Branchenzweiter jedoch den „Rytle“. Das ist: ein Lastenfahrrad. Der Paketboom sorgt für überfüllte, enge Straßen. Das E-Rad „Rytle“ mit seiner Lagerfläche für 800 Kilogramm soll für Entlastung sorgen. In einigen deutschen Städten sei das Gefährt bereits testweise unterwegs, so Krone-Marketing-Leiter Stefan Oelker. „Florida und Singapur haben angefragt.“

KIT informiert über e-Fuels

Und wenn’s doch ein Verbrenner sein soll? Dann bietet sich vielleicht irgendwann e-Fuel an – das ist Sprit, der sich beispielsweise aus Industrieabfällen gewinnen und in bestehenden Verbrennungsmotoren einsetzen lässt. Nur ist die Alternative halt noch eine teure. Das Karlsruher Institut für Technologie forscht weiter daran und informiert darüber auf der Messe.

Für die Nufam war 2009 neben Scania die S&G Automobil AG der Geburtshelfer. Der älteste Mercedes-Benz-Händler der Welt zeigt in der aktuellen Brummi-Schau über 40 Nutzfahrzeuge und will auch über seinen verbesserten Abbiege-Assistenten informieren. Auch solche Lebensretter sind ein Messe-Thema.