Bitte nicht nachmachen: Zoodirektor Matthias Reinschmidt füttert die Kängurus im Karlsruher Zoo. Besuchern ist das Füttern von Tieren allerdings verboten. | Foto: Timo Deible / Zoo Karlsruhe

„Australia“ in Karlsruhe

Auf Du und Du mit dem Känguru

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Auch wenn Frank ganz hinten sitzt und gemütlich an seiner Mohrrübe knabbert, fällt er doch sofort auf: Frank ist weiß, das einzige Albino-Känguru im Karlsruher Zoo und so etwas wie der heimliche Star in der großen Australien-Abteilung des beliebten Tierparks. „Frank Elstner und ich haben solche weißen Bennett-Kängurus bei unserer Reise auf Bruny Island südlich von Tasmanien im Jahr 2015 gesehen“, freut sich Zoodirektor Matthias Reinschmidt: „Die Albinos überleben normalerweise in der Natur nicht, nur auf dieser Insel, da sie dort keine Feinde haben.“ Auch in den europäischen Zoos sind sie
äußerst selten zu sehen. Reinschmidt konnte jedoch von einem Züchter aus Deutschland ein Nachzuchttier für Karlsruhe erwerben und dort hört es nun auf den Namen „Frank“ – nach seinem Paten Frank Elstner.

„Füttern verboten“

Voller Stolz führt Reinschmidt an diesem sonnigen Nachmittag im August durch die noch relativ neue „Australia“-Anlage. Früher gab es nur ein kleines Känguru-Gehege, jetzt ist alles viel, viel größer und die Besucher können den lustig aussehenden Beuteltieren ganz nahe kommen. „Auf Du und Du mit dem Känguru“, lacht der rührige Zoodirektor und packt ein paar Dutzend Mohrrüben aus. „Die Besucher dürfen die Tiere allerdings nicht füttern. Die allermeisten halten sich daran.“ Reinschmidt geht in die Hocke, winkt mit den Karotten – und schon kommen die ersten Kängurus angehoppelt und fressen ihm aus der Hand. „Hinter dieser Begegnungszone haben wir ein großes Rückzugsgebiet für die Tiere. Da können sie hingehen, wenn sie mal keine Menschen sehen möchten.“ Wenn sie keine Karotten kriegen, fressen die Kängurus auch gerne Gras und sind somit gute und preiswerte Rasenmäher.

Mittelgroße und kleine Kängurus

In Karlsruhe finden sich zwei Sorten von Kängurus: Das zu den mittelgroßen Beuteltieren zählende Bennett-Känguru und das zu den kleinsten Vertretern der Kängurus gehörende „Parmakänguru“. Wie viele Kängurus es derzeit im Karlsruher Zoo gibt? Diese Frage kann Reinschmidt gar nicht exakt beantworten: „Etwa 17 bis 20, aber man weiß ja nie, ob sich in einem der Beutel schon wieder ein Junges befindet. Wir können da nicht hingehen und einfach reinschauen“, sagt er. „Man muss warten, bis sich der Nachwuchs zeigt.“

Der Kea steht auf der Wunschliste

„Die ganze Ecke hier widmet sich dem Thema Australien“, sagt Reinschmidt und erzählt fast nebenbei, dass demnächst auch die Afrikasavannen-Anlage komplett umgebaut wird. In „Australia“ leben derzeit auch noch zwei Emus, australische Kraniche und – in einer neuen Großvolière – fünf Vogelarten aus „Down Under“: Der rosarote Inka-Kakadu, der herrlich bunte Schildsittich, der zu den Eisvögeln gehörende „Lachende Hans“, der Maskenkiebitz und der Rotnackenlori. „Die Abteilung wird noch größer werden“, freut sich der Papageien-Experte Reinschmidt, der vor seiner Anstellung im Karlsruher Zoo viele Jahre lang Zoologischer Direktor im „Loro Parque“ auf Teneriffa war. „Ganz oben auf meiner Wunschliste steht der Kea.“ Diese sind unter anderem bekannt dafür, dass sie geschlossene Rucksäcke und Mülltonnen öffnen können oder Dichtungsgummis an Autotüren mit ihren kräftigen Schnäbeln bearbeiten. Manche sagen sogar, sie seien die geschicktesten Vögel der Welt!

Auch Inka-Kakadus findet man in der „Australia“-Anlage im Karlsruher Zoo. | Foto: Timo Deible / Zoo Karlsruhe

„Der wärmste Zoo Deutschlands“

„Wir sind der wärmste Zoo Deutschlands“, sagt Reinschmidt, denn in Städten, in denen es durchschnittlich noch wärmer ist, gibt es – wie beispielsweise in Freiburg – keine Zoos. So passt es auch gut zur Australien-Anlage, dass dort zwei echte Eukalyptusbäume stehen, die man auch als „Ureinwohner Australiens“ kennt.
Direkt neben dem Australien-Gehege plant Reinschmidt übrigens eine weitere Attraktion: „Auf der noch zugewachsenen Insel auf dem Ludwigsee sollen irgendwann Lemuren aus Madagaskar, die Kattas, leben. Noch sind sie in einem recht beengten Gehege im Affenhaus. Auf der Insel bekommen sie viel mehr Platz sowie einen deutlich abwechslungsreicheren Lebensraum und die Zoobesucher können sie dort ohne Absperrungen erleben.“ Dann dürften die sehr erfreulichen Besucherzahlen, die seit Reinschmidts Amtsantritt vor vier Jahren schon bei mehr als einer Million pro Jahr liegen, weiter ansteigen.

Links sehen wir Frank, das einzige Albino-Känguru im Karlsruher Zoo. | Foto: Timo Deible / Zoo Karlsruhe