Einmal Currywurst mit Pommes, bitte: BNN-Redakteurin Tina Mayer serviert ein „City Menü“. | Foto: jodo

Redakteure als Ferienjobber

Auf ein paar Würste mit Johnny und Nadine

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Weg vom Schreibtisch – rein in die Eisdiele, Currywurstbude oder ins Schwimmbad. Die Redakteure versuchen sich diesen Sommer einmal in typischen Ferienjobs. Was sie dabei erleben, wo sie vielleicht auch an ihre Grenzen kommen – all das ist in der wöchentlichen Serie „Ferienjobber für einen Tag“ zu lesen.

Dieser Job ist eine heiße Angelegenheit. Heiß und fettig, um genau zu sein. Ich werde heute Currywürste braten. Sie zerkleinern, würzen und mit Pommes anrichten – so, dass am Ende auch alles appetitlich aussieht. Und, so viel sei schon jetzt verraten, ganz so einfach ist das dann doch nicht.

Meine Wurstbrat-Mentoren an diesem heißen Tag sind Nadine und Johnny. Beide arbeiten bei „Curry 76“ in der Waldstraße. Nadine ist schon lange dabei, seit mittlerweile acht Jahren, und gehört somit quasi zum Inventar. Mindestens einmal in der Woche kommt die Lehramtsstudentin aus Landau nach Karlsruhe gefahren, um Würste zu verkaufen. Die 25-Jährige kennt sämtliche Gerichte – natürlich – auswendig, weiß über den Inhalt Bescheid und kann die Preise wahrscheinlich im Schlaf herunterbeten.

Klassik oder „Sudden Death“?

Im Angebot sind verschiedene Varianten, vom „City Menü“ (ganz einfach Currywurst mit Pommes) über das „Karlsruher Gedeck“ (Currywurst, Pommes und ein alkoholfreies Getränk) hin zum „Berliner Gedeck“ (hier gibt’s Bier statt Cola oder Fanta). Und Nadine kennt sich auch mit den verschiedenen Schärfegraden der Würste aus, klassisch, mittel oder scharf gibt es. Oder, für die ganz Unerschrockenen, eine Schärfe, die sich „Sudden Death“ nennt. Was soviel bedeutet wie „Plötzlicher Tod“. „Das hab’ ich noch nie probiert“, sagt Nadine und lacht.

Ein wenig Abkühlung verschafft ein Klimagerät

Während die Lehramtsstudentin Bestellungen entgegennimmt und nebenher kassiert, brät Johnny die Würste. Und ich irgendwann auch – unter seiner Anleitung. Bereits nach einer kleinen Einführung schwirrt mir der Kopf. Rindswürste haben einen Extragrill, die Schweinswürste werden vorgebraten. Wie lange brauchen die Pommes? „Das geht meist nach Augenmaß“, sagt Johnny. Schwimmen sie im Fett oben, seien sie gut, sagt er dann aber doch. Immerhin, ein Hinweis. Es ist heiß am Grill. Dass die Außentemperatur an diesem Tag bei über 30 Grad liegt, macht es nicht gerade besser. Während Johnny erklärt, drücke ich mich immer wieder unauffällig in die Ecke neben dem Grill. Hier steht ein kleines Klimagerät, bei dem sich Johnny zwischendurch etwas Abkühlung verschaffen kann. Er selbst ist da übrigens weitaus weniger zimperlich. „Muss halt“, sagt er und lacht.

Nach drei Anläufen steckt die Wurst in der Schneidemaschine

Dann ist es soweit. Meine erste Wurst. Nadine bringt den Bon mit der Bestellung, Johnny leitet mich an. Eine Currywurst soll es sein, scharf, mit Pommes. Das rund 20 Zentimeter lange Ding mit der Zange zu packen, ist gar nicht so einfach. Während Johnny erklärt, wie man die Zange am besten hält, reicht mir Nadine ein Stück Küchenrolle – damit ich mir nicht die Finger verbrenne. Nach mindestens drei Anläufen gelingt es mir endlich, die Wurst in die Schneidemaschine zu stecken. Tupperdose darunter halten, dagegen drücken, und die Maschine spuckt einzelne Wurststückchen aus. Beim Versuch, diese möglichst elegant auf dem Teller zu drapieren, fällt eins nach unten. „Das passiert jedem mal“, tröstet Nadine.

Und jetzt zugreifen: Johnny erklärt, wie man die Zange am besten hält. | Foto: jodo

Dann kommt die Soße drauf, später das Gewürz. „Jetzt die Pommes“, weist mich Johnny an. Im vierten Anlauf schaffe ich es, das Pommesgitter zum abtropfen einzuhängen. Bis die ganze Portion auf dem Teller ist, dauert es gefühlt ewig. Immerhin, kein Kartoffelstäbchen fällt dabei zu Boden. Jetzt noch ein kleines Holzgäbelchen in eine der Wurstscheiben stecken, dann wird das Gericht serviert. Freudestrahlend (weil stolz) bringe ich Wurst und Pommes an den Tisch.

Mittags brummt das Geschäft

Von Wurst zu Wurst steigt die Routine. Und dennoch reicht mir das Aufkommen an Bestellungen recht bald. Dabei ist, so versichern Nadine und Johnny, gerade „recht wenig los“. Nadine hat mich übrigens bewusst am späten Nachmittag einbestellt. Um die Mittagszeit – zwischen zwölf und zwei – brummt hier das Geschäft. Da kann man einen blutigen Grill-Anfänger nicht gebrauchen.

Eine Wurst nach Feierabend? Lieber nicht.

Schichtwechsel. Johnny hat Feierabend. Jetzt eine Currywurst? „Lieber nicht“, wehrt er lachend ab. Da er die Würste den ganzen Tag vor der Nase hat, ist ihm eher nach etwas anderem. Nadine sieht das anders. „Ich esse während einer Schicht schon mal eine Currywurst.“ Für Johnny kommt Hasim. „Wir arbeiten häufig zusammen“, sagt Nadine. Die beiden verstehen sich gut, wenn man acht Stunden nebeneinander an Grill und Kasse steht ist das auch wichtig. Hasim bindet sich die Schürze um, greift zur Zange. „Anstrengend sei es schon, bei diesen hohen Außentemperaturen am Grill zu stehen, räumt er ein. Was hilft? „Zwischendurch immer mal wieder rausgehen.“ Weg vom Grill.

Alles wirkt irgendwie ungelenk

Ich stehe nach einer kurzen Pause wieder dran, hantiere mit Würsten und Pommes. Versuche zu unterstützen, so gut es eben geht. Aber neben den geübten Griffen der alten Hasen wirkt alles immer irgendwie ungelenk. Immerhin, die Stimmung ist gut. Auch deswegen kommt Nadine aus ihrer neuen Heimat Landau immer wieder nach Karlsruhe gefahren, um hier zu arbeiten. In zwei Jahren beginnt sie mit dem Referendariat. Dann soll Schluss sein mit dem Dienst an der Wurst. So richtig vorstellen kann sich Nadine das noch nicht. „Mal sehen“, sagt sie – und nimmt erst einmal die nächste Bestellung entgegen.