Sicheres WLAN gewählt? Falls nicht, können Hacker mit ihren Werkzeugen Zugriff auf private Informationen wie Bewegungsdaten bekommen.
Sicheres WLAN gewählt? Falls nicht, können Hacker mit ihren Werkzeugen Zugriff auf private Informationen wie Bewegungsdaten bekommen. | Foto: Fabry

Digitaler Kopf Andreas Sperber

Auftrags-Hacker: Dieser Mann stiehlt digitale Kronjuwelen

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Schon seit jeher machen sich Menschen Gedanken darüber wie sie ihr Hab und Gut vor dem Zugriff von Fremden schützen können. Ein mögliches Sicherungssystem zeigt das Bild einer historischen Burganlage mit Stadtmauer und verschiedenen Verteidigungsorten, das beim BNN-Gespräch mit Andreas Sperber auf dem Tisch liegt. Was von Menschen als schützenswert empfunden wird, hat sich im Laufe der Zeit verändert.

Sicherheit von digitalen Daten im Blick

Digitale Daten sind erst in den vergangenen Jahrzehnten hinzugekommen, doch gerade diese hat Sperbers Firma aramido im Blick: „Mir ist das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sehr wichtig.“ Nutzer sollten seiner Meinung nach Anbietern bezüglich der Sicherheit ihrer Daten vertrauen können.
Wer etwas beschützen will, der musste schon immer einen gewissen Aufwand betreiben. Um beim Beispiel der Burganlage zu bleiben: Ein Herrscher könnte in dieser seine Kronjuwelen verstecken und dafür zahlreiche Hindernisse inklusive Verteidigungsanlagen bauen.

Auf die heutige Zeit bezogen steht der Schmuck symbolisch für Kundeninformationen, etwa Gesundheitsdaten oder Firmeninternas wie Passwörter, die nicht in fremde Hände gelangen sollten. Vor allem kleine und mittelständische Firmen sind sich oft unsicher, ob ihre Schutzsysteme ausreichen. Das kennt auch Sperber aus seiner Vergangenheit. In seiner ersten eigenen Firma gloveler, einem Internetmarktplatz, kümmerte er sich selbst um die Sicherheit der Plattform.

Ein Mann, der weiß was zu tun ist, wenn es brennt

Daraus entstand die zweite Gründungsidee und Basis von aramido: „Durch unser Unternehmen machen wir Unternehmen sicherer.“ aramido übernimmt heute im Auftrag von Firmen die Aufgabe, die früher der Hauptwachmann einer Burganlage innehatte: Prüfen, ob die Sicherheit gewährleistet ist, und manchmal auch einspringen, wenn die Diebe schon die ersten Hindernisse niedergerissen haben. Dabei kommt Sperber zugute, dass er sich mit brandeiligen Einsätzen auskennt. Immerhin war er sieben Jahre bei einer großen Freiwilligen Feuerwehr aktiv und weiß wie es ist, alles stehen und liegen zu lassen, und mit Adrenalin im Körper die Ruhe zu bewahren.

Andreas Sperber zeigt einen Teil seiner digitalen Arbeitshelfer etwa Geräte mit denen man Frequenzbänder abhören oder Bluetooth-Übertragungen mitschneiden kann.
Andreas Sperber zeigt einen Teil seiner digitalen Arbeitshelfer etwa Geräte mit denen man Frequenzbänder abhören oder Bluetooth-Übertragungen mitschneiden kann. | Foto: Starck

Digitale Kronjuwelen von Passwörtern über Gesundheitsdaten

Vor allem geht es bei aramido darum, zu prüfen, wie sicher eine Firma ist. Dabei gelang es Sperber durchaus schon ein paar Mal, einem Auftraggeber die digitalen Kronjuwelen zu entwenden. Oft führt der Weg über Mitarbeiter, teils auch die Chefs selbst, die Passwörter verraten. Ob Daten sicher sind, das versucht man bei aramido mit sogenannten Social-Engineering-Tests herauszufinden: Hierfür wird zum Beispiel von einer vermeintlich firmeninternen Mailadresse eine Nachricht verschickt, die zur Passworteingabe auffordert. Möchte eine Firma beim Schutz der Kronjuwelen alles richtig machen, sollte sie laut Sperber Informationssicherheitsfirmen schon bei der Planung der Architektur der Burganalage einsetzen. Gerade in der Entstehungsphase könnten die relevanten Sicherheitskriterien am besten mitbedacht werden. „Jedes Projekt ist an sich für uns neu – in einer gewissen Art und Weise –, weil es ja nie das gleiche Standardsystem ist“, so Sperber.

„Möbel-Hacks“ im Karlsruher Büro

Selbst machen und entwickeln liegt dem in Nürnberg aufgewachsenen Gründer am Herzen. Das fing schon in der Schule an, wo er mit dem dort erlernten Programmier-Know-how eine zentrale Speicherstelle für Hausarbeiten aufbaute. Wer das im Oktober neu bezogene Büro von aramido im Herzen Karlsruhes, nur wenige hundert Meter vom Stephanplatz entfernt, besucht, darf vom 34-Jährigen lernen, dass man auch Möbel „hacken“ kann. Im Besprechungszimmer, auf dem frisch verlegten Teppich, steht ein solcher „Möbel-Hack“: ein höhenverstellbarer Schreibtisch, der aus verschiedenen Einzelprodukten zusammengestellt wurde.

Andreas Sperber und der Linux-Pinguin, der einmal im Klartext und dreimal verschlüsselt zu sehen ist. Die beste Verschlüsselung ist jene, bei der man ihn nicht mehr erkennen kann.
Andreas Sperber und der Linux-Pinguin, der einmal im Klartext und dreimal verschlüsselt zu sehen ist. Die beste Verschlüsselung ist jene, bei der man ihn nicht mehr erkennen kann. | Foto: Starck

Heimische Basteleien in der Brauküche

Auch privat ist der Halbspanier leidenschaftlicher Bastler: Zum Beispiel, wenn er sein digitales Zuhause einrichtet, in dem er etwa die Temperatur seiner Heizung über einen intelligenten Mini-Computer koordiniert. Oder wenn er in der heimischen Küche Bier braut und sich dabei nicht um die Temperatur und Dauer der einzelnen Schritte für den biochemischen Prozess kümmern muss, weil diese Aufgabe eine eigens hierfür programmierte Steuerung übernimmt.

Warum Karlsruhe?

Die Brauküche befindet sich übrigens ebenso zentral in Karlsruhe wie das Büro.Schließlich brauche man als IT-Mensch gutes Internet. Und das sei in der Stadt einfach besser als auf dem Land. Und auch wenn Karlsruhe nicht so alt ist wie seine Heimat Nürnberg, schätze er die Stadt, in die er 2004 zum Wirtschaftsingenieur-Studium gezogen ist, sehr: etwa für die kurzen Wege oder dafür, dass gute Joggingstrecken vor der Tür zu finden und auch Wanderausflüge in der Umgebung kein Problem seien. Auch beruflich sei die Fächerstadt praktisch, durch die IT-Firmen in der Region gebe es gut ausgebildete potenzielle Mitarbeiter für seine Firma – und die braucht er gerade.