digital oder real? Blanca Giménez organisiert im ZKM den ersten Internet Yami-Ichi, einen Flohmarkt für materielle und immaterielle Dinge aus dem Internet.
digital oder real? Blanca Giménez organisiert im ZKM den ersten Internet Yami-Ichi, einen Flohmarkt für materielle und immaterielle Dinge aus dem Internet. | Foto: Jörg Donecker

Flohmarkt für Netz-Fans

Aus dem WWW in die wirkliche Welt: Erster Internet Yami-Ichi in Karlsruhe

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Sie zelebrieren die Freiheit des Internets – abseits des Internets: Auf so genannten Internet Yami-Ichis tauschen und verkaufen Netz-Begeisterte Dinge, Daten und Dienstleistungen, die ihren Ursprung im Internet haben. Und zwar an realen Flohmarktständen, offline. Im Rahmen der ZKM-Ausstellung Open Codes findet ein solcher Internet Yami-Ichi am 7. April zum ersten Mal in Karlsruhe statt.

„Das wird wie vieles hier bei Open Codes ein Experiment“, meint Blanca Giménez, die den ersten Internet-Flohmarkt der Fächerstadt am ZKM organisiert. Erfunden hat das Konzept eine Gruppe um das japanische Künstlerduo exonemo im Jahr 2012. Eine App, die sie entwickelt hatten, wurde von Apple dann aber nicht zum Verkauf im App Store freigegeben. „Die Idee war: Wenn die App nicht über den digitalen Kanal verkauft werden kann, dann eben an einem physischen Ort“, erklärt Giménez.

Real World Retweets und Datensätze über Steine

Beim allerersten Internet Yami-Ichi am 4. November 2012 in Tokio wurde viel Verrücktes angeboten. Zum Beispiel Real World Retweets: Frei nach dem Twitter-Prinzip, aber vollkommen offline, verbreitete ein Mann gegen Bezahlung die gewünschte Aussage weiter. Aber nicht per Klick auf einen „Teilen“-Button, sondern durch lautes Rufen.

Der Internet Yami-Ichi (Yami-Ichi bedeutet im Japanischen so viel wie Schwarzmarkt oder auch Dunkelheit, Obsession) ist eine Art Flohmarkt, wo Menschen sich treffen, um „internetartige“ Waren oder Dienstleistungen im realen Raum zu verkaufen oder auszutauschen. Der erste Yami-Ichi wurde 2012 in Tokio organisiert. Seither wurden ähnliche Internet-Flohmärkte in New York, Moskau, Barcelona oder Seoul organisiert – der erste deutsche Yami Ichi fand 2014 in Berlin statt.
Verkauft werden kann im Prinzip alles, es gibt nur zwei Regeln:
1. Das Angebotene muss mit dem Internet zu tun haben
2. Gefährliche, schädliche oder illegale Angebote sind verboten.

 

Ein anderer Künstler war inspiriert von der Aussage, dass es so viele IP-Adressen wie Steine auf der Erde gebe, also quasi unendlich viele. In Computernetzen wie dem Internet wird jedem angeschlossenen Gerät eine solche IP-Adresse zugewiesen, so dass es über die Datenleitung erreichbar ist. Der Künstler verkaufte Steine, die er vorher einem 3D-Scan unterzogen hatte – die dabei erfassten Daten, die man beispielsweise für einen 3D-Druck oder in der Computeranimation nutzen kann, gab’s als CD obendrauf.

In Karlsruhe gibt’s städtische Daten auf dem USB-Stick

„Heute würde man das natürlich auf einen USB-Stick speichern“, meint Giménez. In Karlsruhe soll es zum Beispiel aus dem Transparenzportal der Stadt Karlsruhe heruntergeladene Daten auf USB-Sticks zu kaufen geben. Oder Feinstaub-Sensoren, die man vor Ort selbst basteln und später zu Hause aufstellen kann – und die Daten ins Netzwerk einspeisen, um die Deutschlandkarte der Messstationen zu erweitern.

„Der Internet Yami-Ichi hat viel mit Daten zu tun, und das ist ja auch ein zentrales Element der Ausstellung Open Codes. Es werden aus Gegenständen Daten gemacht und aus Daten Gegenstände“, sagt Giménez. „Deshalb wollten wir das unbedingt auch in Karlsruhe organisieren.“

OK Lab und andere Karlsruher Initiativen beim Internet Yami-Ichi

So sind auch im ZKM alle Interessierten eingeladen, alles zu zeigen und anzubieten, was sie am Internet einzigartig und interessant finden. Dazu kooperiert Giménez mit verschiedenen Initiativen, etwa dem OK Lab, der „Entropia“ genannten Karlsruher Gruppe des Chaos Computer Clubs oder dem Karlsruher Coaching Lab.

Giménez erwartet auch Teilnehmer aus der Hacker- und Maker-Szene, die ihre Rechner mitbringen und zeigen, an welchen elektronischen Basteleien sie gerade arbeiten.

Nach dem Vorbild aus Tokio soll der Flohmarkt wie das ursprüngliche Internet sein: ein freier Raum. „Man kann sich eigentlich alles vorstellen“, meint Giménez: „Wir lassen uns gerne überraschen.“

Der erste Internet Yami-Ichi in Karlsruhe findet am Sonntag, 7. April, von 12 bis 17.30 Uhr im OpenHub in der ZKM-Ausstellung Open Codes statt. Eintritt und Standplätze sind kostenlos. Wer einen Stand anbieten will, sollte sich per E-Mail an yami-ichi@zkm.de anmelden.