Urlauber
Viele junge Menschen wollen nach ihrem Schulabschluss ein Projekt beginnen. Im Inland oder im Ausland gibt es viele Möglichkeiten, etwa Friedensdienst, Work and Travel oder ein Praktikum. | Foto: Daniel Reinhardt

Hinaus in die Welt

Auslandsprojekte nach dem Schulabschluss: „USA sind nicht mehr so gefragt“

Anzeige

Manche Schüler pauken schon seit Monaten für ihre Abschlussprüfungen im Mai, andere fangen jetzt an und wieder andere lassen sich noch Zeit. Froh sind sie alle, wenn die Prüfungen hinter ihnen liegen. Doch was kommt danach? Die Zeit nach der Haupt- oder Realschule oder dem Gymnasium eröffnet Freiheiten, die es im Berufsleben später kaum einmal mehr gibt. Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Projekt – doch das muss weit im Voraus, spätestens in diesen Wochen, geklärt werden, sagen Anbieter.

Die erste Bewerbungsrunde für den Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst (FÖF) ist schon abgeschlossen. „Gerade junge Männer bewerben sich aber in der zweiten Runde“, sagt Landesjugendreferentin Milena Hartmann aus Karlsruhe. Bis 22. Februar haben Interessierte die Möglichkeit. Hinter dem Friedensdienst steckt eine einjährige Tätigkeit, etwa in Argentinien, Italien oder Rumänien. Junge Menschen engagieren sich in sozialen Einrichtungen, Museen, Kirchengemeinden oder in der alternativen Landwirtschaft. „Der Wunsch nach Arbeit mit Geflüchteten hat stark zugenommen“, berichtet Hartmann. „Wir rätseln aber selbst, warum etwas Trend ist. Früher wollten alle möglichst weit weg, heute ist das europäische Ausland gefragt.“ Wer sich 40 Stunden pro Woche unentgeltlich einsetzt, müsse ein Stück weit Idealist sein. „Aber in der Vorbereitung erklären wir, dass man nicht die Welt retten kann.“ Das gelte beispielsweise für eine der Stellen: Ein Projekt in Haifa mit arabischen und jüdischen Jugendlichen. 20 der 36 Stellen seien bereits vergeben.

Für Work & Travel „ist es jetzt absolut last minute“

Die jungen Menschen, die in die Jugendagentur Stuttgart zu Andrea Rembold kommen, planen weit voraus. Viele sprechen mit der Beraterin schon darüber, was sie nach ihrem Schulabschluss Mitte 2020 machen: Freiwilligendienst, Praktikum, Au-pair oder Work&Travel etwa. „Die meisten kommen aber ein Dreivierteljahr vorher“, sagt Rembold. „Manche beliebte Plätze sind schon weg – aber bis zum Frühjahr kann man noch viel bekommen.“ Das liege daran, dass die Zahlen eher rückläufig sind. Nur für das Format Work & Travel – Reisen und vor Ort für Gehalt oder Kost und Logis arbeiten – „ist es jetzt absolut Last-Minute.“

Internationale Erfahrung immer mehr gefragt

Rembold kann nur auf Möglichkeiten hinweisen, sie vermittelt nicht. Wer bei ihr war, kann gezielt auf Stellen zugehen. Die Nachfrage hat sich geändert, wie die Beraterin beobachtet: „Die USA waren sehr im Trend, das wird jetzt nicht mehr so nachgefragt. Das liegt am Bild, das in den Medien transportiert wird.“ Präsident Donald Trump spiele natürlich eine Rolle. Andere Entwicklungen wie der Brexit hätten dagegen keine Auswirkungen auf die Nachfrage. „Dafür gibt es jetzt öfters mal Fragen zu Japan, Südkorea sowie Mittel- und Südamerika.“ Auch 17-Jährige informieren sich bei Rembold. „Da ist vieles ausgeschlossen, etwa ein Visum in Australien.“ Für Work&Travel seien Australien, Neuseeland und Kanada weiter „total beliebt“.
Im Schulstress kann die persönliche Entwicklung schnell mal untergehen. „Viele wollen das nachholen“, sagt Rembold. „Außerdem ist internationale Erfahrung immer mehr gefragt.“

Manchmal gibt es ein Bewerbungsverfahren

Wer für diesen Sommer nach seinem Schulabschluss noch ein passendes Projekt sucht, sollte seine Entscheidung bald treffen. Bei manchen Programmen gibt es ein Bewerbungsverfahren – neben dem Lernen ein zusätzlicher Aufwand. „Wer seinen Platz schon hat, kann gezielt seinen Schulabschluss machen“, betont Rembold.
Eine Börse mit restlichen Plätzen ist unter anderem unter www.rausvonzuhaus.de zu finden. Informationen zu Friedensdiensten gibt es etwa unter www.freiwillige-vor.org.