Karlsruher Elefanten auf der Außenanlage
Viel mehr Platz und Abwechslung sollen die Elefanten im Karlsruher Zoo nach der Erweiterung ihrer Außenanlage haben | Foto: jodo

Neubau im Zoo Karlsruhe

Außenanlage zur Doppelnutzung durch die Dickhäuter

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Im Zoo Karlsruhe rückt der Bagger an: Am Montag beginnen die Arbeiten an der Außenanlage der Elefanten. Auf 3 000 Quadratmeter soll diese erweitert werden. Bis zu sechs Asiatische Elefantenkühe könnte  die Karlsruher Seniorenresidenz dann aufnehmen. Doch nicht nur diesen kommt die Erweiterung  zugute, auch für die Flusspferde eröffnet er neue  Dimensionen. Wenn die Elefanten die Anlage am Abend verlassen, bietet sie ihnen eine riesige Weidefläche. Und elfmal mehr Auslauffläche. Diese Form der Doppelnutzung ist deutschlandweit einzigartig.

Rosalinda  bei den Riesenschildkröten

Rosalinda hat eine neue Bleibe: Im Exotenhaus über den Riesenschildkröten bewohnt der Karlsruher Promi-Papagei, der eigentlich Douglas heißt und ein betagter Herr ist, nun gemeinsam mit seiner Partnerin Rubin eine verzweigte Kletteranlage. Da beide Vögel nicht mehr fliegen, sind Begegnungen mit ihren gewichtigen Mitbewohnern ausgeschlossen. Die Zoobesucher aber können den früheren Filmpartner Pippi Langstrumpfs nun viel besser beobachten – ganz ohne trennende Gitter oder Scheibe.

 

Südamerika-Haus vor Abriss

Notwendig wurde der Umzug der Hellroten Aras, da die Tage ihres bisherigen Domizils gezählt sind: Um Platz für die Erweiterung der Elefanten-Außenanlage zu schaffen, wird das marode Südamerika-Haus in der kommenden Woche abgerissen. Das künftige Terrain von Rani und Co. ist bereits abgesteckt: Kleine Holzpflöcke markieren den Umriss des dann 3 000 Quadratmeter großen Areals. Über das Pflaster und den heutigen Besucherweg bis hinunter zum Bachlauf reicht es, im Osten bis zu Rosalindas bisherigem Sommersitz, im Westen fast bis zum Kanal. Der Baumbestand bleibt ebenso erhalten wie die Geländeform und der Grasboden, nur Pflaster und Beton werden unter Sand verschwinden, erläutert Zoodirektor Matthias Reinschmidt.

Südamerika-Haus vor dem Abriss
Abgesteckt ist das künftig 3 000 Quadratmeter große Außengelände für die Elefanten und Flusspferde, dem nun das marode Südamerika-Haus weichen muss | Foto: jodo

Ab auf die Waage

Wo noch für wenige Tage das Südamerika-Haus steht, hat Zoo-Architektin Eva Kaltenbach einen Futterbaum und eine Wasserfall-Dusche für die Elefanten vorgesehen – die die Zoobesucher von der künftigen zweistufigen Tribüne am östlichen Rand der neuen Anlage bestens im Blick haben werden. Integriert in die Außenanlage wird zudem eine Waage – auf der nicht nur die Dickhäuter Farbe bekennen müssen.

Deutliche Verbesserung für beide Tierarten

Auch andere Großtiere können dort bei Bedarf zur Gewichtskontrolle, falls erforderlich auch in der Transportkiste, erklärt der Zoochef. Er entwickelte auch die Idee zur Doppelnutzung des Geheges: Wenn die Elefanten gegen Abend im Dickhäuterhaus sind, können die Flusspferde auf dem Gelände weiden. Auch in der Savanne kommen die Tiere in der Dämmerung aus dem Wasser und grasen am Ufer, schildert Reinschmidt. Für Platsch und Kathi bedeutet dieses ganz neue Dimensionen: Um den Faktor elf vergrößert sich ihre Auslauffläche, auf der sie dann auch einmal losstürmen können. Wozu die träge anmutenden Tiere durchaus in der Lage sind. „Das wird eine deutliche Verbesserung für beide Tierarten“, sagt der Zoochef über die neue Gemeinschaftsanlage, die nicht nur  bis zu sechs Elefanten Platz bietet, sondern durch die Doppelnutzung der Dickhäuter auch deutschlandweit einzigartig sei.

Schwierige Ausschreibung

Mit 1,29 Millionen Euro schlägt die Baumaßnahme zu Buche, im Entwicklungsplan für Zoo und Stadtgarten von 2015 war sie noch auf 880 000 Euro geschätzt worden. „Durch die gute Auftragslage gibt es weniger Bewerber“, nennt Eva Kaltenbach einen der Gründe für die Preissteigerung, die der Bauausschuss einstimmig genehmigte. Zudem war die Anlage damals ausschließlich für die Elefanten vorgesehen. Kompensiert wird die Mehrausgabe durch den vorläufigen Verzicht auf eine Baumaßnahme für Auerhühner am Lauterberg.

Bauen auch für die Luchse

Gebaut wird dort aber dennoch: Mit den Luchsen sollen im Sommer die ersten Botschafter für den Nationalpark Schwarzwald am Lauterberg angesiedelt werden. Beiderseits des Bergkamms oberhalb des „Gartens Baden-Baden“ beim Zooeingang am Bahnhof entsteht das 11 000 Quadratmeter große, sehr naturnahe Gehege, für das nun die Baustelle eingerichtet wird.

Knifflige Zulieferung

Während diese kaum Einschränkungen für den Zoobetrieb bringt, ist die Baustelle für die Elefantenanlage kniffliger, erklärt Architektin Kaltenbach. Durch die Zulieferung über den Wirtschaftshof wird der Bereich vor dem Zugang zum Dickhäuterhaus zum Engpass, befürchtet sie. Eine andere Möglichkeit gebe es aber nicht: Der Kanal und die geringe Tragfähigkeit der Holzbrücken – die zur Sanierung anstehen – schließen die Zufahrt von Westen aus.

Besucherweg am Kanal entlang

Der Besucherweg führt künftig gleich nach der Holzbrücke direkt am Kanal und an der neuen Elefantenanlage entlang bis fast zum Schwanensee, ehe ein Steg die Querung des kleinen Bachlaufs hinüber zum „Milchhäusle“ ermöglicht. Zurück geht es weiterhin über die Brücke bei den Emus, wobei der Weg dann direkt zur Tribüne an der Elefantenanlage führt – und in einem etwas spitzeren Winkel als bislang zur Freifläche mit Kletterbaum und Waffelstand. Dieser bleibt erhalten – in einem seiner Zoo-Umgebung angepassten Gebäude, erklärt Reinschmidt. Der auch klarstellt, dass sämtliche Pläne mit Gartenbau- und Denkmalamt abgestimmt sind.

Zu den Giraffen

Zuletzt haben am Dienstag die Textor-Webervögel das Südamerika-Haus verlassen – in das sie als Afrikaner ohnehin nicht passten. Im runderneuerten Giraffenhaus haben sie nun eine neue Voliere bezogen, die noch um einen Außenbereich ergänzt wird.

Attraktive neue Quartiere

Ein Puzzlespiel war es, für die weiteren Mieter des Südamerika-Hauses Ausweichquartiere zu finden. So sind Amazonen und ein Gebirgsara bei den Sonnensittichen eingezogen, weitere Paare sitzen hinter den Kulissen. Auch die Gelbbrust-Aras und Goldkopf-Löwenäffchen sind nun Backstage – und werden von ihren Fans bereits vermisst. Für sie hat der Zoochef eine Perspektive: Zwischen Zoorestaurant Exo und der Brücke hinüber zum Spielplatz plant er eine Freiluft-Voliere für die Gelbbrust-Aras Coco und Co. Und die seltenen Goldkopf-Löwenäffchen sollen ins Gehege der Totenkopf-Äffchen im Exotenhaus – wenn für die Verwandten von Pippis „Herr Nilsson“ im Raubtierhaus eine attraktive Bleibe geschaffen wurde. Gegenüber der China-Leoparden, wo heute noch Terrarien sind, sollen vor allem Kinder Pippi Langstrumpfs Gefährten näher kommen – in einem Glastunnel.